Nordrhein-WestfalenWegen Übergriffen: Klinik testet Bodycams in der Notaufnahme

Gebissen, geschlagen, beleidigt: Um Mitarbeiter der Notaufnahme besser vor Übergriffen zu schützen, setzt das Klinikum Dortmund seit Kurzem auf Bodycams. Die ersten Erfahrungen sind positiv.
Dortmund (dpa/lnw) - Als erstes Krankenhaus bundesweit testet das Klinikum Dortmund Bodycams in den Notaufnahmen - und sieht nach vier Wochen bereits einen verbesserten Schutz der Mitarbeiter vor gewalttätigen Übergriffen und Beleidigungen. Es habe in den ersten Wochen der insgesamt dreimonatigen Testphase bereits mehrere Anlässe gegeben, in denen die bloße Ankündigung, die kleine Kamera am Kittel anzuschalten, geholfen habe, eine sich hochkochende Situation zu beruhigen, schilderte Thorsten Stohmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme.
"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass allein das Tragen der Cams tatsächlich nicht nur auf das Gegenüber deeskalierend wirkt, sondern auch bei uns dazu führt, dass wir uns ein bisschen sicherer fühlen", ergänzte Christian Eggers, der die Notaufnahme am Klinikstandort Nord leitet.
Wie genau kommen die Kameras zum Einsatz?
Seit rund einem Monat können Mitarbeiter in den vier Notaufnahmen des großen Klinikums Bodycams tragen - und einschalten, wenn sich im Empfangsbereich Konflikte mit Wartenden oder Patienten erkennbar zuspitzen. Während medizinischer Behandlungen oder in vertraulichen Gesprächen werden sie nicht eingesetzt, hieß es bei der Vorstellung des Projektes.
Die Kamera dürfe zudem nur nach deutlicher Ankündigung aktiviert werden und verfüge über einen zusätzlichen Notrufknopf. Das Projekt sei im Vorfeld rechtlich geprüft und mit dem Betriebsrat abgestimmt worden.
Hintergrund der Maßnahme sei ein Anstieg der Gewalttaten und Angriffe auf das Personal in Krankenhäusern, insbesondere in Notaufnahmen, schilderte Michael Kötzing, Arbeitsdirektor der Klinik. Zwar benehme sich nur ein verschwindend geringer Anteil der Patienten in der Notaufnahme daneben, für diese Fälle brauche es aber ein wirksames Mittel der Prävention.
Bodycams sind Teil eines Maßnahmenpakets
In den Notaufnahmen komme es täglich zu Beleidigungen, auch dass gebissen, geschlagen und getreten komme viel zu häufig vor: "Es reicht. Wir wollen einen Schutz für unsere Beschäftigten", so Kötzing.
Die Bodycams seien aber nur eine Maßnahme in einem ganzen Paket, betonte er. So kommt in den Notaufnahmen bereits ein Sicherheitsdienst zum Einsatz, der nach dem Wunsch der Geschäftsführung künftig rund um die Uhr präsent sein soll. Zudem werden unter anderem Deeskalationstrainings und Selbstverteidigungskurse angeboten, es gibt Notrufknöpfe für die Tasche und es sind bauliche Veränderungen an den Zugängen vorgesehen. Nach der Testphase der Bodycams sei auch eine Ausweitung auf weitere Klinikbereiche denkbar.