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Nordrhein-WestfalenProzess gegen mutmaßliche IS-Terroristin gestartet

16.04.2026, 16:57 Uhr
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(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Wie eine junge Frau aus Deutschland sich radikalisierte, nach Syrien reiste, mehrere IS-Männer heiratete – und auf der Anklagebank in Düsseldorf landete.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Als mutmaßliche Terroristin der Miliz Islamischer Staat (IS) muss sich seit Donnerstag eine 32-jährige Frau aus Dortmund vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf verantworten. Die Deutsch-Marokkanerin soll mit ihrem Ehemann 2015 nach Syrien gereist sein und sich dort dem IS angeschlossen haben. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete sie laut Anklage der Bundesanwaltschaft zwei weitere IS-Terroristen. Die Frau habe ihre jeweiligen Ehemänner unterstützt und dadurch auch die Terrororganisation, so die Anklage.

Bereits 2012 habe sich die Frau radikalisiert, warf ihr die Bundesanwaltschaft beim Prozessbeginn vor. 2015 sei sie dann mit ihrem ersten Ehemann nach Syrien gegangen und habe sich dem IS angeschlossen. Bereits nach wenigen Monaten sei ihr Mann, ein IS-Kämpfer, ums Leben gekommen.

Sie habe in mehreren Frauenhäusern des IS gelebt, Anfang 2016 einen weiteren IS-Mann geheiratet und eine Tochter zur Welt gebracht. Auch ihr zweiter Ehemann sei gestorben und sie sei die Zweitfrau eines dritten IS-Manns geworden, so die Anklagevertreter. Als der sich durch die Wüste aus dem Staub gemacht habe, sei die Ehe Anfang 2019 geschieden worden.

In kurdischer Gefangenschaft

Die in Mainz geborene Deutsch-Marokkanerin sei in kurdische Gefangenschaft geraten und habe in einem Lager gelebt. Im August 2019 sei ihre zweite Tochter zur Welt gekommen. 2021 sei ihr die Flucht gelungen, Schleuser hätten sie in die Türkei gebracht und Ende 2022 sei sie - mit ihren Töchtern - nach Deutschland zurückgekehrt, wo sie nun in Dortmund wohne.

Sie haben acht Geschwister, ihr Vater habe bei Opel gearbeitet, ihre Mutter sei Altenpflegerin, berichtete die 32-Jährige. Durch YouTube-Videos des islamistischen Predigers Pierre Vogel sei sie mit dem Salafismus in Kontakt gekommen. "Ich habe ein sehr gutes Gefühl im Herzen bekommen. Das hat meinen Glauben gestärkt", sagte sie. Sie habe die zehnte Klasse der Hauptschule abgeschlossen.

Scharia studieren wollen

Mit 17 habe sie dann einen in England lebenden 18-Jährigen geheiratet und sei in die Nähe von London gezogen. Ihren Ehemann habe sie auf der Dating-Plattform "muslima.com" kennengelernt. "Für mich war wichtig, dass er einen Bart hat als Zeichen seiner Religiosität", sagte die Angeklagte.

Sie habe die Scharia studieren und in Saudi-Arabien leben wollen. Ihre Familie habe sie als Salafistin bezeichnet, sich aber keine Sorgen gemacht. Ab der Hochzeit habe sie einen Gesichtsschleier, einen Nikab, getragen. "Alles andere war damals für mich Sünde", sagte sie. Der Kontakt zu ihren Freunden in Deutschland sei mit der Hochzeit abgebrochen.

Mit 17 Jahren sei sie auch psychisch krank geworden, habe Stimmen gehört. Inzwischen nehme sie Medikamente dagegen, sagte die Angeklagte, die sich auf freiem Fuß befindet. Das Gericht hat für den Prozess bis 22. Mai zehn Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: dpa

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