Nordrhein-WestfalenScharrenbach setzt Giesinger-Song gegen Lifestyle-Debatte

Nordrhein-Westfalens toughe Heimatministerin schlägt ungewohnte Töne an. Neben dem Baugesetzbuch und der Kommunalverordnung kennt sie auch ganz andere Texte.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Ungewöhnlich emotional hat die Vorsitzende der Frauen Union Nordrhein-Westfalen, Landesheimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) auf die umstrittene Teilzeit-Debatte in ihrer Partei reagiert. Die sonst eher streng auftretende 49-Jährige nahm in ihrer Argumentation Anleihen bei Max Giesinger und dessen Song "Wenn sie tanzt".
Der habe das Lied als Dank an seine alleinerziehende Mutter geschrieben, erklärte sie in Düsseldorf. So gehe es ganz vielen Frauen in der Bundesrepublik. "Ich glaube, dass diese Debatte Lebensrealität verkennt", unterstrich Scharrenbach. "Ganz viele Frauen würden sich wünschen, dass sie wenigstens einmal im Leben Lifestyle hätten. Das ist Realität."
Ein Parteitagsantrag des Wirtschaftsflügels der Union unter dem Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" sorgt - auch innerhalb der Partei - seit Tagen für viel Unmut.
An der Realität vorbei
Neben Hunderttausenden alleinerziehenden Frauen sei auch das Thema häusliche Pflege überwiegend ein weibliches, sagte Scharrenbach. Deshalb sei die Debatte nicht gut. "Wenn Sie die Bevölkerung gewinnen wollen für eine Veränderung, dann können sie das nicht tun, wenn sie Lebensrealitäten aus einer Debatte herausnehmen."
Grundsätzlich sei das Thema Teilzeit dennoch relevant. "Es gibt auch Frauen, die wollen mehr arbeiten und kriegen kein Angebot", stellte Scharrenbach fest. Darüber hinaus müsse erörtert werden: "Wie belohnen wir eigentlich den Willen zur Mehrarbeit?"
"Teilzeit führt zur Rentenfalle"
Wer zu lange in Teilzeit bleibe, habe letztlich ein Problem in der Altersversorgung: "Teilzeit führt zur Rentenfalle." Das lasse sich auch daran ablesen, dass jedes Jahr mehr ältere Menschen nach einem Wohnberechtigungsschein fragten, weil ihre Rente nicht ausreiche.
"Und deswegen ist Teilzeit ein relevantes Thema, aber man muss es eben so führen, dass man die Menschen im Kopf wie im Herzen mitnimmt", argumentierte die CDU-Politikerin. Man könne eine solche Debatte nicht ernsthaft führen, "indem man der Republik vorwirft, Teilzeit sei Lifestyle".