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Nordrhein-Westfalen Steigende Inzidenz bei Kindern: Sondersitzung am Donnerstag

Ein Arzt hält einen Tupfer, mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild)

Rund zwei Wochen nach dem Schulstart in NRW steigen die Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen weiter an. Politiker und Verbände streiten um die richtigen Maßnahmen - am Donnerstag auch in einer Sondersitzung des Landtags.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der nordrhein-westfälische Landtag kommt am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammen, um über den Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie zu diskutieren. Die SPD-Fraktion hatte die Sondersitzung am Montag in Düsseldorf beantragt. Sie befürchtete angesichts steigender Corona-Infektionszahlen bei Kindern einen "Kontrollverlust".

Man wolle "nicht länger zusehen, dass die Landesregierung schulterzuckend diese dramatischen Zahlen bei den Kindern" beobachte, begründete Fraktionschef Thomas Kutschaty am Montag in Düsseldorf den Vorstoß. Man wolle mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) "darüber diskutieren, was er gedenkt zu tun, um Kinder in unserem Land zu schützen."

Kutschaty nannte die Entwicklung der Corona-Inzidenzwerte bei Kindern und Jugendlichen besorgniserregend. In NRW liege die Sieben-Tage-Inzidenz bei Fünf- bis 14-Jährigen überwiegend im violetten Bereich, also zwischen 200 und 500. In Richtung Landesregierung sagte er: "Da muss deutlich mehr kommen." Das Landesparlament solle zum Tagesordnungspunkt "Schutz unserer Kinder und Jugendlichen in NRW sichern - Kontrollverlust in der Pandemie beenden" zusammenkommen.

Nach Angaben des Schulministeriums von Montag befanden sich in NRW mit Stichtag 26. August 30.018 Schüler und Schülerinnen in Quarantäne. Das entspreche 1,6 Prozent der Schülerschaft. Unter allen Schülern wurde bei etwa 0,35 Prozent - 6561 Personen - eine Corona-Infektion bestätigt. Der Höchststand bei den von Quarantäne betroffenen Schülern war im November 2020 bei 73.836 Kindern und Jugendlichen erreicht worden. An der wöchentlichen Abfrage des Ministeriums beteiligten sich laut Schulministerium knapp 4000 der insgesamt 4844 befragten öffentlichen Schulen - mit fast 1,85 Schülern und rund 140.500 Lehrkräften.

Kutschaty stellte am Montag einen Sieben-Punkte-Plan vor, der unter anderem eine Neuregelung der Quarantäne an Schulen enthielt. Bei einem Corona-Fall soll demnach die gesamte Klasse fünf Tage in Quarantäne und dann die Möglichkeit haben, mit einem negativen Test zurückzukehren. Während der Quarantäne soll es laut Kutschaty zudem bessere digitale Angebote für Schüler und Schülerinnen geben.

Der nordrhein-westfälische Lehrerverband forderte ebenfalls ein Umdenken bei der Quarantäneregelung. "Es ist doch ein Widerspruch, wenn der Mallorca-Urlauber sich nach fünf Tagen freitesten lassen kann, die Schüler aber volle 14 Tage zu Hause sitzen", sagte Verbandspräsident Andreas Bartsch der "Rheinischen Post". Auch Schüler sollten nach vier bis fünf Tagen die Quarantäne mit einem negativen PCR-Test beenden können.

Bisher müssen Schüler, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, 14 Tage in Quarantäne. Als "enge Kontaktpersonen" gelten nach dem entsprechenden Erlass des Gesundheitsministeriums Schüler, die vor, hinter, rechts oder links vom Infizierten gesessen haben. Gleiches gilt für Lehrer und weiteres Schulpersonal, wenn sie engen Kontakt zum betroffenen Schüler hatten. Geimpfte ohne Symptome sind von der Quarantäne ausgenommen. Wer einen negativen PCR-Test vorlegt, darf wieder am Unterricht teilnehmen - außer er ist "nach einer Einzelfallprüfung vom Gesundheitsamt als Kontaktpersonen identifiziert worden", erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

In den Klassenräumen sollten zudem Luftfilter installiert werden, sagte Kutschaty. "Ich weiß nicht, wie oft wir schon drüber gesprochen haben, aber wieder hat ein Schuljahr begonnen, ohne dass Luftfilter in den Klassenräumen stehen", sagte der SPD-Landeschef. Das sei ein "Scheitern mit Ansage". Bartsch beschwerte sich, beim Thema Luftfilter sei es "katastrophal" gelaufen. "Die Kommunen wissen bei dem neuen Bundesprogramm immer noch nicht, welche Modalitäten sie erfüllen müssen, damit sie eine Förderung bekommen."

Auch die Diskussion um die Maskenpflicht an Schulen ebbt nicht ab. Geht es nach der Bildungsgewerkschaft GEW so soll diese auch weiterhin gelten. "Die Beibehaltung der Maskenpflicht ist das Gebot der Stunde", sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik auf Anfrage. "Wir brauchen ein Mehr an Sicherheit - nicht weniger."

Das neue Schuljahr war in Nordrhein-Westfalen mit einer Maskenpflicht in Gebäuden und Klassenräumen gestartet. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte angekündigt, die Notwendigkeit dieser Maßnahme im Lichte des Infektionsgeschehens in den ersten Tagen des Schulbetriebs ständig zu überprüfen.

© dpa-infocom, dpa:210830-99-23915/5

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