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Nordrhein-WestfalenTilly trotzt Putin: Satirischer Bildband zum Geburtstag

06.10.2026, 15:33 Uhr
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Karnevalswagenbauer Jacques Tilly lässt sich auch ein halbes Jahr nach dem Moskauer Urteil nicht von Kremlchef Putin einschüchtern. Er hat ein besonderes Geschenk für den Präsidenten.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Düsseldorfer Karnevalist und Satiriker Jacques Tilly hat ein besonderes Geburtstagsgeschenk für Wladimir Putin: Pünktlich zum 74. Geburtstag des Kremlchefs bringt der Karnevalswagenbauer einen Bildband heraus, in dem ein Extrateil seinen Putin-kritischen Mottowagen gewidmet ist. Dazu hat der vor einem halben Jahr in Abwesenheit von einem Moskauer Gericht zu achteinhalb Jahren Lagerhaft verurteilte Tilly eine Botschaft an den Präsidenten: "Wir machen natürlich weiter mit unserem Kurs, und wir werden weiterhin auch das russische Regime natürlich kritisieren."

Tilly und die Herausgeberin Eva Creutz stellten in Düsseldorf den Bildband "Wer hat Angst vor Pappmaché?" vor. Offiziell erscheint das Buch am Mittwoch (7. Otober), Putins Geburtstag. Das sei aber Zufall, versichern sie.

Geballte Staatsmacht gegen Pappfiguren

"Die geballte Härte einer autoritären Staatsmacht wurde gegen närrische Pappfiguren aufgeboten", schreibt Tilly in einem Nachwort. "Der Prozess belegt eindrucksvoll, dass Satire den Mächtigen dieser Welt tatsächlich wehtun kann, dass Satire in der Lage ist, Despoten und Autokraten Angst zu machen (...). Sie haben Angst, dass man sie als das darstellt, was sie sind: an Größenwahn erkrankte, lächerliche Würstchen."

Die Moskauer Justiz hatte Tilly in dem Strafverfahren unter anderem vorgeworfen, die russische Armee zu verleumden und religiöse Gefühle zu verletzen. Schon seit 2009 kommentierte Tilly mit seinen bissig-satirischen Mottowagen Putins Politik. Zu den bekanntesten zählen der in einer blutgefüllten Wanne badende Kremlchef - eine Anspielung auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auf einem anderen Wagen waren Putin in Uniform und der vor ihm kniende orthodoxe Patriarch Kirill beim Oralverkehr zu sehen.

Auch wenn fast alle Mottowagen traditionell nach den Rosenmontagszügen zerstört werden, so gingen die Bilder doch um die Welt. "Das ist offensichtlich eine Kunstform, die weltweit verstanden wird und auch Wirkung entfaltet", sagt Tilly zufrieden.

Verfahren hinterließ Spuren

Von der Anklage und dem Prozess sei er weder offiziell von russischer Seite informiert worden, noch habe er jemals ein schriftliches Urteil erhalten, so der 63-Jährige. "Russland ist ein Unrechtsstaat. Das ist ein Unrechtssystem, das ist ein unrechtes Urteil, und ich halte mich da, so gut es geht, einfach raus."

Trotzdem hat das Verfahren Spuren bei dem 63-jährigen Tilly hinterlassen. "Also, es fühlt sich nicht gut an, verurteilt zu sein von Moskau." Das Urteil sei wie ein Damoklesschwert, das über einem schwebe. Aber er werde jetzt nicht in Paranoia ausbrechen, sondern zusammen mit seiner Frau das Leben mit aller Lebensfreude genießen.

Einschüchtern lasse er sich jedenfalls nicht, sagt Tilly. "Wenn wir eingeschüchtert sind, dann haben sie ihr Ziel erreicht, und das möchte ich nicht." Er versuche, so unbeeindruckt wie möglich zu sein. Und räumt zugleich ein: "Gelingt nicht immer, muss man zugeben." Das einzig Positive, was er dem Prozess abgewinnen könne, sei, "dass man einfach sieht, dass Satire eben doch wehtut".

Gespräche mit Sicherheitsbehörden

Konkreten Bedrohungen sei er zum Glück nicht ausgesetzt, sagt Tilly. Es gebe eher eine abstrakte Bedrohungslage. Er habe mit dem Verfassungsschutz, dem Staatsschutz und der Polizei Gespräche geführt. "Ich bin nicht auf irgendwelchen schwarzen Listen." Er habe auch viel Solidarität aus der Politik erfahren, vor allem aber auch von vielen Bürgerinnen und Bürgern und natürlich von seinem Team.

Sorge macht Tilly die kürzliche Warnung des Verfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendienstes, dass Russland einen Schattenkrieg gegen Deutschland führe. Da sei betont worden, wie bedrohlich die Situation sei und dass sie weiter eskaliere und dass mit immer härteren Maßnahmen von russischer Seite gegen Deutschland zu rechnen sei. "Und das heißt für uns alle hier auch nichts Gutes, auch nicht im Karneval."

Zwar könne er wegen des Risikos einer möglichen Auslieferung nach Russland nicht mehr in einige Länder reisen, so Tilly. Aber das sei letztlich ein Luxusproblem gegenüber den Menschen, die wirklich der russischen Justiz ausgeliefert seien. "Ich kann immer noch frei leben, ich kann frei arbeiten."

Der nächste Putin-Wagen ist noch geheim

Ob und wie er Putin beim nächsten Rosenmontagszug aufs Korn nimmt, verrät Tilly übrigens noch nicht. "Ich weiß absolut noch nicht, es ist noch viel zu früh, sich jetzt um die politischen Wagen Gedanken zu machen."

Quelle: dpa

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