Nordrhein-WestfalenWarnstreik legt Nahverkehr lahm - Was fährt noch?

Der Wochenanfang ist für Millionen Fahrgäste des Nahverkehrs diesmal eine besondere Herausforderung. Haltestellen werden nicht angefahren. Zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto? Wo es stocken kann.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Der öffentliche Nahverkehr ist in großen Teilen Nordrhein-Westfalens durch einen Warnstreik zum Erliegen gekommen. Busse und Bahnen sind in zahlreichen großen Verkehrsbetrieben zum Betriebsbeginn in den Depots geblieben. "Alle Ein- und Ausgänge sind symbolisch blockiert", sagte Frank-Michael Munkler von der Gewerkschaft Verdi zur Situation bei den Kölner Verkehrs-Betrieben KVB. Auch in Bonn, Leverkusen und Bergisch Gladbach sollten zeitgleich ganztägige Arbeitsniederlegungen beginnen.
Nahezu alle großen Verkehrsbetriebe betroffen
Busse und Bahnen seien in den Depots geblieben, sagte auch Linda Malolepszy, die bei Verdi unter anderem für die Rheinbahn in Düsseldorf zuständig ist. Die Gewerkschaft hat Beschäftigte in insgesamt rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Dazu zählen nahezu allen großen Nahverkehrsunternehmen des Landes wie DSW21 in Dortmund oder der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Münster. Die Aseag in Aachen ist dabei eine der wenigen nicht betroffenen Ausnahmen.
Busse von Subunternehmen können jedoch fahren. Die Verkehrsbetriebe informieren im Internet und in Apps. Sie verweisen zudem darauf, dass der Bahnverkehr mit Regionalzügen und S-Bahn-Linien nicht betroffen ist.
Keine Störungen im Zugverkehr
Angesichts des Warnstreiks verweisen die betroffenen Verkehrsbetriebe Fahrgäste auf die fahrenden S-Bahnen und Regionalzüge als eine mögliche Alternative. Auch die Deutsche Bahn erklärte bereits im Vorfeld der Warnstreiks im Nahverkehr, dass die Züge ohne Einschränkungen fahren würden. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, lagen am frühen Montagmorgen keine Störungen im Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen vor. "Momentan läuft alles."
Aktuelle Verkehrslage
Wer angesichts des Warnstreiks im Nahverkehr mit dem Auto zur Arbeit oder die Kinder zur Schule fahren will, sollte nach Einschätzung des ADAC frühzeitig losfahren. "Auf den Hauptstrecken wird es zur Rushhour noch voller werden", sagte ein Sprecher im Vorfeld. Fahrten zu Stoßzeiten zwischen 7.00 und 9.00 Uhr und 16.00 bis 18.00 Uhr sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Wie stark sich der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr auf die Verkehrslage auswirken wird, hängt laut ADAC entscheidend davon ab, wie viele Arbeitnehmer sich auf den Streik einstellen und gegebenenfalls auch im Homeoffice arbeiten können.
Am frühen Montagmorgen gab es keine größeren Staus in NRW, wie aus einer Übersicht des Verkehrsministeriums hervorgeht. Erfahrungsgemäß arbeiten etliche Arbeitnehmer an solchen Tagen in Absprache mit dem Arbeitgeber von zu Hause aus. Jedoch sind nicht nur Arbeitnehmer vom Warnstreik betroffen.
Schulpflicht besteht
Das NRW-Schulministerium hat auf die Schulpflicht hingewiesen. "Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin", hatte das Ministerium auf der Plattform Facebook erklärt. Eltern müssten deshalb dafür Sorge tragen, dass ihre Kinder zur Schule kommen. Sollte einer Schülerin oder einem Schüler der Schulweg im Einzelfall nicht zumutbar sein, handele es sich um entschuldigte Fehlzeiten, hieß es.
Gefahr von Glatteis
Am Morgen des Warnstreiks kann es auf Straßen weiterhin glatt werden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Vor allem im Norden und Nordosten ist bis in den Vormittag hinein mit gefrierendem Regen zu rechnen, die Unwettergefahr bleibt jedoch gering. In den Hochlagen der Eifel sowie im Münsterland und im Sauerland sollten Verkehrsteilnehmer auf überfrierende Nässe und damit einhergehende glatte Straßen vorbereitet sein. Am Vormittag kann in Höhenlagen von mehr als 500 Metern zudem neuer Schnee fallen.
Wie mehrere Polizeidienststellen berichteten, gab es am frühen Morgen keine Glätteunfälle. Allerdings waren zu der Zeit noch wenige Fahrer unterwegs.
Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt?
Die erste Verhandlungsrunde für die etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW blieb am 21. Januar ohne Ergebnis. Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen, fordert Verdi NRW.
Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen
Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der kommunalen Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, so dass der Nahverkehr bereits jetzt attraktive Arbeitsplätze biete. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, längere Takte und die Vergabe von Beförderungen ans private Busgewerbe nachgedacht werden.