Rheinland-Pfalz & SaarlandBASF prüft Kaufangebote für Tausende Werkswohnungen

Der Chemiekonzern möchte sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Deshalb macht das Unternehmen Immobilien zu Geld - der Schritt ist nicht unumstritten.
Ludwigshafen (dpa/lrs) - Der Chemiekonzern BASF kommt beim geplanten Verkauf von Tausenden Wohnungen seiner Tochter BASF Wohnen und Bauen voran. "Das Portfolio der 3.300 Wohnungen hat deutliches Interesse bei potenziellen Käufern geweckt. Daraus haben sich viele belastbare Angebote ergeben", teilte ein Sprecher in Ludwigshafen mit. BASF habe bis Abgabeschluss am Montag "Gebote sowohl von überregionalen als auch von regionalen Kaufinteressenten" erhalten.
Geplant seien erste detaillierte Gespräche mit Kaufinteressenten im Mai. Details wollte der Sprecher nicht mitteilen. Die Angebote würden nun geprüft. Dabei würden sowohl wirtschaftliche Aspekte als auch "qualitative Kriterien" berücksichtigt - etwa die "Fähigkeit und Bereitschaft, den Wohnungsbestand langfristig, verantwortungsvoll und im Sinne der Stadtentwicklung zu bewirtschaften".
Stadt Ludwigshafen will "Verantwortung übernehmen"
Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) hatte den Stadtrat am Montag informiert, dass sich die Kommune um die Wohnungen bewerbe. "Wir hatten relativ frühzeitig uns dazu geäußert, dass auch wir mit einem Konsortium rund um die (kommunale Wohnbaugesellschaft) GAG ein Angebot abgeben wollen", sagte Blettner. Der Verkauf der BASF-Wohnungen sei "weit mehr als ein rein wirtschaftlicher Vorgang".
"Es geht um Verantwortung – für unsere Stadt, für gewachsene Nachbarschaften und für die Menschen, die dort ihr Zuhause gefunden haben", betonte Blettner. Er appelliere an BASF, bei der Entscheidung auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mieterinnen und Mietern zu berücksichtigen. "Ludwigshafen steht bereit, Verantwortung zu übernehmen."
Konzentration auf Kerngeschäft
BASF hatte im Februar über den geplanten Verkauf informiert. Demnach handelt es sich um 1.100 Eigentumswohnungen, die an verschiedene einzelne Käufer verkauft werden sollen, sowie 3.300 Wohnungen, die als Gesamtpaket inklusive Gebäude an einen Kaufinteressenten gehen sollen. Für den überwiegenden Teil soll bis Anfang 2027 ein Käufer mit Interesse an einer "langfristigen, nachhaltigen Investition" gefunden sein.
Hintergrund ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens. BASF will sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Stammwerk zu stärken. Bei Gewerkschaften und Landespolitik stieß der geplante Wohnungsverkauf auf Kritik. Auch die BASF-Aktionäre dürften bei der Hauptversammlung des Dax-Unternehmens am Donnerstag kritische Fragen stellen.