Rheinland-Pfalz & SaarlandBestatter fordern bessere Vorsorge für Kühlung von Toten

In diesem Sommer sind in Rheinland-Pfalz nach Schätzungen rund 2.000 Menschen an der Hitze gestorben. Was berichten die Bestatter? Wo gab es Probleme?
Mittelreidenbach (dpa/lrs) - Mit Blick auf kommende Hitzewellen fordert der Bestatterverband Rheinland-Pfalz ein Notfallkonzept für die kurzfristige Aufstockung von Kühlräumen für Verstorbene. In diesem Sommer, in dem es in Rheinland-Pfalz rund 2.000 Hitzetote gab, habe es bei der Kühlung Engpässe gegeben, sagte der Verbandsvorsitzende Patrick Merscher in Mittelreidenbach (Kreis Birkenfeld) der Deutschen Presse-Agentur.
Bestatter hätten übereinstimmend von überfüllten Kühlkapazitäten in kommunalen Einrichtungen und in einzelnen Kliniken berichtet. Dies habe teilweise zu improvisierten Lösungen geführt, "die weder fachlich noch hygienisch tragbar sind", sagte er.
"Wir müssen insgesamt mehr Vorsorge betreiben und uns Gedanken machen für die kommenden Hitzeperioden." Und auch für andere Katastrophen mit vielen Toten, die passieren könnten. "Man will ja nichts dramatisieren, aber das Glück ist mit denen, die vorbereitet sind", sagte Merscher.
Bestatter hatten im Sommer mehr Arbeit
Die Bestatter könnten sowohl ihre Expertise bei der Bergung und Identifizierung von Toten als auch ihre Kühlungsmöglichkeiten einbringen. Merscher sagte, er habe dazu das Innenministerium angeschrieben, aber noch keine Rückmeldung bekommen.
In Rheinland-Pfalz gebe es ein Notfallteam der Bestatter, das bei großen Lagen unterstützen könne. Man könne vom Bundesverband eine mobile Kühlung anfordern. Zudem sei es möglich, über den Verein "DeathCare" Kühlcontainer zu organisieren.
Merscher berichtete zudem, dass es zu Verzögerungen bei der Überführung und Versorgung der Verstorbenen gekommen sei, da notwendige Freigaben und kommunale Lagerkapazitäten nicht zeitgerecht bereitgestellt worden seien.
In einigen Fällen hätten Angehörige länger auf Freigabe der Verstorbenen warten müssen, da eine zeitnahe Todesfeststellung nicht möglich gewesen sei. Insgesamt hätten die Bestatter deutlich mehr zu tun gehabt als im Vorjahr, sagte er.
Und es gab deutlich mehr Einäscherungen
Das berichtet auch das Rhein-Taunus-Krematorium in Braubach-Dachsenhausen. Man habe in den Sommermonaten Juni und Juli rund 20 Prozent mehr Einäscherungen gehabt als im Vorjahreszeitraum, sagte Juniorchefin Judith Könsgen. Verzögerungen habe es keine gegeben. "Wir arbeiten rund um die Uhr."
Das Krematorium, das in Rheinland-Pfalz das größte ist, verfügt über acht Einäscherungsanlagen. Für den Arbeitsfluss von Vorteil sei auch, dass alles digitalisiert sei - und man anhand eines Identitätsnachweises am Sarg jeden Schritt von der zweiten Leichenschau bis zur Asche nachvollziehen könne.
Normalerweise stehe im Sommer die Wartung der Anlagen an. Wegen der Auslastung habe man diese auf spätere Monate verschoben, sagte Könsgen. "Unser Ziel ist es immer, den Bestattern und damit den Angehörigen die Urne schnellstmöglich zurückzugeben."
Das Krematorium habe eine große Kühlung. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal mit vielen Toten habe man der Kriminalpolizei Kühlkapazitäten zur Verfügung gestellt, damit sie Leichen hätten identifizierten können. Es sei wichtig, "dass alle Beteiligten wissen, wie die Abläufe sind, auch wo die Kapazitäten sind und vor allem, wer anzurufen ist im Notfall", sagte Könsgen.