Rheinland-Pfalz & SaarlandDer ewige Kampf gegen die Vergänglichkeit am Dom zu Speyer

Während Besucherinnen und Besucher über die mächtigen Türme staunen, ersetzt das Dombauamt Technik und hält Mauerwerk instand. Es ist eine stille Schlacht gegen die Zeit.
Speyer (dpa/lrs) - Stürme, Hitze, Krieg: Fast 1.000 Jahre hinterlassen ihre Spuren am Unesco-geschützten Dom in Speyer. Wenn vom Erhalt der imposanten Kathedrale die Rede ist, denken viele an alte Steine und mächtige Mauern. Doch im Alltag des Dombauamts geht es auch um moderne Technik. Denn ohne Strom bleibt selbst der Dom dunkel – und überraschend still.
Eine der wichtigsten jüngeren Instandhaltungen spielte sich im Verborgenen ab, wie die Bilanz des Domkapitels für das vergangene Jahr jetzt beweist: der Austausch des Transformators, der den Dom mit Energie versorgt. Die alte Anlage stammte noch aus dem Jahr 1963 und war längst in die Jahre gekommen.
Zwischen Ewigkeit und Technik
Ursprünglich für eine deutlich höhere Stromabnahme ausgelegt, galt der Trafo zuletzt als deutlich überdimensioniert. Mit LED-Leuchten und weiteren Energiesparmaßnahmen sank der Verbrauch. Der Trafo drohte jedoch, durch die dauerhaft niedrige Auslastung Schaden zu nehmen. Die Folgen wären gravierend gewesen: Nicht nur das Licht würde erlöschen, auch Lautsprecher und Brandschutzanlage wären betroffen.
Sogar der Luftstrom für die Orgeln wird inzwischen elektrisch erzeugt. Ergo: Ohne Strom verstummt der Dom. Gemeinsam mit den Stadtwerken Speyer ersetzte das Dombauamt die Technik durch einen neuen, bedarfsgerechten Transformator.
Turm für Turm
Weithin sichtbar sind dagegen die Arbeiten an den Osttürmen. Seit März 2025 laufen Sanierungen im oberen Bereich des Südostturms, in drei offenen Turmgeschossen. Erst mit dem Gerüst wurde allerdings das Ausmaß der Schäden an den Natursteinflächen deutlich.
Wind und Wetter haben den Steinen zugesetzt. Besonders problematisch erwies sich die Wasserableitung: Starkregen, wie er im Zuge des Klimawandels häufiger auftritt, überforderte die bisherigen Systeme. Gemeinsam mit Denkmalfachbehörden wurden neue Wasserspeier geplant und Tropfkanten gesichert, um Schäden zu vermeiden.
Erfahrung als Bauplan
Die Erkenntnisse aus dem Südostturm fließen nun in die Arbeiten am gegenüberliegenden Nordostturm ein. Auch dort zeigen sich erhebliche Schäden – lockere Steine und lose Putzschollen zeugen von der Belastung.
Deshalb wurde der ursprüngliche Plan angepasst: Statt zunächst einen Turm komplett zu sanieren, werden die oberen Geschosse des Nordostturms vorgezogen. Der Erhalt des Doms bleibt vor dem großen Jubiläum 2030 eine Daueraufgabe – zwischen mittelalterlichem Mauerwerk und moderner Technik.