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Rheinland-Pfalz & Saarland"Kaiserjahr" 2020 rückt Machtzentren am Rhein in den Blick

04.01.2020, 11:49 Uhr

Helau für Friedrich Barbarossa: Der mittelalterliche Herrscher wird in diesem Jahr beim Rosenmontagszug in Mainz dabei sein. Der Motivwagen wirbt für die große Landesausstellung ab September. Bereits im April geht es auf dem Trifels los.

Mainz (dpa/lrs) - Vor gut 1000 Jahren war die Region rund um Mainz, Ingelheim und Speyer ein europäisches Machtzentrum - dies macht ein groß angelegtes Ausstellungsprojekt bewusst, das 2020 zum "Kaiserjahr" erklärt hat. Die Vorbereitungen zur großen Landesausstellung "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht" sind in der heißen Phase. Am 26. April startet das "Kaiserjahr" mit der Ausstellung "Die stärkste Burg des Reiches - Burgen als Säulen der Macht" auf dem Trifels in Annweiler. Närrisch eingekleidet rollt Kaiser Friedrich Barbarossa schon am 24. Februar auf einem Wagen im Mainzer Rosenmontagszug durch die Straßen. Die Vorlage dafür lieferte eine Abbildung aus der Welfenchronik, die ebenfalls in der Ausstellung präsentiert wird.

Die zentrale Ausstellung im Landesmuseum in Mainz öffnet am 9. September und dauert bis zum 18. April 2021. Sie soll nach Angaben der Ausstellungsmacher erstmals die damaligen Netzwerke der Macht beleuchten und auf "die dynamischen Beziehungsgeflechte von Herrschern und Beherrschten" blicken. Inhaltliche Präsentationen sind auch an zahlreichen weiteren Orten geplant, zusammen mit einem umfangreichen Begleitprogramm. "Wir gehen dahin, wo die Geschichte gespielt hat", sagt der Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, Thomas Metz.

Dazu gehören Rittertum und höfische Kultur, Kathedralen und die allmählich erstarkenden Städte, aber auch die unter dem System der Grundherrschaft leidende ländliche Bevölkerung. Digitale 3D-Modelle von Mainz, Worms und Speyer stellen diese Städte in der Zeit um 800 und um 1200 dar. Eingebettet in das große Projekt ist auch die mittelalterliche Glanzzeit der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, die nach den hebräischen Anfangsbuchstaben als Schum-Städte bezeichnet werden. Der Antrag für ihre Aufnahme ins Unesco-Welterbe soll in diesem Monat gestellt werden.

Das Ausstellungsprojekt erstreckt sich von der Herrschaft des im Jahr 800 gekrönten Kaisers Karl dem Großen bis zu dem 1190 gestorbenen Friedrich Barbarossa. Zu den bereits angekündigten Ausstellungsobjekten gehört auch die erst später, nämlich 1356 verfasste Goldene Bulle, die wichtigste gesetzliche Grundlage für das bis 1806 bestehende "Heilige Römische Reich". Weitere besondere Objekte sind das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Pariser Louvre, die Urkunde der Eheschließung von Kaiserin Theophanu mit Otto II. aus dem Jahr 972 und der Codex Manesse, die im 14. Jahrhundert entstandene Heidelberger Liederhandschrift.

Wissenschaftlicher Leiter des Ausstellungsprojekts ist der Mediävist Bernd Schneidmüller von der Universität Heidelberg. Zu den Kooperationspartnern gehören die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und die Forschungsstelle Geschichte und kulturelles Erbe (FGKE) an der Universität Heidelberg.

Kaiserjahr 2020

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