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Rheinland-Pfalz & SaarlandSaarland will Förderschüler besser unterstützen

16.06.2026, 15:16 Uhr
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Die Zahl der Förderschüler wächst, ihr Unterstützungsbedarf wird komplexer und vielschichtiger. Wie das Saarland darauf reagiert.

Saarbrücken (dpa/lrs) - Das Saarland stellt seine sonderpädagogische Förderung neu auf. Der Ministerrat stimmte einer eigenen Verordnung für die Förderschulen zu, wie Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) berichtete. Die Verordnung trete am 1. August in Kraft und sei ein wesentlicher Modernisierungsschritt für Kinder und Jugendliche an Förderschulen.

Ziel sei es, die individuelle Förderung für Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf zu stärken, das Förderschulwesen flexibler zu gestalten und die Übergänge innerhalb eines inklusiven Bildungssystems zu verbessern. Gleichzeitig wolle man der wachsenden Schülerzahl und ihrem "komplexen und mehrdimensionalen" Förderbedarf gerecht werden.

Einige Neuerungen:

  • Künftig können Förderschulen mehrere Förderschwerpunkte an einem Standort anbieten. Dadurch sollen Kinder häufiger an ihrem vertrauten Lernort bleiben können, auch wenn sich ihr Förderbedarf verändert.

  • Informatik wird an fast allen Förderschulen Pflichtfach, zudem gibt es mehr Spielraum für eigene Schwerpunkte etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit, Gesundheit oder Berufsorientierung. 

  • Für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wird erstmals eine verbindliche Stundentafel eingeführt. Ein "Individuelles sonderpädagogisches Angebot" soll gezielte Fördermaßnahmen im Schulalltag ermöglichen. 

  • Um Demokratiebildung und Teilhabe zu stärken, wird in allen Klassenstufen ein Klassenrat verbindlich verankert.

  • Erweitert werden die Bildungs- und Abschlussmöglichkeiten: Schülerinnen und Schüler bestimmter Förderschulen sollen neben dem Hauptschul- auch den mittleren Bildungsabschluss erwerben können.

"Wir wünschen uns, dass die Regelschulen und Förderschulen noch näher zusammenrücken", sagte Streichert-Clivot. Dabei habe man festgestellt, dass es für alle jungen Menschen und auch die Lehrkräfte sehr gewinnbringend sei, wenn man miteinander kooperiere. Schüler sollten künftig verstärkt die Möglichkeit erhalten, nur befristet eine Förderschule zu besuchen und wieder an eine Regelschule zurückzukehren. "Das Thema Durchlässigkeit, inklusive Bildung und auch das Ziel, Abschlüsse erreichen zu können, um danach ein selbstbestimmtes Leben zu führen, gehören zusammen."

Förderbedarf und Schülerzahlen steigen

Im Saarland besuchen derzeit 4.103 Schülerinnen und Schüler eine der 40 Förderschulen. Im laufenden Schuljahr kamen 201 hinzu – ein Anstieg von 5,2 Prozent. Auch nach den Sommerferien rechnet das Ministerium mit einer ähnlichen Entwicklung.

Besonders stark stiegen die Schülerzahlen in den Förderschwerpunkten geistige, körperlich-motorische und sozial-emotionale Entwicklung. Gründe dafür seien unter anderem medizinische Fortschritte: Frühgeborene Kinder überlebten heute häufiger eine Frühgeburt, hätten aber oft besonderen Förderbedarf. Hinzu komme, dass offenbar auch ein früher Medienkonsum für einen steigenden Unterstützungsbedarf sorge.

Quelle: dpa

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