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Rheinland-Pfalz & SaarlandSchöne Form, grelles Leuchten – was an Mineralien fasziniert

13.08.2026, 03:32 Uhr
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Sie strahlen grün und gelb, bilden faszinierende Kristalle – und sind manchmal radioaktiv: Was Sammler an Mineralien reizt, und warum Expertinnen auch zur Vorsicht mahnen.

Mainz (dpa/lrs) - Was für die einen bloß ein Stein ist, kann für andere ein Schatz sein: Minerale bilden oft außergewöhnliche Kristallstrukturen, manche leuchten unter UV-Licht spektakulär grün oder gelb. Eine Durchsuchung einer Wohnung im Saarland hat zuletzt gezeigt, dass die Faszination auch eine andere Seite haben kann – hier laufen die Ermittlungen wegen mutmaßlich radioaktiven Materials noch. Gefahr für die Bevölkerung besteht der Polizei zufolge nicht.

Der Fall lenkt den Blick auf eine ungewöhnliche Sammlerszene, in der sich wissenschaftliches Interesse, Naturerlebnis und die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang treffen. Was macht solche Objekte so faszinierend? Mehrere Dinge, sagt ein Sammler, der namentlich nicht genannt werden möchte und der in sozialen Netzwerken als eine Art Influencer aktiv ist.

Unter Mineraliensammlern gebe es welche, die sich vor allem für magnetische Mineralien interessierten und andere für radioaktive Mineralien. "Jeder hat da so seine Nische." Uranminerale bildeten sehr interessante Kristalle. Es gebe Hunderte, alle bildeten andere Strukturen aus. Uranocircit oder Autunit beispielsweise leuchteten unter UV-Licht wunderschön grün und gelb.

"Ein bisschen wie Pilze suchen"

Und wie kommen Sammler an solche Mineralien? Es gebe Mineralien-Tauschbörsen, auf denen in den allermeisten Fällen auch radioaktive Exemplare zu haben seien. Viele Sammler gingen aber auch selbst auf die Suche in alten Uran-Abbaustätten, die es in Europa gebe – auch in Deutschland.

"Das ist ein bisschen wie Pilze suchen", sagt der Sammler. Er selbst sei immer wieder mit Freunden quer durch Europa unterwegs. Man gehe mit einem Geigerzähler umher und schaue, wo dieser zu klicken anfange. Dort grabe man dann ein Loch und finde eventuell ein Mineral.

"Du bist in der Natur, hast deinen eigenen Hammer dabei, spaltest einen Stein und suchst. Das ist definitiv die günstigste Option." Denn Mineralien seien sonst wirklich teuer - vor allem, wenn man ein wirklich schönes Stück haben wolle. Für solche Suchtrips brauche es nur gute Schuhe, einen Hammer, eine Maske und vielleicht eine Schutzbrille. Das sei es dann auch.

Was ist mit Flohmärkten?

Das Risiko im Umgang mit radioaktiven Mineralien hält er für überschaubar. Es gebe stabilere und instabilere Mineralien. Letztere könnten schneller zerfallen, wobei Staub freigesetzt werden könne. Für mehr Sicherheit könnten solche Mineralien etwa in Boxen aufbewahrt werden. Wie bei jedem Hobby müsse man sich ein wenig mit der Materie beschäftigen. Die von diesen Mineralien ausgehende Strahlung sei jedoch sehr überschaubar.

Er könne sich vorstellen, dass sich auf Flohmärkten mehr Radioaktivität feststellen lasse. Dort würden etwa Urangläser oder alte Armbanduhren mit fluoreszierenden Zeigern oder Ziffernblättern angeboten. Für letztere wurden einst radiumhaltige Leuchtfarben verwendet. Uranglas wiederum enthält Uranverbindungen als Farbstoff.

Ein Experte über ein mögliches Sammelverbot

Solche Armbanduhren sind aus Sicht von Joachim Lorenz gleichermaßen gänzlich unproblematisch. Der Stahlboden der Uhren zum Handgelenk hin absorbiere die ohnehin geringe Strahlung nahezu komplett, sagt er. Lorenz aus dem mainfränkischen Karlstein ist nicht Teil dieser Sammlerszene, wohl aber ein Mineralienkenner. In früheren Jahren war er Sicherheitsingenieur in einem Unternehmen, beschäftigte sich viel mit Strahlenschutz und widmet sich inzwischen voll der Geologie und Mineralogie.

Lorenz hält das von radioaktiven Mineralien ausgehende Risiko ebenfalls für äußerst überschaubar, die ionisierende Strahlung sei schlicht sehr gering. Selbst bei der Bearbeitung dieser Mineralien ließen sich Risiken minimieren, indem unter Wasser geschliffen und eine Maske sowie Schutzbrille getragen würden. Ein Verbot des Sammelns radioaktiver Mineralien wäre aus seiner Sicht sinnlos, da Radioaktivität in minimalen Dosen einfach überall vorkomme.

Wer im Winter über den Nordpol nach New York zum Shoppen fliege, sei mehr Strahlung ausgesetzt, als es in einem deutschen Kernkraftwerk erlaubt sei, sagt Lorenz. "Die Menschen haben einfach eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung von Gefährdung."

Nicht im Schlafzimmer und nicht bearbeiten

Das Sammeln radioaktiver Mineralien kann aus wissenschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll sein – Voraussetzung ist aber eine konkrete Fragestellung. Darauf weisen Kirsten Grimm und Regina Mertz vom Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hin. Beim Umgang mit dem Material müssten Arbeits- und Strahlenschutz eingehalten werden. Gerade bei radioaktiven Mineralien sei besondere Vorsicht nötig.

Die Mineralien sollten nach Möglichkeit nicht in ständig bewohnten Räumen wie Schlaf- oder Wohnzimmern aufbewahrt werden, betonen die Expertinnen. Für eine private Sammlung kämen nur sehr geringe Mengen schwach strahlender Minerale infrage. Die Proben sollten luftdicht in Kunststoffbehältern oder in Kunstharz eingebettet und in einem abschließbaren Schrank gelagert werden.

Dadurch ließen sich Staubfreisetzung und Hautkontakt vermeiden. Auch längere Aufenthalte bei den Proben sollten vermieden werden. Zudem sei eine gute Belüftung wichtig. Zerkleinern, Schleifen oder Polieren der Minerale sollte wegen möglicher Staubbildung unterbleiben, erklären die Wissenschaftlerinnen. Sie empfehlen ein Messgerät zur Kontrolle der Dosisleistung. Unsachgemäßer Umgang, betonen Mertz und Grimm, könne gesundheitsgefährdend sein.

Quelle: dpa

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