HessenEinsteigen und abkühlen – Hilfe für hitzegeplagte Menschen

Mitten im Hitzechaos am Willy-Brandt-Platz: Die Kühlbusse bieten nicht nur Abkühlung, sondern auch Gespräche und Hilfe. Wie erleben Besucher das Projekt?
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Michael Beisenherz macht die Hitze zu schaffen. Es gebe wenig Schatten, wenige kühle Orte, an denen er an heißen Tagen Schutz suchen könne, sagt er. Abhilfe schaffen die zwei Kühlbusse am Willy-Brandt-Platz, die mit mobilen Klimaanlagen ausgestattet sind.
Hier nimmt Beisenherz eines der ausgegebenen Wasserpäckchen entgegen und kommt mit den Helferinnen und Helfern vor Ort ins Gespräch. Die Busse bieten jeweils Platz für rund 40 Menschen. "Ich find' das super", sagt der 34-Jährige und wünscht sich mehr solcher Angebote, wie sie die Johanniter bis Ende August anbieten. Beisenherz ist für einen Tapetenwechsel aus Stuttgart nach Frankfurt gekommen.
Vor der Oper rollt klappernd ein Wägelchen voller Süßgetränke. "Es gibt genug Leute in Frankfurt, denen es gut geht. Und ich dachte mir: "100 Euro kann man mal für was Sinnvolles ausgeben"", sagt Michael Koch, der die Süßgetränke an die Helferinnen und Helfer der Johanniter übergibt. Koch ist Ortsvorsteher in Wiesbaden-Klarenthal und in verschiedenen Vereinen ehrenamtlich aktiv. "Ich glaube, die Menschen brauchen nicht immer Essen und Trinken. Ich glaube, die brauchen manchmal auch ein offenes Ohr."
Obdachlose sind besonders gefährdet
Begegnungen zu schaffen und Hemmschwellen abzubauen, sei ein positiver Nebeneffekt des Kühlbusses, sagt Monika Gorny, Pressesprecherin der Johanniter-Unfall-Hilfe Rhein-Main. Da es für Schutzbedürftige wie Obdachlose in Frankfurt wenige Möglichkeiten gebe, sich vor der extremen Hitze zu schützen, sei das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt ins Leben gerufen worden. Mit dabei ist am Montag auch der Flächensuch- und Trümmersuchhund Hazel, der noch mehr Menschen zu den Kühlbussen bringen solle, sagt eine Helferin der Johanniter.
Rund 100 bis 300 Menschen besuchen die Kühlbusse täglich. Von 13 bis 19 Uhr sind sie bis Ende August geöffnet. "Bei Bedarf vermitteln wir auch weitere Angebote, geben Hinweise für medizinische Hilfe oder sichere Schlafplätze", sagt Gorny.
"Es könnten vier bis fünf solcher Wagen in Frankfurt sein"
Draußen nehmen vorbeigehende Passanten Wasserpäckchen entgegen. Drinnen macht es sich Jürgen Wolff auf einem der Vierersitze im Bus gemütlich. Er ist 62 Jahre alt und geht bald in Frührente, erzählt er. Vor wenigen Tagen sei er an den Bussen vorbeigelaufen und auf die Aktion aufmerksam geworden.
"Es könnten vier bis fünf solcher Wagen in Frankfurt sein", sagt Wolff. Besonders die Dauer der Hitze sei anstrengend. "Es ist schon anstrengend für alte Menschen. Die nächsten zwei Tage werde ich mal zu Hause bleiben." Er wohne auf der Schattenseite, komme deshalb gut in seinen eigenen Wänden aus.
Kühlen und begegnen
"Viel schlafen, wenig arbeiten", sei Wolffs Devise, um die Hitzezeit zu überbrücken. Die angestaute Hitze vor den Hochhäuserschluchten erinnere ihn an seinen Urlaub in Phoenix in Arizona (USA): "Als ich aus dem Flughafen rausgegangen bin, dachte ich, ich bin in der Sauna." Seine Gliedmaßen streckt er der mobilen Klimaanlage entgegen. Für den nächsten Sommer möchte er sich selbst eine Klimaanlage zulegen.
Die Helferinnen und Helfer freuen sich über alle, die vorbeischauen: Ob Senioren, Familien mit Kindern oder Menschen, die ihre Mittagspause an einem kühlen Ort verbringen möchten. So werden die Kühlbusse nicht nur zu einem Ort des Abkühlens, sondern auch zu einem Ort der Begegnung, sagt Gorny.