Rheinland-Pfalz & SaarlandSchweitzer: Pragmatisch, Musikfan und Familienmensch

Schweitzer sucht die Nähe zu Menschen. Ein Rezept, für das die SPD in Rheinland-Pfalz seit Jahrzehnten steht. Der Ziehsohn von Kurt Beck und Nachfolger von Malu Dreyer wirft alles in die Wagschale.
Mainz (dpa/lrs) - Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer kämpft den Kampf seines Lebens. Der 52 Jahre alte Sozialdemokrat will Regierungschef bleiben und stellt sich am 22. März erstmals dem Wählervotum. Das Amt übernahm er im Sommer 2024 von Malu Dreyer (SPD). Seither reist er rastlos durchs Land, um sich und seine politischen Ziele bekannt zu machen. "Am Ende zählt immer die Nähe zu den Menschen", ist Schweitzers Überzeugung.
Schweitzer findet klare Worte - auch gegenüber der Bundespartei
Der Pfälzer mischt sich auch in der Bundespolitik ein, als stellvertretender Parteichef - und turnusgemäß als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Sein Schwerpunkt neben Bildung und Wirtschaft: Die finanzielle Lage der Kommunen und eine Reform des Sozialstaats. Für klare Worte ist Schweitzer bekannt. Dabei geht er auch mal auf Distanz zur Bundespartei.
Der Sohn eines Binnenschiffers wuchs die ersten sechs Jahre auf einem Schiff auf und wollte als Kind Schleusenwärter werden. Seither ist er in der Südpfalz verwurzelt und in der Kleinstadt Bad Bergzabern zu Hause. Der bodenständige Pfälzer ist großer Fan des 1. FCK. Selbst spielte der 2,06 Meter große Mann früher vor allem Basketball.
Familie ist dem Südpfälzer wichtig - aber auch Musik
Musik gehört zu seinen Hobbys und Entspannungsquellen, Schweitzer ist großer Fan der Britpop-Band Oasis. Seine Playlist mit den 10 All-Time-Favorites führt Taylor Swift nach dem "Palzlied" an, er trägt auch - wie viele Swift-Fans - ein Friendship-Armband am Handgelenk.
Schweitzer lebt seit rund zehn Jahren vegan und verzichtet im Wahlkampf vollständig auf Alkohol, um sich fit zu halten. Obwohl er immer eine Flasche Bellheimer Bier aus seiner Heimatregion im Kühlschrank hat.
Mit seiner Frau Barbara, einer Lehrerin, hat er zwei Söhne im Alter von 15 und 16 Jahren. Zur Familie gehört auch die Tochter Lilly (27) aus einer früheren Beziehung - und der Hund Mimi.
Sein Glücksbringer ist ein gehäkelter Frosch an seinem Schlüsselbund. Schweitzer guckt auch gerne Serien. "Seit Beginn unserer Beziehung schauen wir die Serie "Friends" total gerne", erzählt seine Frau Barbara. Auch "The Sopranos" gehört zu den Favoriten.
Schweitzer spricht frei und will für Lösungen stehen
Schweizer spricht in der Regel frei, orientiert sich dabei an grafisch angeordneten Stichworten. "Ich schreibe keine Reden." Wichtig ist dem Regierungschef auch im Landtag, sich auf seine Themen und Botschaften zu konzentrieren: "Blutrünstige Reden über politische Gegner werden Sie von mir nicht hören." Er will für Lösungen und nicht für Streit stehen - egal ob es um Themen mit dem Bund oder im Land geht: "Völlig überflüssige Debatten darüber, wie man zu leben hat oder dass es gestern besser war, als es heute ist, oder morgen werden kann, finden sie bei anderen."
In den letzten Wochen des Landtagswahlkampfes erhöht der SPD-Spitzenkandidat nochmals seine Schlagzahl bei den Wahlkampfterminen im Land: Elf Termine in einer Woche, zwei Stationen pro Tag, jedes Mal eine Rede vor rund 100 Menschen, berichtete Schweitzer jüngst von seinem Pensum. "Wahlkampf ist Bewegung. Die einzige Reaktion auf gute Umfrageergebnisse ist: Eine Schippe drauflegen: Ackern, ackern, ackern."