Rheinland-Pfalz & SaarlandGlasverbot und Videoüberwachung: Fastnacht sicher feiern

Mehrere Tausend Polizisten und viele Helfer sichern die Straßenfastnacht in Rheinland-Pfalz. Höhepunkt ist der Mainzer Rosenmontagsumzug. Gefeiert wird aber noch in vielen anderen Orten.
Mainz (dpa/lrs) - Mehr als 5.000 Polizeikräfte sowie zahlreiche Feuerwehrleute, Sanitäter und kommunale Helfer: Der Höhepunkt der Straßenfastnacht von Altweiberdonnerstag bis Fastnachtsdienstag soll in ganz Rheinland-Pfalz ein sicheres und fröhliches Fest werden.
Dazu tragen Waffenverbotszonen, ein Glasverbot in Mainz und zahlreiche medizinische Stationen bei – aber auch Aufenthalts- und Betretungsverbote, allein 58 in Mainz.
Beim Rosenmontagsumzug in der Landeshauptstadt werden etwa 1.120 Kräfte in zwei Phasen eingesetzt, wie eine Sprecherin des Innenministeriums berichtete. In Koblenz, Trier sowie in Ludwigshafen sichern demzufolge jeweils mehr als 150 Kräfte die Umzüge.
Erhöhte abstrakte Gefährdung
Den Sicherheitsbehörden lägen zwar keine Erkenntnisse oder Hinweise vor, die auf eine konkrete Gefährdung der Veranstaltungen während der diesjährigen Fastnachtskampagne hindeuteten. "Dennoch ergibt sich aus der aktuellen Sicherheitslage, insbesondere im Kontext des Nahostkonflikts, des Krieges in der Ukraine sowie der Entwicklungen im Iran, eine erhöhte abstrakte Gefährdung."
Für jede größere Veranstaltung würden Sicherheitskonzepte von Veranstaltern und Kommunen in Zusammenarbeit mit der Polizei erarbeitet. Dabei geht es auch um enge Abstimmungen zu Zufahrten. Die Kommunen sind für die Überwachung des Glasverbots in Mainz und eventuelle Messerverbote zuständig.
Sicherheit wird in Mainz groß geschrieben
Der Mainzer Carnevals-Club (MCV) rechnet mit mehr als 600.000 Besuchern. Dazu kommen etwa 9.250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zuges. "Sicherheit ist inzwischen ein mit beherrschendes Thema und steht ganz, ganz weit oben auf der Agenda", sagt MCV-Präsident Hannsgeorg Schönig.
Zum Glasverbot an Weiberfastnacht und Rosenmontag an den Feier-Hotspots in Mainz kommt das Waffenverbot auf diesen Plätzen sowie in Bus und Bahn. Die Bundespolizei habe zudem Waffenverbotszonen an den drei Mainzer Bahnhöfen eingerichtet. Polizeieinsatzleiter Frank Heinen warnte die Narren davor, echt wirkende Waffen mitzubringen: "Das ist gefährlich!"
Sogenannte Super-Recognizer überwachen die 58 Aufenthalts- und Betretungsverbote, 2025 hätten sie zwei Betroffene daran gehindert, dennoch zu kommen.
Feuerwehr rechnet mit 400 Patienten – meist kleine Verletzungen
Für medizinische Probleme sind am Rosenmontag 480 Kräfte im Einsatz, wie Michael Ehresmann von der Feuerwehr sagte. 40 Rettungs- und Krankenwagen stehen bereit, an der 7,5 Kilometer langen Zugstrecke sind neun Unfallhilfsstellen mit Ärzten eingerichtet. Gerechnet werde mit rund 400 Patienten, seit Corona seien es weniger geworden und in der Regel seien die allermeisten Bagatellfälle.
Es wird verstärkt kontrolliert
"Wir wollen keine Spaßverderber sein, sondern ein verlässlicher Partner für sicheres Feiern", sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Trier. An Karneval werde oft mit Alkohol und anderen berauschenden Mitteln gefeiert: Wenn sich die Leute dann ans Steuer setzen, könne das ein erhebliches Sicherheitsrisiko sein. Daher werde es verstärkte Kontrollen geben, kündigte sie an. In Trier werde die Polizei an Weiberdonnerstag und an Rosenmontag verstärkt mit Einsatzkräften unterwegs sein.
Videotechnik ist auch im Einsatz
Videotechnik wird auch bei großen öffentlichen Veranstaltungen eingesetzt, beispielsweise in Frankenthal, Zweibrücken, Ramstein, Koblenz und Mainz. In der Landeshauptstadt sind Kameras auf dem Dom, dem Schillerplatz und dem Gutenbergplatz sowie auf dem Veranstaltungsgelände.
Zudem werden für die Dauer einiger Veranstaltungen in mehreren Städten individuelle Aufenthalts- und Betretungsverbote ausgesprochen, heißt es im Ministerium. In Trier wird es an Rosenmontag erstmals eine Drohnen-Flugverbotszone geben, teilte das Polizeipräsidium mit.
Bürgerinnen und Bürger werden fortlaufend über die Social-Media-Kanäle der Polizei Rheinland-Pfalz und die WhatsApp-Kanäle der Polizeipräsidien informiert.
Polizei gibt Narren und Närrinnen Tipps
Wer schön kostümiert in der Menge schunkele, sollte den Schutz der eigenen Wertsachen nicht vergessen, teilte die Polizei in Trier mit. Denn Taschendiebe könnten diese Gelegenheiten ausnutzen. Die Polizei rät auch: Narren und Närrinnen sollte ihre Heimfahrt im Vorfeld planen und organisieren. Denn verstärkte Polizeikontrollen werde es auf jeden Fall geben.
"Friedlich, fröhlich und rücksichtsvoll"
Auch die Polizei Koblenz begleitet die Straßenfastnacht mit einem umfassenden Einsatzkonzept, wie sie auf Anfrage mitteilte. Gemeinsam mit Stadt, Ordnungsbehörden, Rettungsdiensten, Feuerwehr, Veranstaltern und weiteren Partnern soll ein sicherer Ablauf gewährleistet werden. An erwarteten Besucherschwerpunkten wird die Polizei nach eigenen Angaben sichtbar präsent sein und bei Bedarf schnell eingreifen.
Die Polizei appelliert zudem an die Eigenverantwortung der Feiernden: Aggressives Verhalten, Gewalt, Belästigungen oder Sachbeschädigungen werden konsequent verfolgt. Demnach ruft sie dazu auf, "die närrischen Tage friedlich, fröhlich und rücksichtsvoll miteinander zu feiern".
Rosenmontagsumzug in Koblenz
Der Rosenmontagsumzug in Koblenz setzt seit Jahren auf ein stetig weiterentwickeltes Sicherheitskonzept, wie Zugmarschall Olav Kullak, der den Umzug seit 12 Jahren leitet, erklärte. Dazu gehört, dass unter anderem die Strecke seitlich geschützt wird, sodass keine offenen Flanken entstehen, und sogenannte Wagenengel die Wagen rechts und links begleiten. Im Sinne des Schutzkonzepts werde nicht mehr über den Inhalt veröffentlicht, betonte Kullak.
Die Sicherheitsmaßnahmen sind dem Zugmarschall zufolge in den vergangenen Jahren moderat aufwendiger und kostspieliger geworden. Insgesamt kosten sie in diesem Jahr rund 60.000 Euro. Auch die Stadt beteiligt sich an den Maßnahmen. Bei dem Umzug sind etwa 5.000 Menschen unterwegs, die so nach Angaben des Zugmarschalls sicher begleitet werden.