Rheinland-Pfalz & SaarlandWorms: Festspiele versprechen "aufregenden Nibelungensommer"

Das Nibelungen-Epos gilt als "Game of Thrones" des Mittelalters. Wie inszenieren die renommierten Festspiele das Spektakel um Drachentöter Siegfried und seinen Mörder Hagen in diesem Jahr?
Worms (dpa/lrs) - Die Nibelungen-Festspiele in Worms setzen mit dem diesjährigen Stück "Die Hunnenkönigin" (17. Juli bis 2. August) auf eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit und eine neue Perspektive auf die Sage. Durch die Zusammenarbeit mit der Londoner Theatercompagnie Les Enfants Terribles werde der Blick auf den Stoff "noch einmal internationaler", sagte Intendant Nico Hofmann bei der Präsentation in der Stadt am Rhein.
Auch künstlerisch gehe die Produktion neue Wege: Ein Genremix aus Schauspiel, Musik, Tanz und Puppentheater biete großes Spektakel.
Welche Schauspielerinnen auf der Bühne stehen
Der künstlerische Leiter Thomas Laue sagte, im Zentrum des Stücks stehe die Figur der Kriemhild. Deren Geschichte sei "kaum richtig auserzählt" worden, obwohl sie zu den bekanntesten Figuren der Sage gehöre. Mit Maria Drăguș ("Das weiße Band") und Jeanette Hain ("Werk ohne Autor") prägten zwei profilierte Schauspielerinnen das Ensemble, ergänzt durch die Sängerin Alice Merton. Alles spreche für einen "aufregenden Nibelungensommer 2026".
Nach Ansicht von Landeskulturministerin Katharina Binz (Grüne) verbinden die Festspiele kulturelles Erbe mit zeitgenössischer Auseinandersetzung. Die diesjährige Produktion greife zentrale Fragen von Gerechtigkeit, Macht und Verantwortung auf. Gerade in Zeiten unter Druck geratener demokratischer Werte seien solche "Räume des Nachdenkens" wichtig. Das Land unterstütze die Spiele mit 50.000 Euro zusätzlich zur Förderung von bisher 750.000 Euro.
Welche Neuigkeit es gibt
Die Sängerin und Komponistin Alice Merton wurde 2017 mit dem Hit "No Roots" bekannt. Die in Frankfurt/Main geborene Künstlerin übernimmt mit dem Sänger und Komponisten Alexander Wolfe die musikalische Gestaltung der diesjährigen Festspiele. Beide werden live auf der Bühne vor dem Kaiserdom auftreten.
Seit ihrem Start 2002 haben sich die Festspiele um Drachentöter Siegfried und seinen Mörder Hagen einen guten Ruf über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus erworben. Geboten wird jedes Jahr eine Neuinszenierung auf Basis des Original-Nibelungenliedes. Im vergangenen Jahr waren alle 16 Abende der Festspiele bereits vor der Premiere ausverkauft. Die Tribüne bot bisher Platz für rund 1.400 Zuschauer.
In diesem Jahr hat das Publikum den Organisatoren zufolge erstmals Gelegenheit, besonders nah am Geschehen zu sitzen: "Ganz im Sinne einer Shakespeare’schen Bühnenanordnung" entstünden auf der Bühne vor dem Dom zwei zusätzliche Tribünen links und rechts der Hauptspielfläche - "für ein besonders unmittelbares Theatererlebnis".