Rheinland-Pfalz & SaarlandZeit zum Innehalten: Fastenzeit und Ramadan beginnen

Für Christen in Rheinland-Pfalz beginnt am Aschermittwoch die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern. Muslime starten ebenfalls in dieser Woche in den Fastenmonat Ramadan. Welche Gemeinsamkeiten gibt es?
Mainz (dpa/lrs) - Mit Gebeten und Gottesdiensten beginnt für Christen am Aschermittwoch die Fastenzeit bis Ostern. In diesem Jahr überschneidet sich die Zeit mit dem muslimischen Fastenmonat Ramadan weitgehend - bis zum 19. März verzichten Muslime tagsüber auf Speisen und Getränke. Wie Gläubige beider Religionen in Rheinland-Pfalz die Zeit begehen:
Gemeinsame Werte beim Familienfasten finden
Für katholische Christen stehen Meditationen, Gottesdienste, digitale Impulse und Fastenaktionen im Vordergrund. Mit der zentralen Fastenaktion des Hilfswerks Misereor soll in diesem Jahr berufliche Bildung in Kamerun gestärkt werden. Die Aktion wird am 22. Februar mit einem Gottesdienst im Bistum Limburg eröffnet, der ab 10.00 Uhr live in der ARD übertragen wird.
Bei der Aktion "7 Wochen WERTvoll" können sich Paare und Familien anmelden und jede Woche einen Brief erhalten. Dieser enthält Gottesdienstvorlagen, Aktivitäten, Gebete oder Meditationen, mit denen Teilnehmer gemeinsame Werte entdecken können. Initiatorin ist die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung (AKF). Im Raum Dillingen im Saarland gibt es ein digitales Angebot: täglich kommt eine WhatsApp-Nachricht als Begleitung durch die Fastenzeit.
Fastenpredigten in Benediktinerabtei Maria Laach
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff (beide CDU) kommen zu Fastenpredigten in die Benediktinerabtei Maria Laach. Die Ex-Kanzlerin hält ihre Predigt am 4. März, Wulff folgt zwei Wochen später am 18. März. Insgesamt wird es in den kommenden Wochen sieben Predigten geben, jeweils mittwochs um 17.30 Uhr, stets begleitet von Orgelmusik.
Beim Klimafasten wollen das Zentrum Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das Bistum Mainz und das evangelische Dekanat Mainz Anregungen geben, wie Menschen ihren Alltag so gestalten können, dass er dem Klima und einer gerechteren Welt zugutekommt. Dazu gibt es Lesungen und eine ökumenische Fastengruppe, die sich wöchentlich online trifft.
Evangelische Fastenaktion: Sieben Wochen ohne Härte
Die Fastenzeit lade dazu ein, den Alltag zu unterbrechen und Prioritäten anders zu setzen, sagt Rieke Eulenstein vom evangelischen Kirchenkreis an der Saar. Dazu könne auch ein Verzicht auf das Auto, das Smartphone, Plastik, Koffein oder Tabak zählen.
Für evangelische Christen gibt es während der Passionszeit die zentrale Fastenaktion "7 Wochen ohne", die in diesem Jahr unter dem Motto "Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte" steht. Wand- und Tischkalender bieten dabei täglich neue Impulse. Die Campus-Gemeinde Kaiserslautern & Homburg/Saar lädt am 6. März zu einem interreligiösen Friedensgebet mit einem Themenschwerpunkt zu Syrien ein.
Moschee wird im Ramadan zum Ort der Begegnung
"Im Ramadan wird unsere Moschee zu einem zentralen Ort der Begegnung", sagt Imam Safa Sarac von der IGMG Barbaros-Moschee in Mainz. Täglich kommen dann mehrere Menschen zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen, nachdem sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf jegliches Essen und Trinken verzichtet haben. Es gehe darum, die innere Verbindung zwischen sich und Allah wiederzufinden, erklärt Imam Sarac. Zum Fastenbrechen sei jeder eingeladen – vom Studenten bis zum Arbeiter. Während des Ramadans sammeln die Muslime in der Barbaros-Moschee Spenden für Bedürftige weltweit.
Nachbarn, Freunde und Interessierte zum Fastenbrechen einzuladen, sei während des Fastenmonats eine Tradition, sagt Imam Sarac. Der Dialog solle damit weitergeführt werden. "So, wie es auch schon unser Prophet gemacht hat." Ramadan bedeute nicht nur Verzicht, sondern auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. "Der Ramadan soll bei Muslimen Geduld, Respekt, Hilfsbereitschaft, Solidarität fördern und helfen, eine innere Ruhe zu finden und den Zusammenhalt zu stärken. Das ist bei der Fastenzeit im Christentum ähnlich."
Gemeinsame Fastenbrechen mittlerweile Tradition
"Alle Landesverbände der muslimischen Gemeinden und viele lokale Moscheen laden auch Vertreter der Kirchen zum Fastenbrechen ein. Das hat bei uns in Rheinland-Pfalz mittlerweile Tradition", sagt Miguel Vicente, Integrationsbeauftragter der Landesregierung Rheinland-Pfalz.
Vor einigen Jahren sei der Fastenmonat Ramadan noch nicht so stark im Bewusstsein von Politikern auf Landes- und Kommunalebene gewesen. Dies habe sich geändert. "Das halte ich für eine wichtige und gute Entwicklung", sagt Vicente. Das Fastenbrechen mit eingeladenen Politikern würden von vielen Muslimen als Anerkennung und Wertschätzung wahrgenommen.