Sachsen-Anhalt2025: 44 Prozent weniger Asylsuchende als im Vorjahr

In Sachsen-Anhalt sind, wie auch bundesweit, deutlich weniger Schutzsuchende angekommen im vergangenen Jahr. Gleichzeitig haben neuen Zahlen zufolge mehr Ausreisepflichtige das Land verlassen.
Magdeburg (dpa/sa) - Die Zahl der Asylsuchenden in Sachsen-Anhalt ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um rund 44 Prozent zurückgegangen. Insgesamt wurden 2.873 Neuzugänge registriert nach 5.134 im Vorjahr und 7.754 im Jahr 2023, wie das Innenministerium auf Nachfrage mitteilte. Ähnlich niedrige Zahlen von unter 2.900 habe es zuletzt 2018 und 2019 sowie aufgrund der Corona-Pandemie 2020 gegeben. Hier zentrale Fakten zur Migration 2025:
Herkunftsländer
Die fünf Hauptherkunftsländer 2025 waren Syrien (568), Afghanistan (473), die Türkei (326), Indien (255) und die Russische Föderation (156). Die Veränderungen zum Jahr davor sind deutlich. Damals kamen noch 1.992 Menschen aus Syrien, 607 aus der Türkei, 472 aus Afghanistan, 405 aus Indien und 176 aus dem Irak.
So viele Ausreisepflichtige verließen das Land
Die Summe der Abschiebungen und der veranlassten freiwilligen Ausreisen ist gestiegen. Zusammen 1.603 Ausreisepflichtige verließen den Zahlen des Innenministeriums zufolge das Land, 2024 waren es noch 1.255 gewesen, 2023 1.008. Sachsen-Anhalt forciert insbesondere die veranlassten freiwilligen Ausreisen, bei denen die Ausreisepflichtigen mitwirken. Deren Zahl stieg von 601 im Jahr 2024 auf nun 1.027, was einem Plus von 71 Prozent entspricht. 2023 lag die Zahl noch bei 473, wie das Ministerium weiter mitteilte.
Bei den freiwilligen Ausreisen geht es etwa um Passersatzbeschaffungen, die insbesondere bei unkooperativen Herkunftsstaaten zwingend erforderlich sind, um eine Rückkehr Ausreisepflichtiger in ihren Herkunftsstaat zu ermöglichen, hieß es. Eine wichtige Rolle spielen die Ausländerbehörden, aber auch das vom Land finanzierte Rückkehrzentrum bei der Diakonie Jerichower Land – Magdeburg gGmbH. "Neben weiteren Rückkehrberaterinnen und Rückkehrberatern wurde als neue Komponente die Rückkehrberatung und Reintegration für das Herkunftsland Syrien etabliert, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung tragen zu können", so das Ministerium. Die Strukturen sollten weiter ausgebaut werden.
Was man zu Abschiebungen wissen sollte
"Hintergrund für die Entscheidung, sich im Jahr 2025 stark auf veranlasste freiwillige Ausreisen zu konzentrieren, war auch, dass aufgrund der deutlich gestiegenen Abschiebungen der letzten Jahre, die Gesamtzahl derjenigen, die aus Sachsen-Anhalt tatsächlich abgeschoben werden können, stetig sank", so das Innenministerium. Tatsächlich abgeschoben werden könne nur in die Herkunftsstaaten von Ausreisepflichtigen, die kooperierten. Im Jahr 2023 waren 535 Personen abgeschoben worden und damit 54 Prozent mehr als im Jahr 2022 (348). 2024 gab es erneut 22 Prozent mehr Abschiebungen (654). Im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge 576 Ausreisepflichtige abgeschoben.
Das sagt die Innenministerin
"Der notwendige Kurswechsel in der Migrationspolitik ist erfolgreich vollzogen", erklärte Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU). "Die Asylzugänge sind erheblich zurückgegangen. Das entlastet die Kommunen deutlich. Ausreisepflichtige müssen unser Land verlassen. Das ist für die Akzeptanz unseres Asylsystems unverzichtbar." Deshalb seien wiederholt die Zahl von Abschiebungen und veranlassten freiwilligen Ausreisen erhöht worden.
Ein aktives Bundesamt und die Auswirkungen auf Ausreisepflichtige
Obwohl die Zahl der Asylzugänge 2025 deutlich gesunken und die Summe der Abschiebungen und veranlassten freiwilligen Ausreisen erneut gestiegen ist, stieg die Zahl der Ausreisepflichtigen leicht. Ende 2025 waren es laut Innenministerium 4.770, ein Jahr zuvor hatte die Zahl bei 4.711 gelegen, Ende 2023 bei 5.779. Grund für die jüngste Entwicklung sei, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum Jahresende Bearbeitungsrückstände abgebaut und ablehnende Asyl-Entscheidungen dabei deutlich gestiegen sind, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Nach 1.388 im Jahr 2024 habe es im vergangenen Jahr 5.124 Ablehnungen gegeben.
Weniger Asylunterkünfte
Weil weniger Asylsuchende ankommen, reduziert das Land Sachsen-Anhalt die Zahl der Einrichtungen für die Erstaufnahme. Zur Jahresmitte schloss die Außenstelle der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber des Landes (ZASt) in Quedlinburg. Zum Jahresende dann ging die Landesaufnahmeeinrichtung Magdeburg außer Betrieb. Schon 2024 waren diverse Neben- und Außenstellen geschlossen worden. Die Erstunterbringung Asylsuchender wird an zwei Standorten konzentriert: in der ZASt in Halberstadt und in der Landesaufnahmeeinrichtung Stendal.
Eine Abschiebesicherungseinrichtung im Landessüden entsteht
Neben dem Gefängnis in Volkstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz entsteht derzeit für rund 275 Millionen Euro eine Abschiebesicherungsanstalt. Hintergrund ist, dass viele Abschiebungen scheitern, weil die Ausreisepflichtigen am Tag der Abschiebemaßnahme nicht angetroffen werden. Der Bau der Abschiebeeinrichtung mit 30 Plätzen soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Aktuell nutzt Sachsen-Anhalt Einrichtungen anderer Bundesländer. Das bedeute aber viel Aufwand für die Polizei und auch Kosten. Zudem fehlten bundesweit Plätze in Abschiebeeinrichtungen.