Sachsen-AnhaltChemiepark setzt auf Batterien und Halbleiter-Vorprodukte

Europas Industrie soll unabhängiger von Asien werden. Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen will davon profitieren und gezielt neue Investoren anlocken. Doch der Platz wird knapp.
Bitterfeld-Wolfen (dpa/sa) - Chemikalien für Batterien, Vorprodukte für Halbleiter und die Verarbeitung kritischer Rohstoffe: Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen will seine verbliebenen Flächen verstärkt für jene Produkte reservieren, die Europas Chip-, Batterie- und Energieindustrie unabhängiger von Lieferungen aus Asien machen können. "Es gibt Wachstumsmöglichkeiten in Europa", sagte Max Fuhr, der seit Anfang August die bisher zweiköpfige Geschäftsführung verstärkt.
Bei seiner offiziellen Vorstellung machte der 44-Jährige deutlich, wo er Chancen für den Standort sieht: vor allem bei Batteriechemie, Vorprodukten für die Halbleiterindustrie und Materialien für Energiespeicher. Auch Lithium und seltene Erden spielen eine Rolle.
Dabei will Bitterfeld-Wolfen nicht mit großen Chip- oder Batteriefabriken konkurrieren, sondern Spezialchemikalien und Materialien für solche Industrien produzieren lassen. Bei einigen dieser Verarbeitungsschritte befänden sich derzeit 95 bis 100 Prozent der weltweiten Kapazitäten in Asien, sagte Fuhr. Chancen sieht er auch durch Lithiumvorkommen im Erzgebirge und in der Altmark sowie seltene Erden im Raum Delitzsch.
Nur noch rund 90 Hektar frei
Von insgesamt rund 1.200 Hektar stehen im Chemiepark noch etwa 90 Hektar als Vermarktungsfläche zur Verfügung. Größere zusammenhängende Flächen von rund zehn Hektar gebe es nur noch eine Handvoll.
Entsprechend genau will der Chemiepark neue Investoren auswählen. "Wir können uns keine Fehler mehr erlauben", sagte Geschäftsführer Kai Uwe Krauel. Entscheidend sei, Unternehmen zu gewinnen, die zum Standort passen und bestehende Wertschöpfungsketten ergänzen.
"Erfahrung gibt Richtung, Jugend gibt Tempo"
Fuhr führt den Chemiepark nun gemeinsam mit Krauel und Patrice Heine und soll vor allem die internationale Suche nach Investoren verstärken. Er arbeitet bereits seit 2015 für das Unternehmen. Krauel fasste die neue Aufstellung so zusammen: "Erfahrung gibt Richtung, Jugend gibt Tempo."
Zur strategischen Ausrichtung passt auch eine jüngst angekündigte Forschungsplattform zur Kreislaufwirtschaft. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Aufbau mit 4,5 Millionen Euro. In den kommenden vier Jahren soll dort unter anderem an der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Industrieabfällen geforscht werden.