Sachsen-AnhaltMagdeburger Anschlags-Prozess könnte im Juni enden

Der Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt steuert auf die Zielgerade zu. Nach der Amokfahrt in Leipzig berichtet ein Sachverständiger von einer erneuten Belastung für die Opfer.
Magdeburg (dpa/sa) - Der Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt mit sechs Toten und mehr als 300 Verletzten könnte im Juni zu Ende gehen. Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg setzte zusätzliche Termine für den Monat an und fragte bei Prozessbeteiligten bereits den Zeitbedarf für ihre Plädoyers ab. Einige Betroffene wollen sich voraussichtlich auch selbst zu Wort melden, wie ein Nebenklageanwalt sagte. Der 26. Juni ist der späteste aktuell vorgesehene Verhandlungstag.
Bislang 32 Verhandlungstage
Seit dem 10. November verhandelt das Landgericht Magdeburg unter hohen Sicherheitsvorkehrungen gegen den Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt. Am Montag war der 32. Prozesstag. Um Platz für alle Betroffenen zu haben, die als Nebenkläger auftreten, wurde ein Interims-Gerichtsgebäude für die Zeit des Verfahrens errichtet.
Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gefahren. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt.
Amokfahrt von Leipzig kann erhebliche Belastung bedeuten
Sachverständige erstatten am Montag weitere Gutachten zu Betroffenen, ein letztes ist für Dienstag vorgesehen. Es geht um körperlich Verletzte, aber auch um Menschen, die nicht direkt körperlich verletzt worden waren, aber laut den Gutachtern bis heute teils schwer an den Folgen leiden. Viele meiden demnach Situationen mit Menschenmengen, sind besonders wachsam, schreckhaft und geräuschempfindlich. Häufig sind auch Schlafstörungen und Alpträume sowie Konzentrationsstörungen, hieß es von den Sachverständigen, die Dutzende Gutachten erstellten.
Die kürzliche Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt kann für die Betroffenen des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt eine erhebliche Belastung bedeuten. Es sei für sie ein schwer belastender Gedanke, dass sich ein solcher Vorfall nicht nur auf Weihnachtsmärkte beziehe, sagte ein Sachverständiger im Landgericht Magdeburg. "Das ist schwer belastend." Die jeweilige Symptomatik könne wieder aufleben oder verstärkt werden.
Vor einer Woche war ein 33 Jahre alter Mann aus Leipzig mit seinem Wagen in eine Leipziger Fußgängerzone gefahren und hatte mehrere Menschen mit seinem Auto erfasst. Zwei Menschen starben, sechs Menschen wurden verletzt.