Regionalnachrichten

Sachsen-AnhaltMehr junge Menschen lernen wieder Instrumente

11.05.2026, 04:05 Uhr
Geigenunterricht-ist-gefragt
(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp)

Wartelisten, volle Klassen und ein Comeback fürs Klavier: An Sachsen-Anhalts Musikschulen boomt der Instrumentalunterricht – doch nicht jeder bekommt sofort einen Platz.

Magdeburg/Halle (dpa/sa) - Nach den Einbrüchen während der Corona-Pandemie verzeichnen Sachsen-Anhalts öffentliche Musikschulen wieder steigende Schülerzahlen. "Derzeit lernen rund 15.800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an den 20 öffentlichen Musikschulen des Landes ein Instrument", sagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Musikschulen Sachsen-Anhalt, Christian Reinecke, der Deutschen Presse-Agentur. "Besonders in den jüngeren Jahrgängen wächst das Interesse wieder deutlich."

Der Rückgang bei den Schülerzahlen ist gestoppt

Vor der Pandemie hatten die Musikschulen landesweit noch rund 2.500 Schüler mehr. "Seit 2023 hat sich die Situation jedoch stabilisiert. Der Rückgang ist gestoppt worden", sagt Reinecke.

Landesweit 1.900 Menschen auf Wartelisten

Trotz steigender Kapazitäten bleibt die Nachfrage nach Musikunterricht hoch. Derzeit stehen landesweit rund 1.900 Kinder und Jugendliche auf Wartelisten für einen Unterrichtsplatz. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 2.200. Die leichte Entspannung führt Reinecke vor allem auf zusätzliche feste Stellen zurück. "Im vergangenen Jahr wurden landesweit 45 Musiklehrer fest eingestellt. Ausschlaggebend war die Erhöhung der Landesförderung von 3 auf 5,1 Millionen Euro", sagt der Geschäftsführer.

Mehr als 90 Prozent des Unterrichts erteilen mittlerweile fest angestellte Lehrkräfte. Im Jahr 2024 lag der Anteil noch bei rund 68 Prozent. Für Reinecke ist dies ein wichtiger Schritt, um die Qualität und Verlässlichkeit des Unterrichts langfristig zu sichern. Der Musikunterricht koste im Durchschnitt rund 449 Euro pro Schüler und Jahr. Finanziert wird das Angebot gemeinsam von Land, Kommunen und Eltern.

Beliebteste Instrumente sind Klavier und Gitarre

Zu den beliebtesten Instrumenten zählen nach Angaben des Verbandes Klavier, Gitarre sowie Geige und Holzblasinstrumente, wie die Blockflöte. Rund 80 Prozent der Musikschüler sind Kinder und Jugendliche, etwa 20 Prozent Erwachsene. Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt 20 öffentliche Musikschulen mit 190 Unterrichtsorten.

Durchhalten beim Lernen eines Instruments wird schwieriger

Nach Einschätzung der Geschäftsführerin des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt, Ulrike Nemson, bleibt das Interesse am Erlernen eines Instruments trotz gesellschaftlicher Veränderungen ungebrochen hoch. "Es gibt immer noch Wartelisten", sagte sie. "Gleichzeitig ist das Durchhalten nicht mehr ganz so stark ausgeprägt." Als Gründe nennt Nemson die zunehmende Konkurrenz durch andere Freizeitangebote und den wachsenden Termindruck vieler Familien. Kinder haben heute deutlich mehr Möglichkeiten als früher und oft einen stark durchgetakteten Alltag.

Auch traditionsreiche Wettbewerbe wie "Jugend musiziert" bekommen nach Meinung von Nemson die Veränderungen zu spüren. Sowohl bei Regional- als auch bei Landeswettbewerben gingen die Teilnehmerzahlen zurück. Nemson sieht darin jedoch keine dauerhafte Entwicklung. "Das könnte eine Wellenbewegung sein", sagte sie. "Möglicherweise gibt es in einigen Jahren wieder mehr Teilnehmer."

Bedürfnis Musik zu machen bleibt

Auch die private Musikschule "Musik-Etage" in Halle beobachtet ähnliche Entwicklungen. Die Geschäftsführerin Christiane Noll berichtet von stabilen Anmeldezahlen. Rund 280 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule. "Das Bedürfnis, Musik zu machen, das bleibt, das ist unverändert", sagt Noll. Besonders gefragt sind ebenfalls Gitarre und Klavier. Nischeninstrumente wie Harfe, Oboe oder Trompete werden dagegen nur vereinzelt nachgefragt.

Für Reinecke bleibt musikalische Bildung ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe. "Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnt das gemeinsame Musizieren an Bedeutung. Die analoge Komponente, was früher normal war, ist heute etwas Besonderes", sagt er.

Wie groß die Bedeutung der Musikschulen weiterhin ist, zeigen auch die Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben des Landesverbands rund 329.000 Menschen zu etwa 3.000 Veranstaltungen der Musikschulen in Sachsen-Anhalt.

Quelle: dpa

Regionales