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Sachsen-Anhalt Neugeborenes am Wertstoffhof abgelegt: Mutter gesteht

Eine Strafgesetzbuch liegt in einem Sitzungssaal.

(Foto: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild)

Im Winter legt eine Mutter ihr unbekleidetes Neugeborenes eingewickelt an einem Wertstoffhof ab. Tage später wird das Kind tot aufgefunden. Zum Prozessauftakt äußert sie sich geständig.

Halle (dpa/sa) - Eine 38-jährige Frau hat vor dem Landgericht in Halle gestanden, ihr Neugeborenes im vergangenen Winter an einem Wertstoffhof abgelegt und so dem Tod preisgegeben zu haben. Das Mädchen sei in Halle im Dezember lebend geboren worden, beschrieb sie in einer schriftlichen Erklärung am Montag zum Prozessauftakt gegen sie. In ein T-Shirt habe sie ihr Baby eingewickelt und anschließend an einem Wertstoffhof abgelegt. Dort starb das Kind und wurde Tage später von einer Spaziergängerin gefunden.

Sie habe nicht gewollt, dass das Kind sterben würde, führte die aus Halle stammende Angeklagte weiter aus. Vielmehr habe sie gehofft, dass sich jemand des Kindes annehmen würde. Allerdings liegt der Wertstoffhof sehr abgelegen am Stadtrand, nur wenige Menschen passieren täglich den Ort, an dem das tote Kind später gefunden wurde.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Totschlag vor. Sie geht von einer verminderten Schuldfähigkeit der 38-Jährigen aus. Bei der Frau soll eine Intelligenzminderung festgestellt worden sein, wodurch ihre Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sein soll.

Sie habe ihre Schwangerschaft nicht wahrhaben wollen, hieß es in der Erklärung der Frau am Montag. Sie sei noch nie in ihrem Leben schwanger gewesen, die Situation habe sie überfordert. Fortan versuchte sie ihre Schwangerschaft zu verbergen. Ihre Gewichtszunahme erklärte sie Bekannten mit Magenproblemen und zunehmendem Verzehr von Lebensmitteln.

Die Frau nahm am Prozesstag die mitunter erschütternden Schilderungen zum Zustand der Kinderleiche relativ gefasst und ruhig auf. Hin und wieder strich sie sich mit einem Taschentuch über die Augen. Ihr Anwalt erklärte, sie habe viel Angst gehabt vor dem Beginn der Verhandlung.

Hinter den Polizisten liegen umfangreiche Ermittlungsarbeiten. Blutgetränkte Zeitungsreste führten die Beamten maßgeblich auf die Fährte der als Zeitungsausträgerin arbeitenden Frau. Aussagen von Arbeitskollegen, die eine Schwangerschaft der Frau vermuteten, erhärteten den Verdacht. Als die Polizei im Dezember 2022 die Angeklagte mit den Vorwürfen konfrontierte, gestand sie.

Fraglich ist weiterhin die Rolle eines Kindesvaters. Die Angeklagte hat angekündigt, sich im Verlauf des Prozesses noch selbst äußern zu wollen. Aktuell ist die Frau unter Auflagen auf freiem Fuß.

Quelle: dpa

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