Sachsen-AnhaltVom Lehrer zum Töpfer – Detlef Leps formte sich ein Leben

Ein unzufriedener Lehrer, ein mutiger Neuanfang und eine Glasur. Der Keramiker Detlef Leps erzählt eine Lebensgeschichte über Handwerk, Kreativität und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Kämeritz (dpa/sa) - Der Ofen ist längst abgekühlt. Vorsichtig nimmt Detlef Leps eine Tasse heraus und dreht sie in den Händen. Auf dem hellen Steinzeug haben sich tiefblaue Inseln gebildet, keine gleicht der anderen. Es ist das Markenzeichen des 68-Jährigen, das "Elbauenblau". Entstanden ist es durch einen Zufall Mitte der 1990er Jahre. "Da habe ich beim Brennen gedacht: Oh, da passiert ja etwas Interessantes", erinnert sich der Keramiker.
Lehrerberuf machte Leps nicht glücklich
Dass Leps einmal von seiner Werkstatt in der Elbaue leben würde, hätte er sich als junger Mann kaum vorstellen können. Eigentlich sollte er Lehrer werden. Er studierte in Berlin Geografie und Sport, unterrichtete anschließend an einer Schule in Rathenow und schien damit den klassischen Berufsweg in der DDR eingeschlagen zu haben. Doch schon nach kurzer Zeit merkte er, dass er im Klassenzimmer nicht glücklich werden würde.
"Nach dem ersten Jahr stand für mich fest: Ich will das nicht weitermachen", sagt Leps. Dabei lag es nicht an seinen Fächern. Geografie und Sport hätten ihn selbst immer begeistert. Aber er merkte schnell, dass sich Begeisterung nicht einfach übertragen lässt. Hinzu kamen die politischen Rahmenbedingungen. Auch Lehrer ohne Parteibuch mussten am Parteilehrjahr teilnehmen. Als Sportlehrer war Leps außerdem für den Wehrunterricht zuständig. "Das wollte ich nicht machen."
Die Schulleiterin überredete ihn, wenigstens die zweijährige Absolventenzeit zu Ende zu bringen. Danach wollte Leps neu anfangen. Er suchte einen Beruf, in dem am Abend sichtbar ist, was tagsüber entstanden ist. "Ich wollte etwas machen, was ich am Tage sehe, was ich so kann." Fotograf oder Tischler hätten ihn ebenso gereizt.
Glück mit der Ausbildung zu DDR-Zeiten
Den Weg zum Töpfer verdankte er schließlich einer Frau aus Rathenow. Die Werkstattinhaberin, kirchlich geprägt und selbst kritisch gegenüber dem DDR-System, stellte ihn ein. Um Schwierigkeiten mit den Behörden zu vermeiden, beantragte sie zunächst anonym die Erweiterung ihres Betriebes. Gleichzeitig absolvierte Leps die theoretische Ausbildung zum Töpfer in Potsdam. Die Entscheidung erwies sich zunächst als Glücksgriff. Keramik war in der DDR begehrt. "Die Leute standen Schlange im Laden", erinnert sich Leps. Tassen, Teller, Krüge oder Schüsseln waren vielerorts Mangelware.
Schwierige Jahre nach der Wende
Dann kam die Wende. Viele Bekannte rieten ihm, nun wieder Lehrer zu werden. Schließlich habe sich das politische System geändert. Doch Leps lehnte ab. "Diese Kraft und diese Lust, die bei mir in diesem Geschirr herstellen steckte, war so wichtig, dass ich gesagt habe: Nein, ich mache weiter."
Anfang der 1990er Jahre brach der ostdeutsche Absatzmarkt ein. Leps fuhr mit seiner Keramik auf Märkte im Westen. Die Wege waren weit, die Konkurrenz groß. "Wir waren preiswerte Konkurrenz", sagt er. Manche westdeutschen Kollegen seien darüber wenig begeistert gewesen.
Aus dieser schwierigen Zeit entstand schließlich eine Idee, die bis heute Bestand hat. Weil es in Ostdeutschland damals kaum Töpfermärkte gab, gründete Leps 1995 den Töpfermarkt auf Schloss Leitzkau.
Erfolgsgeschichte Töpfermarkt Leitzkau
"Wir wurden gleich überrannt", erzählt Leps. Viele Besucher hatten zuvor nie einen Töpfermarkt erlebt. Keramik war begehrt, die Neugier groß. Rund zehn Jahre wuchs die Veranstaltung kontinuierlich, bevor sich das Angebot durch neue Märkte in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus verbreiterte. Dennoch wird es am 12. und 13. September den mittlerweile 32. Leitzkauer Töpfermarkt geben.
Seine eigene Werkstatt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls verändert. Früher produzierte Leps vier Tage in der Woche und war an rund 20 Wochenenden jährlich auf Märkten unterwegs. Heute beschränkt er sich bewusst auf drei Märkte sowie zwei Veranstaltungen in der eigenen Werkstatt. "Über den Absatz kann ich auch heute nicht klagen."
Seine Keramik entsteht nach wie vor in traditioneller Handarbeit. Auf der Drehscheibe formt er Tassen, Teller, Schalen, Kannen, Krüge und andere Gebrauchsgegenstände aus Steinzeug. Nach einem ersten Brand bei rund 930 Grad werden die Stücke glasiert und anschließend bei etwa 1.250 Grad ein zweites Mal gebrannt.
"Elbauenblau" ist Markenzeichen
Bekannt wurde Leps vor allem durch seine blaue Inselglasur. Entstanden ist sie eher zufällig. Bis Mitte der 1990er Jahre arbeitete er mit Ton aus Thüringen. Dann bot ihm ein Vertreter Ton aus dem Westerwald an, der sich höher brennen ließ. Als Leps seine eigene Glasur darauf auftrug, entwickelte sich plötzlich das intensive Blau mit seinen unregelmäßigen Mustern.
Später fand er sogar auf seinem eigenen Grundstück in Kämeritz einen hellen Lehm. Auch daraus entwickelte er eine eigene Glasur, die heute als gestreifte Variante neben dem Elbauenblau zum Sortiment gehört.
Töpferhandwerk fehlt der Nachwuchs
Sorgen bereitet Leps die Zukunft seines Handwerks. Viele Töpfer seiner Generation ziehen sich langsam von den Märkten zurück. Junge Keramiker arbeiteten häufig künstlerischer, stellten Einzelstücke für Galerien her oder verkauften über das Internet. Gebrauchskeramik auf klassischen Töpfermärkten werde seltener. Zudem sind Energie, Glasuren und Ton deutlich teurer als früher.
Ans Aufhören denkt Leps nicht
An ein Ende seiner eigenen Laufbahn denkt der 68-Jährige nicht. "Solange es gesundheitlich geht", will Leps weitermachen. "Ich denke nach wie vor, dass Töpfer ein wunderbarer Beruf ist. Hier kann man seine Kreativität ausleben", sagt Leps. Und vielleicht wartet ja im nächsten Brennofen schon wieder die nächste überraschende Idee.