Sachsen-AnhaltWas wäre wenn? KI-Bilder sollen Parteipläne sichtbar machen

Wer keine Lust auf dicke Wahlprogramme hat: KI-Bilder sollen zeigen, wie sich die Parteien das Land wünschen, und so für Gesprächsstoff sorgen – auch auf Straßenfesten und in Schulen.
Tübingen/Magdeburg (dpa/sa) - Mit KI-generierten Bildern wollen die Macher eines Projekts für politische Bildung zeigen, wie Sachsen-Anhalt aussehen könnte, wenn die sieben stärksten Parteien ihre politischen Vorstellungen vollständig umsetzen. Das Projekt, das federführend vom privaten Tübinger "Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz" (IDemKI) umgesetzt wird, soll mit Hilfe von künstlicher Intelligenz komplexe Wahlprogramme verständlich machen und visuell ansprechend umsetzen.
"Wir wollen damit Neugier erzeugen, provozieren, Dialog fördern und gleichzeitig KI-Kompetenz", sagte Frank Müller, Geschäftsführer des IDemKI. Die KI-Bilder werden für alle Parteien nach demselben Verfahren erstellt, erklärt Markus Goller, Mitglied des Projektteams. Grundlage sei jeweils ausschließlich das Wahlprogramm der sieben stärksten Parteien im Rennen um den Magdeburger Landtag: CDU, AfD und Linke, SPD, die Grünen, BSW und FDP. Daraus würden zunächst konkrete Vorhaben und ihre möglichen Folgen herausgearbeitet und anschließend Bildszenen entwickelt.
Projektmacher: "Wir verkürzen. Das ist auch kritikwürdig."
So zeigt das Bild zur AfD, die in Umfragen vorn liegt, unter anderem erhöhte Polizeipräsenz, Autoverkehr und rauchende Fabrik- und Kraftwerksschlote. Die Darstellung zum Grünen-Wahlprogramm zeigt vor allem Radwege, Busse und Bahnen sowie Windräder und Solaranlagen. "Wir verkürzen und wir verknappen, und das ist auch kritikwürdig. Diese Kritik wollen wir auch ganz gezielt annehmen und als Gesprächsanlass nutzen", so Goller. Die Initiatoren betonen, dass die Bilder keine Wahlempfehlungen geben sollen. Stattdessen sollten sie vor allem diejenigen erreichen, die keine langen Parteiprogramme lesen und aufwendig miteinander vergleichen.
Projekt lief bereits bei Wahlen im Südwesten Deutschlands
Die Darstellungen sind online abrufbar unter www.landtagswahl.ai. In den Tagen vor der Landtagswahl am 6. September sind zudem Ausstellungen in Volkshochschulen und auf öffentlichen Veranstaltungen wie Straßenfesten sowie Schulbesuche geplant. Die zentrale Auftaktveranstaltung für das Projekt ist für den kommenden Donnerstag in der Städtischen Volkshochschule Magdeburg geplant."Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die eigene politische Meinungsbildung durch KI zu ersetzen. Vielmehr sollen die Bilder Interesse wecken, Denkanstöße geben und Gespräche über politische Inhalte fördern", sagte Mechthild Jorgol, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt.
In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz war das Format bereits im Zusammenhang mit den dortigen Landtagswahlen im März umgesetzt worden. Nach Angaben der Initiatoren gab es in Baden-Württemberg weit über 50 dezentrale Veranstaltungen.