Nordrhein-WestfalenNachzucht und neue Gewässer - Hoffnung für den Laubfrosch

Wieso Kühlschrank und Kopfsalat dem Laubfrosch beim Überleben in NRW helfen. Einblicke in die ungewöhnliche Nachzucht und Herausforderungen, Lebensräume wiederherzustellen.
Brakel (dpa/lnw) - Die allermeisten Menschen haben ihn noch nie zu Gesicht bekommen. Dabei ist der Laubfrosch in gewisser Hinsicht berühmt. Sein Abbild als Wetterfrosch etwa, der auf einer Leiter klettert. Andere sehen bei ihm eine Vorlage für den Märchenfrosch, der auf Zuneigung einer Prinzessin wartet.
Zweifellos besitzt er hierzulande eine besondere Eigenschaft im Vergleich zu anderen Fröschen. Er klettert bei der Jagd nach Insekten auf Bäume und Büsche. Vielerorts ist er aber auf dem Rückzug. Im Osten Nordrhein-Westfalens wird jetzt mit einer Nachzucht versucht, ihm wieder auf die Sprünge zu helfen.
Von einer Amphibien-Arche sprechen die Gründer. Die kleine Zuchtstation ist vor drei Jahren auf dem Gelände des Bildungshauses Modexen in Brakel im Kreis Höxter entstanden. Ging es zunächst um Kreuzkröte, Geburtshelferkröte und Gelbbauchunke, hat in diesem Jahr der Laubfrosch hier Einzug gehalten.
Biologe Dennis Wiegard kocht gerade Kopfsalat auf einer Elektroplatte. Er bereitet das Futter für die Kaulquappen zu, die in Wannen schwimmen. Wer Beine hat, rückt in die nächste Klasse auf. Gegenüber stehen Terrarien. Hier "kleben" Mini-Frösche mit ihren Haftscheiben am Glas oder an der Decke.
"Wir haben in diesem Jahr mit der Zucht angefangen", erklärt Wiegard. Um Zuchttiere zu bekommen, müssten Laubfrösche in der Paarung erwischt werden. Dabei klammert sich das Männchen auf den Rücken des Weibchens. Anders als lautstarke Männchen seien Weibchen sonst kaum zu entdecken.
Enorme Schallblase unter der Kehle
Gemessen an seiner Lautstärke ist der männliche Laubfrosch schon so etwas wie der König der Frösche. "Wenn die ihre Schallblase auf - also in Benutzung - haben, ist das fast das gleiche Volumen wie der Rest vom Körper." Das Quaken entstehe beim Hin- und Herpumpen von Luft zwischen Lunge und Luftsack.
Laubfrösche sitzen auch in der Sonne
Auf Wassertank für den Laich, Wannen für Qualquappen und Terrarien für kleine Frösche folgen Volieren für große Tiere auf dem Außengelände. "Typische Haltung, die Beine unter den Körper gesteckt, um auch Wasser zu sparen und gleichzeitig Sonne zu tanken", erklärt Wiegand die Position eines Exemplars.
Zahlen sollen nach Anlauf steigen
Für das erste Zuchtjahr geht Wiegand von etwa 330 Laubfröschen aus. Ab September gebe es Auswilderungen an Stellen mit guten Überlebenschancen. "Wir wollen aber auf jeden Fall mehr", steckt er das Ziel höher. Ein größerer Wassertank helfe, dem gewonnenen Laich optimale Bedingungen zu bieten.
Winterquartier im Kühlschrank
In der Zuchtstation bleiben im Herbst 30 Zuchttiere zurück - 15 Weibchen und 15 Männchen. Sie überwintern später im Kühlschrank bei 4 bis 6 Grad. Für etwa fünf Monate seien Boxen mit feuchtem Kies und Moos ihr Quartier, bevor sie herausgeholt werden. Mit der Laichsaison ab Mitte April geht es von vorn los.
Genetische Vielfalt erhalten
"Aber kein König ohne Reich", sagt Biologe Peter Maciej, der die Zuchtstation mit aufgebaut hat. Der Laubfrosch-Bestand sei auch im Kreis geschrumpft. Die Populationen seien zum Teil isoliert. Mit der Nachzucht könnten sie genetisch wieder zusammengebracht und mit dem Nachwuchs zudem gestärkt werden.
Viele neue Gewässer geplant
Im Kreis Höxter soll in den kommenden drei Jahren der Lebensraum in mehr als 200 vorhandenen Stillgewässern verbessert und erweitert werden. Außerdem sollen 200 weitere Stillgewässer als zusätzliche Lebensräume für Auenarten neu angelegt werden, wie der Kreis im Frühjahr bekanntgab.
Im Rheinland fast komplett verschwunden
Dabei kommt der Laubfrosch in Nordrhein-Westfalen vor allem noch im Osten vor, sagt Amphibienexperte Martin Schlüpmann. Der Schwerpunkt des Vorkommens seien bestimmte Bereiche des Münsterlandes. Seltener komme er im Weserbergland vor. Im Rheinland gebe es ihn kaum noch.
Netz an Tümpeln nötig
"Hochintensive Landwirtschaftsfläche - da hat es der Laubfrosch sehr schwer", erklärt Schlüpmann. Er brauche Bäume, Stauden, Gebüsche, Hecken sowie ein Netz von Tümpeln und kleinen Weihern als Laichplätze. Sobald auch nur wenige Fische im Gewässer sind, sterbe der Laubfrosch innerhalb weniger Jahre aus.
Riesenproblem Waschbär
Auch Waschbären seien ein riesiges Problem. "Sie töten überall Amphibien", verdeutlicht Schlüpmann. Unweit der Zuchtstation Brakel im Schutzgebiet Nieheimer Tongruben entdeckt Maciej beim Rundgang viele Waschbärspuren. Gitter über einigen Mulden sollen hier Amphibien am Boden schützen.