Sachsen-AnhaltWeniger ärztliches Personal für Schwangerschaftsabbrüche

In Sachsen-Anhalt gibt es immer weniger Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Die Grünen-Abgeordnete Susan Sziborra-Seidlitz sieht den Grund dafür auch im Strafgesetzbuch.
Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt gibt es immer weniger Ärztinnen und Ärzte, die zu einem Schwangerschaftsabbruch berechtigt sind. Das geht aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Susan Sziborra-Seidlitz hervor.
Demnach ist die Anzahl berechtigter Medizinerinnen und Mediziner seit 2017 von 40 auf 27 gesunken. Stand Ende Juni gab es den Zahlen zufolge in ganz Sachsen-Anhalt 261 niedergelassene oder angestellte Vertragsärzte für Gynäkologie.
Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung haben allein seit Beginn des vergangenen Jahres zwölf zu Abtreibungen befugte Ärzte und Ärztinnen ihre Tätigkeit beendet, während drei eine neue Genehmigung für den Eingriff erhalten haben. Über die Gründe dafür gibt es nach Ministeriumsangaben keine Informationen.
Studie sieht Versorgungslücken für ungewollt Schwangere
Die Möglichkeit sicherer Schwangerschaftsabbrüche sei ein Bestandteil der Frauengesundheit, argumentiert Sziborra-Seidlitz, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion. Sie sieht ungewollt Schwangere angesichts der Entwicklung deshalb Belastungen ausgesetzt. "Wer dann Praxen abtelefonieren, auf Termine hoffen und weite Wege fahren muss, gerät zusätzlich unter Druck."
Die Spitzenkandidatin ihrer Partei für die kommende Landtagswahl fordert, dass sich Sachsen-Anhalt im Bundesrat für eine Streichung von Schwangerschaftsabbrüchen aus dem Strafgesetzbuch einsetzen soll. Der Eingriff müsse selbstverständlicher Bestandteil der medizinischen Ausbildung werden, so Sziborra-Seidlitz.
Schwangerschaftsabbrüche sind in Paragraf 218 des Strafgesetzbuches im Abschnitt "Straftaten gegen das Leben" und damit neben Mord und Totschlag angesiedelt. In einer im August vergangenen Jahres veröffentlichten "Elsta"-Studie sind Wissenschaftler der Hochschule Fulda und der Uni Leipzig zu dem Schluss gekommen, dass die medizinische Versorgung von ungewollt Schwangeren in einigen Regionen Deutschlands lückenhaft ist, besonders im Süden und Westen des Landes.
Anzahl der Abbrüche in Sachsen-Anhalt gesunken
In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nach Angaben des Statistischen Landesamtes im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich gesunken. 2025 ließen insgesamt 2.825 Frauen aus Sachsen-Anhalt einen Abbruch vornehmen. Das waren rund zwölf Prozent weniger als im Jahr zuvor.