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SachsenApp führt auf Stefan Heyms Spuren durch Chemnitz

21.01.2026, 05:02 Uhr
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In Chemnitz erlebte der Schriftsteller Stefan Heym seine Kindheit und Jugend, sammelte erste Erfahrungen als Autor. Eine neue App führt Interessierte nun an Heyms prägende Orte in der Stadt.

Chemnitz (dpa/sn) - Mit einer neuen App können Interessierte in Chemnitz fortan auf den Spuren des Schriftstellers Stefan Heym (1913-2001) wandeln. Die "HeymTour" umfasst 13 Stationen. Dazu gehört das Haus auf dem Kaßberg, wo er mit seiner Familie wohnte, über das Gymnasium, das er als Jugendlicher besuchte und kurz vor dem Abitur verlassen musste, bis hin zum jüdischen Friedhof, wo einige seiner Vorfahren begraben sind. Den Friedhof hatte Heym den Angaben zufolge 2001 wenige Monate vor seinem Tod ein letztes Mal besucht. Er selbst ist in Berlin begraben.

Heym wurde 1913 als Helmut Flieg in Chemnitz geboren und wuchs in einer deutsch-jüdischen Familie auf. Vor den Nationalsozialisten floh er in die USA und kehrte 1952 in die DDR zurück. Dort avancierte er zu einer wichtigen Stimme der oppositionellen Literatur und zählt zu den wichtigsten Autoren der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Er war auch im wiedervereinigten Deutschland politisch aktiv. Bekannt ist er für Romane wie "Fünf Tage im Juni" über den Volksaufstand in der DDR 1953, "Schwarzenberg" und "Der König David Bericht".

Heym ist Ehrenbürger von Chemnitz. Im Kulturzentrum Tietz informiert das Stefan-Heym-Forum in Wort und Bild über sein Leben und Werk. Herzstück ist seine mehrere Tausend Bände umfassende Arbeitsbibliothek samt Originalmobiliar seines einstigen Arbeitszimmers in Berlin-Grünau.

"HeymTour" mit 13 Stationen in Chemnitz

Im Jahr als Kulturhauptstadt Europas hatte Chemnitz 2025 auch das Werk Stefan Heyms auf unterschiedliche Weise ins Bewusstsein gerückt - vom Lesemarathon an zahlreichen Orten der Stadt über Schreibworkshop, Konzert und Podiumsdiskussion bis hin zur Stadtführung auf den Spuren des jungen Heym. Die Idee hinter der "HeymTour" sei es, einen nachhaltigen Guide zum Leben und Werk Stefan Heyms zu schaffen, sagt Michael Müller vom Vorstand der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft. Die Informationen in der App können auf Deutsch und auf Englisch abgerufen werden.

Der Ansatz sei niedrigschwellig gewählt, um auch junge Menschen anzusprechen. Zudem sei das Angebot erweiterbar. So könnten in Zukunft weitere wichtige Orte ergänzt werden. Dazu nennt Müller etwa Schwarzenberg als Schauplatz eines wichtigen Romans und Prag. Die tschechische Hauptstadt war erste Station von Heyms Exil. Hier lebte er rund eineinhalb Jahre und nutzte erstmals den Namen Stefan Heym als Pseudonym. In Prag schrieb er für die örtliche deutschsprachige Presse und Emigrantenblätter. Die Zeit habe großen Einfluss auf seine spätere Arbeit gehabt, hatte Heym später selbst erklärt.

Quelle: dpa

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