Niedersachsen & BremenSpiekeroog wächst – Tiny Houses für Insel kommen per Fähre

Wohnraum ist auf Spiekeroog knapp. Das Inselinternat hat eine pragmatische Lösung gefunden: Acht Tiny Houses bieten Platz für Schüler und Lehrer. Doch erst müssen die Mini-Häuser auf die Insel.
Spiekeroog (dpa/lni) - Um der Wohnungsnot auf Spiekeroog zu begegnen, entsteht auf der ostfriesischen Insel ein neuer, ungewöhnlicher Ortsteil: Das "Tiny-Dörp" an der Hermann Lietz-Schule besteht aus lauter Mini-Häusern – gerade wurde das letzte der insgesamt acht hölzernen Tiny Houses mit der Frachtfähre auf die Nordseeinsel geliefert und von Handwerkern aufgestellt. "Hier auf der Insel ist es schon ein Hingucker", sagt Schulleiter Florian Fock über das "Tiny Dörp". "Dörp" ist das plattdeutsche Wort für "Dorf".
Die Häuser wurden in einer Werkstatt auf dem Festland vorgefertigt und kommen nun nahezu schlüsselfertig auf die Insel. Dafür mussten die Tiny Houses zunächst passgenau auf die Fähre verladen, mit schwerem Gerät über die autofreie Insel transportiert und mit einem Autokran in Position gehoben werden. "Hier lohnt sich kompliziert, weil wir dann weniger Bauzeit auf der Insel haben", sagt Holzhandwerker und Tiny-House-Hersteller Lukas Thiemann.
Knapper Wohnraum führt zu ungewöhnlicher Idee
Das Inselinternat hatte vor einigen Jahren die Idee für die Tiny-House-Siedlung, in der Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeiter wohnen. "Es ist ein großes Problem, hier Wohnraum zu finden und als Arbeitgeber muss man versuchen, möglichst allen eine gute Wohnung anzubieten", sagt Schulleiter Fock.
Jedes der Modulhäuser bietet etwa 23 Quadratmeter Wohnfläche. Schüler teilen sich in einem Haus ein Bad und haben jeweils ein sechs Quadratmeter großes Einzelzimmer mit Panoramafenster. Auch Lehrkräfte können in den Häusern wohnen. Weil jedes Tiny House die nötigen Anschlüsse habe, könnten diese auch eine Einbauküche bekommen. "Die können wir entweder rein- oder rausbauen", sagt Schulleiter Fock. "Dadurch haben wir maximale Flexibilität."
Die Tiny Houses, gebaut in nachhaltiger Bauweise und auf Punktfundamenten, kommen laut Handwerker Thiemann ohne große Bodenversiegelung aus. So soll es auch möglich sein, die Häuser später bei Bedarf wieder zurückzubauen, um sie an anderer Stelle aufbauen zu können. Auch das sei Teil des flexiblen, nachhaltigen Wohnkonzepts, sagt Schulleiter Fock. "Keiner weiß, was mit den Inseln in Zukunft passiert", sagt er mit Blick auf die Folgen des Klimawandels.
Fünf Tiny Houses stehen bereits seit 2023 auf dem Internatsgelände, nun wurde die Siedlung mit drei weiteren vervollständigt. Finanziert wurden sie mit Hilfe von Spenden. Bei den Schülerinnen und Schülern kämen die Tiny Houses gut an, sagt Fock. Es gebe inzwischen eine kleine Warteliste.
Worauf sich neue Bewohner freuen
Karsten Bley wird einer der Bewohner der neu gelieferten Tiny Houses sein. Der 16 Jahre alte Schüler ist bislang in einem Doppelzimmer im Hauptgebäude des Internats untergebracht. "Ich freue mich vor allem darauf, dass es ein Einzelzimmer sein wird", sagt Bley. Zudem habe er dort ein wenig mehr Ruhe und könne selbst entscheiden, wann er ins Bett gehe.
Wer ins Tiny House zieht, muss allerdings auch mehr Verantwortung übernehmen: Putzen, Waschen und Aufräumen müssen die Bewohner selbst organisieren und übernehmen. "Die Schülerinnen und Schüler können hier teilselbstständiges Wohnen erproben, so wie später an der Universität, und können sich so darauf vorbereiten", sagt Fock. "Das ist auch ein Teil der Idee."
Die Hermann Lietz-Schule auf Spiekeroog ist ein staatlich anerkanntes Gymnasium mit Internat in freier Trägerschaft. Neben rund 80 Internatsschülern lernen dort auch etwa 20 Schülerinnen und Schüler aus dem Inseldorf.