SachsenGEW erteilt Maßnahmenpaket für Schulen schlechte Note

Mehr Belastung statt Entlastung: Bei der Bildungsgewerkschaft GEW sind die Bemühungen des Kultusministeriums gegen den Lehrermangel durchgefallen.
Leipzig (dpa/sn) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat dem vor Jahresfrist aufgelegten Maßnahmenpaket des Kultusministeriums gegen den Lehrermangel eine schlechte Note erteilt. "Das Paket hat weder den Lehrkräftemangel gelöst noch die Arbeitsbedingungen an den Schulen im Freistaat verbessert", konstatierte die Gewerkschaft in Leipzig. Statt nachhaltiger Lösungen seien Mehrbelastung, Qualitätsverluste und zunehmende Frustration unter den Beschäftigten die Folge.
"Schon die Art und Weise, wie das Maßnahmenpaket vor einem Jahr verkündet wurde, war ein schwerer Fehler. Die Gewerkschaften und die Expertinnen und Experten aus der schulischen Praxis wurden nicht ernsthaft einbezogen", betonte GEW-Chefin Claudia Maaß. Wer Bildungspolitik ohne die Menschen an den Schulen mache, produziert vielleicht regionale Effekte, aber sicher keine grundsätzlichen Lösungen.
Gewerkschaft: Arbeitsbelastung der Lehrer ist gewachsen
Die Gewerkschaft warf dem Kultusministerium vor, mit seinen Maßnahmen vor allem auf eine höhere Arbeitsbelastung der Lehrkräfte zu setzen. Gleichzeitig seien wichtige Instrumente zur Entlastung gekürzt oder gestrichen worden.
Schon zuvor hätten die Lehrkräfte in Sachsen aber bereits systematisch über ihre Arbeitszeit hinaus arbeiten müssen. "Die meisten Lehrkräfte in Sachsen arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze und leisten jedes Jahr unbezahlte Überstunden in Millionenhöhe."
Die GEW hält deshalb einen Kurswechsel für geboten und fordert ein umfassendes Bildungspaket, das gemeinsam mit Gewerkschaften, Eltern- und Schülervertretungen erarbeitet wird. Dazu gehören unter anderem mehr Schulverwaltungsassistenzen und multiprofessionelle Teams zur Entlastung der Lehrkräfte, ein Schutz vor Abordnungen für ältere Lehrkräfte und eine rechtssichere Arbeitszeiterfassung für alle Lehrkräfte.
"Mehr Druck auf Lehrkräfte löst keinen Lehrkräftemangel"
"Ein Jahr nach der Ankündigung des Maßnahmenpakets ist klar: Mehr Druck auf Lehrkräfte löst keinen Lehrkräftemangel. Nachhaltige Lösungen entstehen nur gemeinsam mit den Menschen, die täglich an den Schulen arbeiten", so Maaß abschließend.
Vor einem Jahr hatte das Kultusministerium verkündet, den Unterrichtsausfall an sächsischen Schulen mit einem Bündel an Maßnahmen halbieren zu wollen. Im Herbst 2025 sah das Ministerium erste Verbesserungen.