SachsenPläne für Wolfram-Bergwerk stocken - Verkauf nach Asien

Europa will bei wichtigen Rohstoffen unabhängiger werden. Das hat zu einem Run auf Lagerstätten im Erzgebirge geführt. Vorreiter ist ein Projekt in Pöhla. Das soll nun nach Asien verkauft werden.
Pöhla (dpa/sn) - Wolfram gilt in der EU als kritischer Rohstoff. Im Herbst 2024 ließ daher eine Mitteilung des Oberbergamtes aufhorchen, dass im Erzgebirge ein neues Bergwerk zur Förderung von Wolfram, Zinn, Flussspat und weiteren Rohstoffen genehmigt wurde. Eine kleine Sensation nach dem Niedergang des Erzbergbaus in Deutschland. Doch auf das neue Berggeschrei folgte Stillstand - das Geld für die Investitionen fehlte. Nun steht ein finanzkräftiger Investor aus Asien in den Startlöchern. Bringt er neuen Schub in die Bergwerkspläne?
Rückblende: Nach der Genehmigung durch das Oberbergamt lädt die Saxony Minerals & Exploration AG (SME) im November 2024 zum Pressegespräch, um die Pläne für das Bergwerk in Pöhla vorzustellen. Um an das Erz zu kommen, werde eine Rampe knapp zwei Kilometer in den Berg getrieben, heißt es. 2027 soll die Produktion aufgenommen werden: 400.000 Tonnen Erz pro Jahr, das in einer Anlage in Mittweida aufbereitet wird. Rund 120 neuen Jobs sollen so entstehen und die hiesige Industrie bei Wolfram und Zinn unabhängiger von China werden, stellt die Unternehmensführung heraus. Binnen 20 Jahren wird ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt.
Vom Vorreiter zum Fehlstarter? - Arbeiten am Bergwerk stocken
Doch was ist seither passiert? Und wird nächstes Jahr in Pöhla tatsächlich Erz aus dem Berg geholt? Fakt ist: Der einst angekündigte Zeitplan ist Makulatur. Entgegen damaliger Beteuerungen konnte das für die Investitionen nötige Geld nicht aufgebracht werden. Eine vom Unternehmen ausgegebenen Anleihe brachte nur gut 7 statt der erhofften bis zu 30 Millionen Euro ein.
"Die Finanzen haben wir im Griff", sagte dennoch Aufsichtsratschef Thomas Reissner auf Nachfrage von Journalisten im November 2024. Das Kapital für das Vorhaben sei gesichert. Die 2019 ausgegebene Unternehmensanleihe sollte aus Erlösen aus dem Bergbau zurückgezahlt werden. Doch voriges Jahr musste das Unternehmen seinen Gläubigern einen Aufschub bis 2029 abringen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnte in einer Einschätzung gar vor dem "Risiko einer Zahlungsunfähigkeit der Emittentin in den kommenden Jahren". Die Anleihe wird derzeit weit unter dem Ausgabepreis gehandelt.
Um Geld zu beschaffen, musste daher ein anderer Weg gefunden werden. "Wir haben einen Investor gesucht, um in den Berg gehen und die Rampe bauen zu können", erklärt SME-Vorstand Rolf Staudenmaier. Der sei nun gefunden. Allerdings nicht in Deutschland oder Europa, sondern in Asien. 150 Millionen Euro wolle die Prime Group aus Singapur für die SME zahlen, wie es auf der Internet-Plattform "Asian Morning" samt Foto der Vertragsunterzeichnung heißt. Das bestätigt Staudenmaier: Von dem Geld sollen die Aktionäre abgelöst und die Verbindlichkeiten wie die Unternehmensanleihe zurückgezahlt werden.
Neben dem Projekt in Pöhla ist die SME AG im Erzgebirge auch bei Elterlein mit der Erkundung von Bodenschätzen aktiv. Dort geht es den Angaben nach vor allem um Zinnvorkommen.
Preise für Wolfram und Zinn stark gestiegen
Bringen die Millionen aus Asien nun Schwung in den Bergbau in Sachsen? "Mit der Auffahrung des Bergwerks wurde bisher nicht begonnen", lässt der Leiter des Oberbergamtes in Freiberg, Bernhard Cramer, auf Anfrage wissen. "Wann mit einem Bergwerksbetrieb gerechnet werden kann, kann seitens des Sächsischen Oberbergamtes nicht abgeschätzt werden." Die erforderlichen weiteren Betriebspläne hat die SME den Angaben zufolge bisher nicht eingereicht. "Wir werden Ende 2028 mit der Förderung beginnen", gibt derweil SME-Vorstand Staudenmaier als neue Zielmarke aus.
Die Entwicklung der Rohstoffpreise stützt das Vorhaben. 2025 waren die Preise für Wolfram auf neue Allzeithochs gestiegen - auch wegen einer geringeren Bergwerksproduktion in China und Exportkontrollen des Landes, wie die Deutsche Rohstoffagentur schreibt. Auch der Preis für Zinn ist seit Ankündigung der Bergwerkspläne stark gestiegen und lag jüngst um die 50.000 US-Dollar je Tonne.
Bürgerinitiative sieht Verkauf kritisch
Doch vor Ort werden die jüngsten Entwicklungen mit Skepsis beobachtet. Neue Bergbauprojekte in der Region böten Chancen, sagt Anja Storch, Vorsitzende der Bürgerinitiative Pöhlwassertal. Auf Anwohner könnten allerdings erhebliche Belastungen zukommen - etwa mit Blick auf viel mehr Lkw-Verkehr. Auch gebe es Sorge um eine höhere Belastung der Umwelt durch Radon in der Luft und kontaminiertes Grubenwasser. Ein Verkauf berge weitere Risiken. Wie sinnvoll sei es, dass am Ende alles in ausländische Hände in Asien gerate, wo doch Deutschland und Europa von dort unabhängiger bei Rohstoffen werden wollen, fragt Storch.
In den Verkaufsprozess sei seine Behörde nicht eingebunden, erklärt Oberberghauptmann Cramer. "Ein Verkauf eines Unternehmens an Dritte muss nicht durch das Sächsische Oberbergamt genehmigt werden." In trockenen Tüchern ist das Ganze trotzdem noch nicht. Laut Staudenmaier steht die Genehmigung durch das Bundeswirtschaftsministerium aus. Das äußert sich nicht zu dem konkreten Fall. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aufgrund von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen der am Erwerb beteiligten Unternehmen keine Informationen zu etwaigen konkreten Investitionsprüfverfahren geben können", heißt es auf Nachfrage.
Er rechne erst in einigen Monaten mit einem Ergebnis, sagt Staudenmaier. Zu strenge Auflagen könnten dazu führen, dass der Investor wieder abspringe, warnt er. Für diesen Fall würden weiter Alternativen gesucht.