SachsenSKD präsentieren kaiserliche Schätze aus China

Im Dresdner Residenzschloss sind Schätze von Weltrang zu sehen. Dazu gehört ab sofort auch eine Schale der chinesischen Ru-Keramik, von der weltweit nur noch 89 Objekte existieren.
Dresden (dpa/sn) - Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) wollen ihre Schätze trotz Gefährdung durch Kriminelle weiter uneingeschränkt präsentieren. "Wir sind kein Archiv, das die Objekte dauerhaft sicher im Dunkeln verwahrt (...) Wir wollen sie zeigen, das ist unsere Aufgabe und Leidenschaft", sagte SKD-Generaldirektor Bernd Ebert bei der Präsentation dreier Objekte aus dem kaiserlichen China. Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden und Firmen aus diesem Bereich sorge man aber für maximale Sicherheit.
Vase und Schale im Visier von Dieben
Hintergrund sind Hinweise auf einen geplanten Diebstahl aus der Porzellansammlung im Zwinger. Ende Januar hatten die SKD über einen Hackerangriff informiert. Später berichteten Medien darüber, dass es Diebe auf eine wertvolle Schale und eine Vase aus China abgesehen hatten. Laut Ebert ermittelt eine Sonderkommission der Polizei noch immer europaweit. 2019 war die Schatzkammer Grünes Gewölbe Schauplatz eines dreisten Einbruchs und Diebstahls. Die Täter erbeuteten Juwelen von unschätzbarem Wert und wurden von einem Gericht zu Haftstrafen verurteilt.
"Kaiserliches Gipfeltreffen" im Museum
Ebert zufolge nahm die Porzellansammlung die 900 Jahre alte sogenannte Ru-Schale und eine Drachenvase aus dem 18. Jahrhundert erst einmal aus dem Sichtfeld. Ab sofort sind beide Stücke gemeinsam mit einem kleinen Schnupftabakfläschchen in einem Raum des Neuen Grünen Gewölbes im Residenzschloss zu sehen - hinter Sicherheitsglas. Generaldirektor Ebert sprach von einem "kaiserlichen Gipfeltreffen". Nach der Präsentation bis Ende Juni soll sie später wieder in der Porzellansammlung zu sehen sein.
Die Schau unter dem Titel "Im Fokus: Drei seltene Schätze des Kaiserlichen Chinas" gilt als kleine Sensation. Denn Keramik aus der Ru-Präfektur in der nördlichen Provinz Henan wurde exklusiv für den chinesischen Kaiserhof produziert und ist heute weltweit nur noch in 89 Exponaten erhalten. Dresden hat deutschlandweit die einzige Ru-Keramik im Bestand. Das zierliche Gefäß aus glasiertem Steinzeug diente als Waschschale für Pinsel. Bei einer Auktion in Hongkong wurde eine fast identische Schale 2017 für umgerechnet 31 Millionen Euro versteigert.
Forschungen belegen Herkunft der Schale zweifelsfrei
Die Dresdner Porzellansammlung hatte die Ru-Schale in den 1920er Jahren erworben. Bis vor ein paar Jahren ging man davon aus, dass sie aus Korea stammte. Forschungen konnten aber zweifelsfrei die Herkunft aus den Ru-Werkstätten nachweisen. Generaldirektor Ebert kündigte an, den eigenen Sammlungsbestand noch stärker zu erforschen. Sicherlich werde man bestimmt noch manche Stücke entdecken - wenn auch nicht Objekte mit einer "Kragenweite" der Ru-Schale.
Drache als Symbol kaiserlicher Macht
Die sogenannte Drachenvase wurde für den Hof des Kaisers Qianlong (1735–1795) gefertigt. Sie ist mit neun Drachen bemalt, die in leuchtenden Farben über Meer und Himmel aufsteigen und gilt als seltenes Meisterwerk der kaiserlichen Porzellankunst der Qing-Dynastie. In der chinesischen Kultur steht die Zahl Neun auch für "Ewigkeit", während der Drache das wichtigste Symbol kaiserlicher Macht darstellt.
Das Schnupftabakfläschchen galt lange Zeit als eine europäische Arbeit im chinoisen Stil. Erst 2013 wurde es als seltenes und frühes Beispiel chinesischer Emailkunst der Qing-Dynastie erkannt. Seine Herkunft konnte aus den kaiserlichen Palastwerkstätten in Peking nachgewiesen werden, in denen ausschließlich Werke höchster Qualität für den Kaiserhof entstanden.