SachsenStudie: Psychische Erkrankungen bei Mädchen nehmen stark zu

Angst, Depression, Essstörung: Immer mehr Mädchen in Sachsen kämpfen damit. Was eine neue Studie zeigt – und warum Ärzte Alarm schlagen.
Dresden (dpa/sn) - Bei vielen jungen Menschen in Sachsen haben die Folgen der Pandemie, Zukunftsängste und anhaltende Krisen zu zunehmenden psychischen Problemen geführt. Das belegt der Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit. Die wissenschaftliche Studie fand bei Sachsens Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren einen besonders starken Anstieg von Angststörungen, Depressionen und Essstörungen.
Demnach waren 2024 rund 67 von 1.000 DAK-versicherten jugendlichen Mädchen wegen einer Angststörung in Behandlung. Im Vergleich zum letzten Vorpandemie-Jahr 2019 entspricht das einem Anstieg um 73 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl chronischer Angststörungen um 88 Prozent. Die Zahl der Fälle bei Essstörungen habe um 57 Prozent über dem Vorpandemie-Niveau gelegen. Auch bei Depressionen seien weiterhin hohe Behandlungszahlen zu verzeichnen, hieß es.
Wenn Angst zur Konstante wird
Die aktuellen Ergebnisse zeigten den Ernst der Lage und eine neue Dimension, sagte Stefan Wandel, DAK-Landeschef in Sachsen. "Die leise Hoffnung auf einen Rückgang bei psychischen Erkrankungen ist nicht eingetreten. Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele junge Menschen inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen."
Nach Einschätzung von Kinderärztinnen und -ärzten sind psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen inzwischen regelmäßig Teil des Praxisalltags. Gesundheitsthemen müssten daher zwingend verbindlich im Schulalltag verankert werden, forderte Wandel.
Umfangreiche Daten ausgewertet
Für die Analyse untersuchten Wissenschaftler die Abrechnungsdaten von mehr als 19.100 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Sachsen versichert sind, wie es hieß. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit rund einer Million ambulanter Arzt- und Therapeutenbesuche, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen.
Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Sachsen mehr als 160.000 Menschen versichert.