SachsenUnklare Zukunft für VW in Zwickau - Unmut wächst

Mehr als 100.000 Menschen könnten betroffen sein, sollte das VW-Werk in Zwickau schließen. Die Zukunft des Werks steht in den Sternen, die Kritik an der Konzernspitze wächst.
Dresden (dpa/sn) - Der Unmut über eine drohende Schließung des VW-Werkes in Zwickau Mosel nimmt in Sachsen zu. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht den VW-Konzern in Zwickau in der Pflicht. Die Beschäftigten müssten sich auf Zusagen verlassen können, sagte er im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die VW-Produktion in Zwickau habe als Leitwerk der Elektromobilität Zusicherungen bekommen, später seien dann Produkte in andere Werke abgezogen worden.
Kretschmer: VW muss auf den Pfad der Tugend zurück
Man habe den Beschäftigten gesagt, sie müssten Kostenziele erreichen, sagte Kretschmer. "Als sie die erreicht haben, kommt die Diskussion, ob man dieses Werk schließt. So kann man ja nicht vertrauensvoll miteinander arbeiten, und das hat auch nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Und deswegen muss dieses Unternehmen zurück auf den Pfad der Tugend, ansonsten hat es auch bei den Verbrauchern keine Chance. Vertrauen ist die wichtigste Währung überhaupt."
Regierungschef zieht Vergleich zu DDR-Kombinat
"Es gibt Fehler, die Volkswagen in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten selbst gemacht hat. Es ist ein Unternehmen, was immer mehr an ein Kombinat grenzt, leicht kompliziert ist, riesige Kosten hat, einen riesigen Wasserkopf aufgebaut hat", sagte Kretschmer. Die Strukturen seien dort zu komplex, niemand wisse mehr so richtig, wer da was zu entscheiden hat. Das macht es teuer, langsam, ineffizient, auch weniger innovativ." VW-Chef Oliver Blume mahne das zu Recht an. Kombinate waren zu DDR-Zeiten eine Art staatlicher Konzern und galten als ineffizient.
SPD kritisiert Pläne harsch
Auch die sächsische SPD übte harsche Kritik an der Konzernspitze. Die Pläne von VW-Chef Oliver Blume zeugten von Verantwortungslosigkeit. "Wenn die einzige Vision eines deutschen Top-Managers ist, Werke in Deutschland zu schließen, um die Produktion an billigere Standorte zu verlagern, dann ist er vielleicht kein Top-Manager, sondern ein Missmanager", erklärte SPD-Chef Henning Homann.
Zukunft von VW in Zwickau nach Aufsichtsratssitzung unklar
VW hatte am Donnerstag nach der Sitzung seines Aufsichtsrates zu möglichen Einsparungen keine Angaben zu möglichen Werksschließungen und Stellenabbau. Der Standort Zwickau war zuvor neben Hannover, Emden und Neckarsulm wiederholt genannt worden. Die IG Metall vermisst bisher ein klares Dementi und kündigte weitere Proteste je nach Entwicklung an.
Gewerkschaft kündigt erheblichen Widerstand an
Die IG Metall will deutlichen Widerstand gegen Schließungspläne für Zwickau leisten. "Die Proteste in dieser Woche waren erst der Anfang, wenn das Management in Wolfsburg tatsächlich das Werk in Zwickau dichtmachen möchte", sagte IG Metall Bezirksleiter Jan Otto. Man werde gemeinsam mit den Belegschaften jeden Standort verteidigen. Neben Zwickau hat VW in Sachsen das Motorenwerk in Chemnitz und die Gläsernen Manufaktur in Dresden.
IG Metall: Zwickau muss Automobilstandort bleiben
Thomas Knabel von der IG-Metall Zwickau ging auch auf Spekulationen ein, Zwickau könnte Teil eines Joint Ventures mit einem chinesischen Partner oder gänzlich von einem Unternehmen aus China übernommen werden. Er nehme das vor allem als mediale Diskussion wahr und habe noch keinen im VW-Konzern erlebt, der mit der IG Metall über diese Fragen reden wollte. Die Kollegen in Zwickau seien Automobilbauer, Zwickau müsse auch in Zukunft ein Automobilstandort sein. Knabel forderte VW-Konzernchef Oliver Blume auf, persönlich nach Zwickau zu kommen und sein Konzept zu erklären.
Gewerkschaft will für intelligente Lösungen offen sein
Otto, Bezirksleiter der IG-Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, sicherte zu, dass die Gewerkschaft für intelligente Lösungen offen sei. "VW in Zwickau muss bleiben. Alles, was wir aus Wolfsburg vom Vorstand hören, ist eine einzige Kampfansage hochbezahlter Manager an ihre Beschäftigten (...). Die Kolleginnen und Kollegen in Zwickau und ihre Familien lassen sich nicht einfach abwickeln und wie eine Nummer aus der Konzernbilanz streichen."
Bei VW in Zwickau sind momentan noch rund 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Früher waren es 11.000. Das sächsische Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass noch einmal 40.000 bis 50.000 Jobs bei Zulieferern und tausende Familien daran hängen. "Insgesamt sind mehr als 100.000 Menschen in der Region direkt betroffen."