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ThüringenAngeklagte schweigt zum Mordvorwurf an Nachbarin

16.01.2026, 11:15 Uhr
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(Foto: Jacob Schröter/dpa)

Eine Rentnerin wird brutal im Keller getötet. Als mutmaßliche Täterin sitzt ihre Nachbarin auf der Anklagebank, die sich einst um die Frau kümmerte. Laut Staatsanwaltschaft ging es um Geld.

Meiningen (dpa/th) - Zum Prozessauftakt um den gewaltsamen Tod einer Rentnerin in Brotterode hat die Angeklagte geschwiegen. Der 50-Jährigen wird in dem Verfahren vor dem Landgericht Meiningen Mord vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll sie im vergangenen Juni eine 78 Jahre alte Nachbarin unter einem Vorwand in den Keller des Mehrfamilienhauses gelockt haben, um sie dort zu töten, weil sie an deren Geldkarten gelangen wollte.

Die Angeklagte habe grausam, aus Habgier und zur Ermöglichung einer Straftat gehandelt, sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklageschrift. Sie soll bei dem Kampf die Seniorin ins Gesicht geschlagen, mit den Händen und einer Wäscheleine gewürgt und sie mit voller Wucht gegen die Waschmaschine gestoßen haben. Schließlich habe sie mehrfach auf die 78-Jährige eingestochen. Die Seniorin verblutete.

Geld vom Konto abgehoben

Die Angeklagte soll im Anschluss aus der Wohnung der Rentnerin deren EC-Karten gestohlen und mit diesen in den folgenden Tagen 5.500 Euro von drei verschiedenen Konten des Opfers abgehoben haben.

Zeugen sagten aus, dass sich die Angeklagte früher um die Rentnerin als eine Art Betreuerin gekümmert und ihr unter anderem mit Fahrten zum Einkaufen und zum Arzt geholfen habe. Eine Fußpflegerin berichtete im Zeugenstand, wie es zum Bruch zwischen den beiden Frauen kam. Auslöser sei eine Überweisung über 2.400 Euro gewesen, die vom Konto der Rentnerin an den Sohn der Angeklagten gehen sollten - dann aber von der Bank wegen Unleserlichkeit nicht akzeptiert wurde.

Zerbrochenes Vertrauen

Die Fußpflegerin schilderte, wie enttäuscht die Rentnerin von der Angeklagten gewesen sei. Sie habe diese zur Rede gestellt, die 50-Jährige habe den Betrug jedoch bestritten. Die Rentnerin habe von da an panische Angst vor der Angeklagten gehabt und auch ihr Türschloss auswechseln lassen, sagte die Zeugin weiter.

Ein Altenpfleger berichtete von einer E-Mail im Juni 2025 an den Pflegedienst, der hauswirtschaftliche Aufgaben für die Frau erledigte. Darin habe angeblich die Nichte der Rentnerin mitgeteilt, dass die 78-Jährige in den Urlaub gefahren sei und erst später wieder versorgt werden müsse. Dem Altenpfleger sei das ungewöhnlich erschienen, weshalb er nachforschte und schließlich die Polizei informierte.

Die Angeklagte sitzt seit ihrer Festnahme im Juni vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind bis Anfang März noch neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: dpa

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