ThüringenJunge Frau schildert mutmaßlichen Messerangriff des Ex

Auf heimtückische Art und mit mehreren Messerstichen soll ein Mann seine Ex-Partnerin versucht haben umzubringen. Vor Gericht kommt die junge Frau selbst zu Wort: "Er hat mich ständig kontrolliert."
Erfurt (dpa/th) - Kurz bevor sie den mutmaßlichen Messerangriff ihres Ex-Freundes auf sich schilderte, hat eine junge Frau am Landgericht Erfurt um Fassung ringen müssen. Tränen schossen ihr in die Augen, als sie nur wenige Meter vom wegen versuchten Mordes an ihr angeklagten Ex im Zeugenstand von dem Geschehen berichtete.
Der Vorsitzende Richter der zuständigen Strafkammer am Landgericht, Markus von Hagen, unterbrach daraufhin zeitweise die Verhandlung. Vor dem Gerichtssaal schluchzte die junge Ukrainerin, um einige Minuten später wieder aufgeräumt zurück im Zeugenstand den Tathergang in gebrochenem Deutsch und unterstützt von einer Übersetzerin aus ihrer Sicht darzulegen.
Der 33-jährige afghanische Angeklagte selbst ließ sich zunächst nicht ein. Seine Verteidigerin erklärte jedoch, dass sich ihr Mandant im Laufe des Prozesses möglicherweise noch äußern werde.
Angeklagter soll der Frau maskiert aufgelauert haben
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, im Juli vergangenen Jahres seiner früheren Partnerin frühmorgens maskiert aufgelauert zu haben, in der Absicht, diese zu töten. Zunächst habe er der Frau mit dem Griff eines mitgeführten Küchenmessers ins Gesicht geschlagen.
Daraufhin soll sie zu Boden gegangen sein, wo der Mann laut Anklage mehrfach auf sie eingestochen habe. Die Klinge des Messers soll 15,5 Zentimeter lang gewesen sein. In der Annahme, die stark blutende Frau werde an den Verletzungen sterben, sei er geflüchtet.
Opfer: Hatte Angst, sterben zu können
Sie habe Angst gehabt, dass sie sterben könnte, sagte die 24-jährige Frau im Zeugenstand. Zwei Passanten hätten ihr geholfen und Rettungskräfte alarmiert. Angegriffen worden sei sie plötzlich, auf dem Nachhauseweg. Welche Gründe der Angeklagte für die mutmaßliche Tat gehabt habe, könne sie nicht sagen. Den mit einem Tuch im Gesicht maskierten Angreifer will sie anhand seiner Stimme, seiner Kleidung und seiner Statur als den angeklagten Ex-Freund erkannt haben. Infolge des Angriffs leide sie an Panikattacken, sie habe häufig Angst.
Zuvor berichtete die junge Frau, dass sie den Angeklagten 2022 kennengelernt hatte und sie bald in einer Beziehung waren. In Erfurt lebten sie zusammen in einer Wohnung. Der Angeklagte sei häufig aggressiv gewesen, habe sie geschlagen, sie habe versucht sich zu wehren. Viele Male sei die Polizei bei ihnen gewesen. Sie habe den Mann als misstrauisch und eifersüchtig erlebt. "Er hat mich ständig kontrolliert, mir nicht vertraut."
Angeklagter soll gedroht haben – "Dachte es sind nur Worte"
Schließlich habe sie einen Schlussstrich gezogen, die Beziehung beendet. Im Februar 2025 sei der Angeklagte endgültig ausgezogen. Sie hätten sich aber noch getroffen, auch weil der Angeklagte immer noch die Waschmaschine in der Wohnung nutzte.
Nach der Trennung habe sie einen anderen Partner gefunden. Nachdem der Angeklagte davon erfahren habe, habe er bei einem Treffen gedroht, sie und den anderen zu töten. "Ich dachte, es sind nur Worte." Sie habe nicht gedacht, dass er es ernst meinen könnte.
Weitere Verhandlungstermine sind bis in den Juni geplant.
Gewalt gegen Frauen
Bei solchen Gewaltverbrechen wird immer häufiger über sogenannte Femizide diskutiert. Der Begriff bezeichnet Fälle, in denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. Als häufigste Form davon gilt in Deutschland die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner.
"Um Femizide wirksam zu bekämpfen, bedarf es eines grundlegenden Perspektivwechsels: weg von der Betrachtung als Einzelfälle, hin zur Anerkennung als strukturelles Gewaltproblem", schrieb die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf, in einem Vorwort eines 2025 veröffentlichten Monitoringberichts des Instituts