ThüringenBerater: Firmen unterschiedlich offen für Auslandskräfte
Seit etwa einem halben Jahr hilft in Thüringen ein spezielles Zentrum bei der Integration von ausländischen Mitarbeitern in Unternehmen.
Erfurt (dpa/th) - Bei der Integration von ausländischen Fachkräften in Thüringer Unternehmen treten nach der Einschätzung von Helfern größere Probleme oft erst nach Wochen auf. Unmittelbar nachdem die neuen Mitarbeiter in einem Betrieb angefangen hätten, sei die Stimmung meist von viel Euphorie geprägt, sagte die Sprecherin des Zentrums für interkulturelle Öffnung, Nadine Keitel, der Deutschen Presse-Agentur. Diese Zeitspanne werde in Fachkreisen auch als "Flitterwochen-Phase" bezeichnet. "Sobald aber "Alltagsprobleme" auftauchen und es auch zu Missverständnissen kommt, kann die Stimmung nach unten kippen", sagte sie.
Sowohl die ausländischen Mitarbeiter als auch ihre Kollegen der Stammbelegschaft klagten dann oft darüber, wie wenig Verständnis der jeweils andere angeblich habe. Grundsätzlich sei die Integrationsbereitschaft der Thüringer Wirtschaft sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Das Zentrum für interkulturelle Öffnung wurde Ende 2018 gegründet. Es ist Teil des Integrationskonzepts des Landes und wird unter anderem vom Freistaat mit 200 000 Euro jährlich finanziert. Mit dem Geld werden vor allem drei Projektstellen bezahlt. Das Zentrum soll thüringenweit unter anderem bestehenden Angebote bekannter machen, die das Land kulturell vielfältiger machen wollen.
Wegen des zunehmenden Arbeits- und Fachkräftebedarfs soll das Zentrum aber auch ein Ansprechpartner für alle Organisationen und Einrichtungen sein, die nicht-deutsche Mitarbeiter einstellen oder besser integrieren wollen - Unternehmen und Vereine ebenso wie die öffentliche Verwaltung.
Um auftretende Missverständnisse zwischen neu eingestellten ausländischen Fachkräften und ihren schon länger im Unternehmen arbeitenden Kollegen zu beheben, sei es wichtig, diese Probleme als "normale Herausforderung" zu sehen, sagte Keitel. Gelöst werden könnten sie etwa dann, wenn beide Seiten offen und gemeinsam überlegten, "was brauchst du, was brauche ich zukünftig, um gut arbeiten zu können?"
Wie offen Thüringer Unternehmen gegenüber ausländischen Fachkräften sind, hängt nach den bisherigen Erfahrungen des Zentrums stark von den jeweiligen Führungskräften ab, wie Keitel sagte.
Sie betonte, dass Thüringen sich aus wirtschaftlichen Gründen für Menschen aus anderen Ländern und Kulturen öffnen müsse. Der Freistaat und auch die Thüringer selbst könnten es sich nicht leisten, Menschen aus dem Ausland oder aus anderen Bundesländern gegenüber ablehnend aufzutreten.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatten in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass künftig viele Jobs in Thüringen nur dann wieder mit Fachkräften besetzt werden könnten, wenn Menschen aus dem Ausland ins Land kommen.
Studie im Auftrag des Landes zur Fachkräftesituation