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ThüringenEin begehbares Gehirn? Neues Ausstellungshaus kommt

30.01.2026, 04:01 Uhr
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Mit einem einzigartigen Konzept will eine Stiftung in Erfurt zum Thema Sucht sensibilisieren und aufklären. Diese wichtigen Schritte auf dem Weg zu dem besonderen Ausstellungshaus stehen bald an.

Erfurt (dpa/th) - Die Stiftung Welt der Versuchungen möchte in diesem Jahr mit den Bauarbeiten für ihr in Erfurt geplantes Ausstellungshaus beginnen. Im Frühjahr soll die Fläche zunächst archäologisch untersucht werden, sagte die Vorständin der Stiftung, Susanne Rockweiler. In der Erde des am Rande der Altstadt gelegenen Areals könnten sich noch Überbleibsel aus dem Mittelalter verbergen.

Sind die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen, sollen die Arbeiten losgehen. Vorab gebaute Module sollen zügiges Vorankommen ermöglichen. Rockweiler hofft auf die Eröffnung des vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Hauses spätestens im Herbst 2027. Das Haus soll laut Stiftung ein einzigartiger Ort werden, der neue Ansätze zur Suchtprävention mit Kunst und Wissenschaft kombiniert. Dabei sollen verschiedenste Versuchungen und Abhängigkeiten von Alkohol und anderen Drogen bis hin zu Social Media aufgegriffen werden.

"Gehirnraum" als Ausgangspunkt

Aktuell sitze ihr Team an den Plänen für einen zentralen Ort in dem Ausstellungshaus. "Im Gehirnraum soll erläutert werden, wie unser Gehirn tickt, warum wir etwa lieber zum Keks statt zum Apfel greifen", sagte Rockweiler. Die Erklärung, was im Gehirn in Bezug auf Sucht passiere, sei nachhaltiger, als nur über Gefahren verschiedener Substanzen aufzuklären. Fest stehe bereits, dass im Gehirnraum ein interaktives Modell des Denkorgans zu erleben sein soll. "Möglicherweise wird es begehbar; wir sitzen noch dran", so Rockweiler.

Der Gehirnraum solle die Basisinformationen liefern für alles andere, was in dem Ausstellungshaus in Dauerausstellung und wechselnden Sonderausstellungen gezeigt werden soll. Und dazu gehören auch weitere Kunst und etliche Dinge zum Ausprobieren. Das Haus solle auch einen "Innovations-Hub" bieten, wie es Rockweiler nennt. Vertreter aus der Suchtforschung sollen dort mit Mitarbeitern aus der Suchthilfe in Austausch kommen.

Zuletzt Ausstellung zu Cannabis

Einen Vorgeschmack auf das Haus haben bereits mehrere Ausstellungen der Stiftung gegeben. Zuletzt hatten rund 4.000 Menschen die Ausstellung "Only good vibes? Cannabis, Rauch und Realität" in der Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg besucht. Die Schau verband Aufklärung über die Wirkmechanismen von Cannabis auf Gehirn und Körper mit zeitgenössischen Kunstwerken.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen geht laut Website davon aus, dass knapp 8,2 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland, von verschiedenen Substanzen oder etwa Glücksspiel abhängig sind. Dazu kommen 13 Millionen Menschen, die Alkohol und Medikamente zumindest missbräuchlich konsumieren.

Quelle: dpa

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