Regionalnachrichten

ThüringenMehr Anklagen trotz Personalmangel in Thüringens Justiz

21.02.2026, 04:01 Uhr
Die-Thueringer-Staatsanwaltschaften-hatten-Ende-2025-noch-29-554-offene-Ermittlungsverfahren-im-Bestand

Papier statt digital, volle Schreibtische und trotzdem mehr Anklagen: Wie Thüringens Staatsanwaltschaften den Spagat zwischen Personalmangel und Aktenflut meistern.

Erfurt (dpa/th) - Bei den Thüringer Staatsanwaltschaften sind im vergangenen Jahr die Aktenberge weiter angewachsen. Ende 2025 waren nach Angaben des Justizministeriums 29.554 Ermittlungsverfahren offen und damit knapp 800 mehr als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zu 2022 wuchs die Zahl sogar um fast 5.400.

Im vergangenen Jahr gingen den Angaben nach 130.604 neue Ermittlungsverfahren bei den Staatsanwaltschaften ein. Damit lag die Zahl zwar unter dem Höchststand von 2024 mit 139.449 neuen Fällen, aber weiterhin deutlich über dem Niveau von 2022 (121.629).

Längere Verfahren

Die durchschnittliche Verfahrensdauer erhöhte sich leicht. Erledigte Ermittlungsverfahren dauerten im vergangenen Jahr im Schnitt 2,7 Monate. Im Jahr zuvor waren es noch 2,6 Monate, wie es aus dem Justizministerium hieß.

Nach Angaben des Ministeriums fehlen im Freistaat derzeit rund 35 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Grund hierfür seien neben den stark gestiegene Eingangszahlen, zusätzliche Belastungen durch die Einführung der elektronischen Akte sowie dem Generationenwechsel. Für die gesamte Thüringer Justiz seien zuletzt etwas mehr als 60 Richterinnen und Richter auf Probe eingestellt worden, rund 60 Prozent von ihnen würden bei den Strafverfolgungsbehörden eingesetzt.

Angesichts der Personalnot insbesondere in den Staatsanwaltschaften pocht der Thüringer Richterbund auf eine schnelle Einigung zwischen Bund und Ländern bei der Neuauflage des "Pakts für den Rechtsstaat". Der Bund hatte im vergangenen Sommer angekündigt, rund eine halbe Milliarde Euro in den nächsten vier Jahren für die Schaffung zusätzlicher Stellen in der Justiz und für die Digitalisierung bereitstellen zu wollen. Das Justizministerium wollte sich mit Verweis auf die laufenden Gespräche nicht zum Verhandlungsstand äußern.

Digitale Baustellen

"Wir sind dringend auf die Stellen angewiesen", mahnte der Vorsitzende des Thüringer Richterbundes, Udo Tietjen. Auch bei der Digitalisierung hake es noch. Die technische Ausstattung insbesondere der Zivilverhandlungsgerichtssäle in Thüringen etwa mit Monitoren stecke noch in den Kinderschuhen. Die elektronische Akte sei zwar offiziell in der Thüringer Justiz eingeführt. "Im Strafrecht bekommen wir aber die allermeisten der Neueingänge noch in Papierform."

Wenn die Polizeistationen noch nicht entsprechend ausgestattet seien, legten diese Papierakten an. Wenn die Staatsanwaltschaften dann Anklage erhöben, kämen diese so zu den Gerichten, so Tietjen.

Mehr Anklagen

Trotz der gestiegenen Belastungen erhoben die Thüringer Staatsanwälte nach Ministeriumsangaben im vergangenen Jahr mehr Anklagen: 10.637 Fälle kamen vor Gericht – ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zu 2024 mit 10.496 Anklagen. Die Zahl der eingestellten Verfahren verringerte sich 2025 im Vergleich zum Jahr zuvor um 7,4 Prozent.

Quelle: dpa

Regionales