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ThüringenThüringen: Ein Land als Filmstar

10.10.2026, 07:01 Uhr
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Bei Film- und TV-Produktionen sind Drehorte in Thüringen beliebt. Warum im Freistaat für Filmschaffende einige positive Effekte zusammenkommen und welche Orte häufiger zu sehen sind.

Erfurt/Leipzig (dpa/th) - Ob historische Burgen und Schlösser, die Naturschönheit der Mittelgebirge, die Weimarer Klassik oder architektonische Relikte aus der DDR-Zeit: In Thüringen gibt es etliche Orte, die als Kulissen für Film- und Fernsehproduktionen immer beliebter werden. "Thüringen ist ein attraktiver Standort", fasst Anke Kunze von der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH (MDM) zusammen.

"Gedreht wurde schon fast überall, Thüringen ist sehr präsent in Film und Fernsehen." Seit 1998 hätten allein über 300 Filmproduktionen Standorte in Thüringen für Kino- und TV-Spielfilme genutzt, hinzu komme eine große Zahl an Serien und Dokumentationen. Die Nachfrage steige.

Fachpersonal verfügbar

Der Freistaat könne dabei gleich mit mehreren Faktoren punkten, heißt es von den Medienexperten von MDM und Thüringer Staatskanzlei: Zum einen sei das die Vielfalt unterschiedlichster Motive auf relativ engem Raum und die kurzen Wege. Sowohl die Landschaft als auch die historische Architektur lieferten - je Thema - teils perfekte Bedingungen für Film und Fernsehen.

Hinzu komme eine gute Infrastruktur und gute Ressourcen, so Kunze. Mittlerweile sei es sehr einfach, in Thüringen Fachpersonal für die verschiedensten Aspekte von Produktionen zu finden. Zentral dabei sei der Bereich um den Studiopark KinderMedienZentrum in Erfurt sowie die Bauhaus-Universität in Weimar.

Schätzungen der Thüringer Staatskanzlei gehen für den Freistaat von rund 600 Beschäftigten in der Filmbranche aus - von größeren Produktionsfirmen bis zu vielen Einzelselbständigen etwa im Bereich Casting, Kostümbild oder Special Effects. Auch die Kooperation mit Kommunen und Menschen vor Ort sei in der Regel sehr gut, so Kunze. Sowohl Kommunen und andere Motivgeber als auch die Bevölkerung seien meist sehr aufgeschlossen und hilfreich. Das sei nicht überall so.

Requisitenfundus in Weimar

Ein weiterer wichtiger Punkt seien auch die Förderinstrumente, die gut ineinandergriffen, so Kunze. Neben den finanziellen Fördermitteln existiert für Thüringen auf den Seiten der MDM unter anderem ein Branchenverzeichnis über regionale Filmschaffende sowie eine Motivdatenbank, in der rund 260 mögliche Drehorte präsentiert werden - von der Agrargenossenschaft Nöbdenitz im Schmöllner Ortsteil Lohma über die Innenstädte von Erfurt, Weimar, Geisa, Sonneberg oder Arnstadt bis hin zur Krämerbrücke oder der Wartburg.

Auch Informationen zur Produktionsvorbereitung können hier abgerufen werden. Ein kommerzieller Requisitenfundus in Weimar sei weit über die Grenzen Thüringens hinaus gefragt. Über bisher im Freistaat gedrehte und von der MDM geförderte Produktionen gibt der sogenannte Drehreport im Internet Auskunft.

Vom Land Thüringen wird die MDM nach Auskunft der Staatskanzlei und der MDM jährlich mit rund 3,9 Millionen Euro unterstützt. Neben den Filmschaffenden selbst profitierten mehrere andere Bereiche davon: Neben den Unternehmen und Dienstleistern, die direkt für die Produktionen angeheuert würden, seien dies unter anderem auch Hotels und Gastronomen, aber auch Baumärkte und ähnliche Branchen. Viele Produktionsteams blieben zudem nach einem abgeschlossenen Dreh noch als Gäste über ein Wochenende im Land.

Nicht zu beziffern sei der Imagegewinn, der für Thüringen entstehe: So gebe es immer mehr Filmfans, die Drehorte aus Filmen oder Serien einmal persönlich besuchen wollten, so Kunze. Ein Trend, der sich dank der wachsenden Beliebtheit des Freistaats als Filmlocation in Zukunft noch verstärken könnte.

Von Science Fiction bis zur Disney-Serie

Zu den wohl bekanntesten Produktionen mit Drehorten in Thüringen gehörten in der Vergangenheit etwa die deutsch-amerikanische Koproduktion "Luther", die unter anderem an Originalschauplätzen im Erfurter Augustinerkloster gedreht wurde. Die erste deutsche Disney-Serie "Sam - Ein Sachse", die auf biografischen Fakten über den ersten schwarzen Polizisten Ostdeutschlands beruht, wurde Kunze zufolge in Gera gedreht.

Aktuell in den Kinos zu sehen ist der Film "Vaterland" über den Schriftsteller Thomas Mann, der teilweise an Schauplätzen in Weimar spielt. Für die Produktion "Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte" diente unter anderem das Freilichtmuseum in Hohenfelden als Kulisse. 2027 soll der Science-Fiction-Film "Athos 2643" in die Kinos kommen, der zu großen Teilen unter der Erde im Besucherbergwerk Kamsdorf gedreht wurde.

Im Juli liefen in Erfurt und Umgebung die Dreharbeiten für das deutsch-norwegische Roadmovie "Uncle Egg", bei dem unter anderem Darsteller aus der Fantasy-Serie "Game of Thrones" vor der Kamera standen. Besonders bekannte Serienproduktionen sind unter anderem die KIKA-Serie "Schloß Einstein", "Die jungen Ärzte" oder die Folgen des Weimar-Tatorts.

Burgen und Schlösser als Kulissen gefragt

Als Kulisse am gefragtesten seien die vielen verschiedenen Burgen und Schlösser aus verschiedenen historischen Epochen, die überall im Freistaat verteilt sind, so Kunze. Im städtischen Kontext seien vor allem Erfurt, Jena und Weimar sehr gefragt.

Aber auch in Ostthüringen seien etwa in und um Gera und Altenburg schon viele Produktionen entstanden. Dabei gehe es sowohl um Bauten aus dem Mittelalter oder der Klassik als auch Plattenbauten oder in der DDR entstandene Bauwerke wie das Kongresszentrum in Gera. Für Naturkulissen sei der Thüringer Wald am beliebtesten.

Was Produktionsfirmen angeht, hätten die Constantin Film und die UFA schon mehrfach in Thüringen gedreht. Thüringer Produktionsfirmen seien international vor allem im Arthouse-Bereich erfolgreich, darunter etwa die Firmen Ostlicht Filmproduktion aus Weimar, Elemag Pictures aus Gera und CALA Film Central in Erfurt.

Quelle: dpa

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