ThüringenViehdiebstahl in Brandenburg schreckt Thüringer Bauern auf

Dutzende Rinder verschwinden über Nacht von einer Weide. In Brandenburg treiben Viehdiebe ihr Unwesen. Manch Thüringer Bauer musste schon Ähnliches erleben.
Erfurt/Hildburghausen (dpa/th) - In Südbrandenburg treiben Viehdiebe ihr Unwesen und wecken damit auch bei Bauern in Thüringen böse Erinnerungen. In diesem Jahr seien hierzulande keine vergleichbaren Fälle bekannt, sagte eine Sprecherin des Landesbauernverbandes auf dpa-Anfrage. Allerdings gab es vor zwei Jahren mindestens zwei Fälle in Thüringen, bei denen ebenfalls Rinder aus Ställen verschwanden. Betroffen waren Betriebe in Udestedt (Landkreis Sömmerda) und dem südthüringischen Hildburghausen.
Er vermute, dass damals gewerbsmäßige Banden am Werk waren, sagte Toralf Müller, Chef der Agrargenossenschaft Pfersdorf. Aus einem seiner Ställe wurden damals sieben schlachtreife Mastbullen gestohlen. Dies sei angezeigt worden, habe aber nicht von der Polizei aufgeklärt werden können. Schleierhaft sei ihm vor allem, wie die Tiere aus dem komplett abgeschlossenen Gelände ohne Spuren zu hinterlassen abtransportiert wurden, erklärte Müller.
Da alle Rinder Ohrmarken tragen und jedes Tier einen eigenen Pass habe, sei zu vermuten, dass sie illegal geschlachtet und verkauft wurden, sagte Müller. Denn die obligatorischen Tierpässe seien in dem Unternehmen sicher verwahrt worden. Der Schaden habe damals etwa 14.000 bis 16.000 Euro betragen.
Werden gestohlene Tiere illegal im Ausland geschlachtet?
Der Brandenburger Bauernverband hat jüngst Alarm geschlagen: Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen haben Viehdiebe Dutzende Rinder von Weiden in Südbrandenburg gestohlen. Landesbauernpräsident Henrik Wendorff hält es für wahrscheinlich, dass die Tiere illegal im Ausland geschlachtet werden, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Da muss man davon ausgehen, dass eine Truppe unterwegs ist, die das professionell macht."
So sind etwa im Dorf Grano unweit der polnischen Grenze Rinder von der Weide verschwunden. Der betroffene Landwirt sprach von 31 Rindern. "Das ist ein absoluter Schock. Es waren richtig hochwertige Zuchttiere." Die Tiere seien über Nacht mit einem Laster weggebracht worden. Der wirtschaftliche Schaden liegt nach Angaben der Polizei im sechsstelligen Eurobereich. Nach einer ersten Spurensicherung übernahm die Kriminalpolizei weiterführende Ermittlungen.
Da alle Rinder registriert sind, ist laut Brandenburgs Bauernpräsident Wendorff eine legale Verwertung gestohlener Tiere innerhalb Deutschlands nahezu unmöglich. "Ohne Registrierung ist eine legale Schlachtung nicht möglich." Deshalb liege der Verdacht nahe, dass die Tiere ins Ausland gebracht würden, möglicherweise sogar außerhalb der Europäischen Union, meinte Wendorff.