ThüringenWeniger Schadholz – Borkenkäferplage ebbt in Thüringen ab

Ameisenbuntkäfer, Spechte & Co. greifen ein: Wie natürliche Feinde und engagierte Forstarbeit die Borkenkäferplage eindämmen – und wieso der Schädling trotzdem im Ökosystem wichtig bleibt.
Erfurt (dpa/th) - Die Borkenkäfergefahr in den Thüringer Wäldern hat sich nach Einschätzung von Forstexperten deutlich entschärft. Ende Januar seien landesweit noch rund 3.550 Festmeter befallenes Holz registriert worden, das bisher nicht eingeschlagen worden sei. Das entspricht nach Angaben der Landesforstanstalt sechs Prozent der Menge des Vorjahresmonats.
Der Schädlingsbefall habe sich damit deutlich beruhigt, wenn auch die Gefahr nicht gänzlich gebannt sei. Grund für die Entspannung sei die aktive Bekämpfung: Waldbesitzer schlagen befallenes Holz ein und transportieren es aus den Wäldern ab, bevor sich die Borkenkäfer wieder vermehren könnten.
Entscheidend für die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf seien vor allem Wetter und Brutbedingungen. Waldbesitzer mit Nadelholzbeständen sollten spätestens ab dem ersten Schwarmflug im April oder Mai wachsam sein, so ThüringenForst.
Frostschutz statt Frosttod
Der derzeitige kalte Winter setzt laut den Forstexperten dem Borkenkäfer kaum zu. Die ausgewachsenen Tiere überstehen Temperaturen von deutlich unter minus 25 Grad weitgehend unbeschadet. Sie ziehen sich in tiefere Bodenschichten zurück.
Der Fichtenborkenkäfer bildet außerdem eine Art körpereigenen "Frostschutz" indem er Zucker und Zuckeralkohole einlagert. Diese Stoffe verhindern die Bildung von Eiskristallen, die für die Tiere tödlich wären. Gleichzeitig stellt der Borkenkäfer den Fraß ein, damit der Darminhalt nicht gefrieren kann.
Empfindlicher reagierten Larven und Puppen – sie können bereits bei etwa minus fünf Grad absterben. Ob milde und feuchte Winter mit vermehrtem Pilzbefall die Population spürbar senken, ist bislang wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, so ThüringenForst weiter.
300 Gegenspieler mit Appetit
Der Borkenkäfer hat aber auch zahlreiche natürliche Feinde. So ernähren sich Spechte von ihm. Ein wichtiger Fraßfeind ist der Ameisenbuntkäfer: Er frisst täglich etwa fünf am Tag. Andere Laufkäferarten vertilgten sogar bis zu 20 Borkenkäfer täglich. Insgesamt seien rund 300 wirbellose Gegenspieler bekannt, darunter auch Pilze und Bakterien. Deren Populationen reagieren laut der Landesforstanstalt allerdings erst mit einem Zeitverzug von ein bis zwei Jahren auf Massenvermehrungen.
Trotz seines schlechten Rufs erfüllt der Borkenkäfer im Ökosystem Wald auch eine Funktion: Als sogenannter Sekundärschädling befällt er vor allem geschwächte Bäume nach Dürre oder Sturm und beschleunigt deren Zersetzung. So gelangen Nährstoffe schneller zurück in den natürlichen Kreislauf.
Massiver Rückgang an Schadholz
In Thüringen fielen im vergangenen Jahr insgesamt rund 473.000 Festmeter Borkenkäfer-Schadholz an. 2024 waren es noch knapp 3,5 Millionen Festmeter. Das entspreche einem Rückgang auf 14 Prozent. Besonders betroffen waren die fichtenreichen Hochlagen des Thüringer Waldes sowie im Ostthüringer Schiefergebirge.
Festmeter ist eine Maßeinheit für Rundholz. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse.