Handeln ohne OrdergebührTradegate Direct im Check: Lohnt sich die Trading-App?

Aktien, ETFs und andere Wertpapiere handeln, ohne dafür Ordergebühren zu zahlen: Damit möchte Tradegate Direct vor allem aktive Anleger überzeugen. Für wen ist das interessant – und wo liegen die Nachteile?
Wer Aktien oder ETFs kaufen und handeln möchte, braucht dafür ein Wertpapierdepot bei einem Broker. Neben bekannten Anbietern wie Trade Republic oder Scalable Capital ist Tradegate Direct eine vergleichsweise junge Alternative mit ungewöhnlichem Ansatz. Das Versprechen klingt zunächst gut: Für den Handel erhebt der Direktbroker weder Order- noch Börsen- oder Depotgebühren, lediglich marktübliche Spreads können anfallen. Wir zeigen, was hinter dem Angebot steckt und für wen es sich lohnt.
Tradegate Direct: Günstiger Wertpapierhandel per App und Web
Tradegate Direct gehört zur Berliner Tradegate AG und positioniert sich als Trading-App ohne Order- und Depotgebühren für aktive Traderinnen und Trader sowie erfahrene Privatanleger. Bei der Eröffnung erhalten Nutzer automatisch zwei gebührenfreie Wertpapierdepots – ein Trading- und ein Investment-Depot – sowie ein Verrechnungskonto. Eine Besonderheit gegenüber vielen anderen Brokern ist der Handelsweg: Bei Tradegate Direct werden Orders ausschließlich und direkt über die Tradegate BSX ausgeführt. Auf einen Blick:
Gebühren: dauerhaft 0 Euro Order-, Börsen- und Depotgebühren (zzgl. marktüblicher Spreads)
Zwei gebührenfreie Depots: für Trading und Investment, inklusive Verrechnungskonto, vollständig digitale Eröffnung
Börse: direkter Handel an der Tradegate BSX
Lange Handelszeiten: von 7:30 bis 22:00 Uhr
Gängige und intelligente Ordertypen: Market, Limit, Stop (Limit), OCO (Limit), Trailing Stop (Limit)
Erweiterte Funktionen: Performance-Analysen, Realtime-Kurse, Watchlisten
Hinweis: Die Konditionen von Finanzprodukten können sich schnell ändern. Sollten sich etwa die Gebühren von den hier angegebenen unterscheiden, hat der Anbieter sie nach Veröffentlichung des Artikels angepasst.
Handel ohne Gebühr? Das kostet Tradegate Direct
Der größte Pluspunkt ist die einfache Kostenstruktur: Tradegate Direct verlangt keine Gebühren für Depot und Verrechnungskonto. Auch für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren, Orderänderungen oder das Löschen einer Order werden keine Gebühren berechnet. Die Stiftung Warentest erklärte Tradegate Direct zuletzt in der Ausgabe 12/2025 mit vier weiteren Depot-Anbietern zum "Kostensieger". Zwei Beispiele zum Vergleich: Scalable Capital verlangt in der Free-Version regulär mindestens 0,99 Euro pro Trade, wenige ausgewählte ETFs gibt es hier ab 250 Euro Ordervolumen ohne Gebühr. Wer über ein Depot bei Comdirect handelt, zahlt regulär ab 9,90 Euro pro Trade. Bei den reinen Ordergebühren ist Tradegate Direct damit die günstigere Option.
Ganz ohne Kosten ist der Börsenhandel auch bei Tradegate Direct trotzdem nicht, denn entscheidend sind unter anderem die ETF-Produktkosten und die sogenannten Spreads. Diese können bei allen Handelsplätzen und Brokern anfallen. Ein Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und dem Verkaufskurs. Je größer dieser Abstand ist, desto ungünstiger ist der Handel.
Ebenfalls wichtig zu wissen: Beim Kauf gelten Mindestordervolumen. Aktien können regulär ab 500 Euro, ETPs ab 100 Euro gekauft werden. Wer kleinere Beträge investieren möchte, kann stattdessen einen Sparplan nutzen.
Handeln an der Tradegate BSX
Das Angebot von Tradegate Direct ist bewusst auf den direkten Handel zugeschnitten. Den Traderinnen und Tradern steht nur eine Börse offen: Die Tradegate BSX ist montags bis freitags von 7.30 bis 22 Uhr geöffnet. Zur Auswahl stehen laut Anbieter mehr als 7.000 Aktien, über 4.000 ETPs – dazu gehören unter anderem ETFs – sowie mehr als 5.000 Mini Futures.
Gut zu wissen: Die Tradegate BSX ist eine der größten Retail-Börsen Europas, bei liquiden Wertpapieren können die Spreads daher vergleichsweise eng ausfallen. 2025 wurde Tradegate BSX von Börse Online und dem Sozialwissenschaftlichen Institut (SWI) auf Basis einer Auswertung von mehr als 100 Millionen Anlegerbeiträgen zur "fairsten Handelsplattform" Deutschlands gekürt.
Einlagensicherung für das Verrechnungskonto
Tradegate Direct ist der Direktbroker der Berliner Tradegate AG. Diese besitzt eine Vollbanklizenz. Guthaben auf dem zugehörigen Verrechnungskonto sind daher im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung über Deutschland und bis 100.000 Euro geschützt. Der deutsche Staat wird von den großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet, was für eine sehr hohe Kreditwürdigkeit spricht.
Vorteile und Nachteile von Tradegate Direct auf einen Blick
Vorteile: keine Order-, Börsen- oder Depotgebühren (nur marktübliche Spreads), direkter Handel, lange Handelszeiten, mehr als 16.000 handelbare Produkte, zwei kostenlose Depots, verschiedene Ordertypen, kostenlose Sparpläne
Nachteile: Handel ausschließlich über die Tradegate BSX – kein Vergleich verschiedener Börsenplätze möglich, Mindestordervolumen für Aktien und ETPs bei Einzelkäufen
Praktische Ergänzung: Sparpläne ab 25 Euro
Seit 2026 bietet Tradegate Direct auch Sparpläne auf Aktien und ETPs an. Die Mindestsparrate beträgt 25 Euro und für die Ausführung werden keine Ordergebühren berechnet. So eignet sich Tradegate Direct nicht mehr ausschließlich für aktive Anleger – auch ein langfristiger Vermögensaufbau mit ETF-Sparplänen ist möglich. Unterstützt wird das durch zwei getrennte Depots: Bei Tradegate Direct erhalten Nutzer ein Investment-Depot und ein Trading-Depot. So lassen sich langfristige Anlagen und Wertpapiere, mit denen häufiger gehandelt wird, getrennt verwalten. Das kann auch steuerlich von Vorteil sein, da das FiFo-Prinzip (First In, First Out) für jedes Depot getrennt angewendet wird. Wer kurzfristig handeln möchte, muss dadurch nicht automatisch zuerst ältere und möglicherweise stärker im Gewinn liegende Anteile aus dem langfristigen Investment-Depot verkaufen.
Fazit: Für wen lohnt sich Tradegate Direct?
Zusammenfassend ist Tradegate Direct vor allem für Anlegerinnen und Anleger interessant, die häufiger Wertpapiere handeln. Wer beispielsweise mehrmals im Monat Aktien oder ETFs kauft und verkauft, kann durch die fehlenden Ordergebühren gegenüber Brokern mit einer festen Gebühr pro Trade die Handelskosten senken. Auch für den langfristigen Vermögensaufbau ist das Angebot durch die kostenlosen Sparpläne inzwischen interessant.
Der größte Kompromiss dürfte für Traderinnen und Trader die Bindung an die Tradegate BSX sein. Anleger können nicht selbst prüfen, ob das gewünschte Wertpapier an einer anderen Börse gerade zu einem besseren Kurs erhältlich wäre. Deshalb sollten sie trotz der Null-Euro-Ordergebühr immer auf den angezeigten Kauf- und Verkaufskurs beziehungsweise den Spread achten.
Alternative für große Vermögen: Liqid Vermögensverwaltung
Wer größere Summen investieren, aber seine Geldanlage nicht selbst verwalten möchte, findet mit Liqid eine interessante Alternative zu Tradegate Direct. Der digitale Vermögensverwalter richtet sich vor allem an vermögende Privatanleger und bietet eine professionelle Geldanlage ab 100.000 Euro. Anders als bei einem klassischen Online-Broker müssen Kunden ihre Wertpapiere nicht selbst auswählen und handeln. Liqid übernimmt die Auswahl der Anlageprodukte, laufende Anpassungen an die Marktentwicklung sowie eine kontinuierliche Risikosteuerung.
Liqid verbindet digitale Steuerung mit persönlicher Betreuung durch Investment-Experten. Anleger können zwischen verschiedenen Anlagestrategien wählen, die sich hinsichtlich Risiko, Zusammensetzung, Anlageklassen und Anlagezielen unterscheiden. Zum Einsatz kommen unter anderem Aktien, Anleihen und ETFs. Aufgrund der hohen Mindestanlagesumme von 100.000 Euro eignet sich Liqid für Anleger, die größere Beträge investieren, weniger Zeit für die eigene Geldanlage aufwenden und die Verantwortung für Anlageentscheidungen bewusst an Profis abgeben möchten. Während Tradegate Direct vor allem für Anleger interessant ist, die ihre Investments selbst steuern möchten, ist Liqid eher eine gute Wahl für vermögende Anleger, die ihre Geldanlage lieber professionell verwalten lassen.