Alexa, Apple, Google und Co. Welches Smarthome-System passt zu wem?

Egal ob smarte Beleuchtung, Heizungssteuerung oder Sprachassistent: Typische Smarthome-Systeme eignen sich zum Teil für sehr unterschiedliche Aufgaben. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Plattformen und ihre Stärken.
Ein smartes Heizkörperthermostat per App bedienen, Lampen automatisch einschalten oder mehrere Geräte miteinander vernetzen: Die Möglichkeiten im modernen Smarthome sind vielfältig. Allerdings unterscheiden sich die Systeme bei Bedienung, Funktionsumfang und Kompatibilität teilweise erheblich. Während einige Lösungen besonders einfach einzurichten sind, erlauben andere komplexe Automationen. Welches System passt also zu welchem Haushalt?
Worauf kommt es bei der Wahl eines Smarthome-Systems an?
Bevor die ersten Geräte angeschafft werden, sollte feststehen, welche Aufgaben das vernetzte Zuhause übernehmen soll. Für die Sprachsteuerung einzelner Lampen oder Steckdosen reicht häufig ein kompatibler Smart-Speaker. Sollen dagegen Heizkörper, Rollläden, Bewegungsmelder und weitere Komponenten automatisch zusammenarbeiten, ist direkt eine umfassendere Smarthome-Lösung durchaus sinnvoll.
Matter, Thread, Border-Router: Was ist das eigentlich?
Entscheidend ist vor allem die vorhandene Technik. Ein Apple-Haushalt hat zum Beispiel spürbar andere Voraussetzungen als ein Haushalt mit Android-Smartphones. Auch die verwendeten Funkstandards und Kommunikationswege im WLAN spielen eine Rolle. Der quelloffene Verbindungsstandard Matter wird etwa von vielen Smarthome-Geräten genutzt. Er ermöglicht eine einheitliche Kommunikation der Geräte unterschiedlicher Hersteller, standardisiert also die Sprache, auf der Lichter, Thermostate und Co. miteinander "sprechen". Trotzdem unterstützt nicht jede Plattform auch sämtliche Funktionen.
Wichtig ist auch der Verbindungsweg zwischen den Geräten. Thread, zu Deutsch Faden, ist eine typische Verbindungsoption der Geräte über ein eigenes WLAN-Netzwerk. Das Funknetz ist dabei als sogenanntes Mesh angelegt. Hier kann jedes einzelne Gerät Daten weitergeben, ohne immer eine direkte Verbindung zu einem Router haben zu müssen – anders als in einem klassischen WLAN-Netzwerk für Computer, Smartphones und Co. Ein sogenannter Border-Router stellt als Zentrale die Verbindung zum eigentlichen Heimnetzwerk her und verbindet die Geräte mit dem Internet und der Fernsteuerung über App oder Website. Ein ähnliches System ist Zigbee, das besonders auf geringes Datenaufkommen und niedrigen Energieverbrauch ausgelegt ist.
Amazon Alexa und Google Home: Einfacher Einstieg mit Sprachsteuerung
Amazon Alexa gehört zu den unkompliziertesten Möglichkeiten für den Einstieg ins Smarthome. Über kompatible Echo-Lautsprecher des US-Techriesen lassen sich Lampen, Steckdosen, Fernseher und andere Geräte problemlos per Sprache steuern. Auch Routinen sind möglich: So kann beispielsweise eine festgelegte Sprachansage mehrere Lampen gleichzeitig einschalten oder eine Abendroutine starten. Für einfache Anwendungen genügt häufig ein Echo Dot, ohne dass eine zusätzliche Smarthome-Zentrale erforderlich ist.
Die Details:
Smarter Lautsprecher mit Amazon Alexa
Sprachsteuerung kompatibler Smarthome-Geräte
Individuelle Routinen und Zeitpläne
Kein integrierter Zigbee-Hub oder Thread-Border-Router
Google Home verfolgt einen ähnlichen Ansatz und eignet sich insbesondere für Haushalte, die bereits Google-Dienste und Android-Geräte verwenden. Kompatible Lampen, Steckdosen oder Thermostate lassen sich zentral über die Google-Home-App bedienen und automatisieren. Eine interessante Zentrale ist dabei der Google TV Streamer: Er vereint die Wiedergabe von Filmen und Serien mit einem integrierten Matter-Hub und einem Thread-Border-Router.
Die Details:
4K-Streaminggerät mit Google-Home-Integration
Integrierter Matter-Hub und Thread-Border-Router
Smarthome-Steuerung über die Google-Home-App
HDMI-Kabel für den Fernseher separat erforderlich
Unsere Einschätzung: Alexa und Google Home sind vor allem für Einsteiger geeignet, die zunächst wenige Geräte per Sprache oder App steuern möchten. Für umfangreichere Automationen und spezielle Haustechnik können zusätzliche Zentralen notwendig werden.
Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.
Apple Home: Die passende Lösung für iPhone-Haushalte
Mit Apple Home lassen sich kompatible Lampen, Steckdosen, Thermostate und Sensoren über die vorinstallierte Home-App auf dem iPhone verwalten. Auch die Steuerung per Siri sowie automatisierte Abläufe gehören zum Funktionsumfang. Eine passende Home-Zentrale, etwa ein HomePod oder Apple TV 4K, ermöglicht unter anderem den Fernzugriff und die Ausführung von Automationen. Besonders unkompliziert ist das für Haushalte, die ohnehin überwiegend Apple-Geräte verwenden. Typische Geräte, die mit Apple funktionieren, sind etwa die smarten Steckdosen von Eve Energy.
Die Details:
2 smarte Steckdosen mit Verbrauchsmessung
Unterstützung für Matter über Thread
Kompatibel mit Apple Home und weiteren Matter-Plattformen
Passende Matter-Zentrale und Thread-Border-Router erforderlich
Unsere Einschätzung: Für reine Android-Haushalte ist Apple Home keine naheliegende Wahl. Wer sich dagegen bereits im Apple-Ökosystem wohlfühlt, kann sein Zuhause mit einem HomePod vergleichsweise einfach um passende Smarthome-Geräte erweitern.
Bosch und Homematic IP: Wenn die Heizung smart werden soll
Sollen nicht nur einzelne Lampen, sondern auch Heizung, Fensterkontakte oder Rollläden gesteuert werden, lohnt sich ein Blick auf spezialisierte Smarthome-Systeme. Bosch Smart Home und Homematic IP bieten umfangreiche Produktfamilien, die über die reine Sprachsteuerung hinausgehen. Sie eignen sich sowohl für einzelne Räume als auch für größere Installationen.
Bosch Smart Home setzt zum Beispiel auf eine zentrale Steuerung über den Smart Home Controller II. Damit lassen sich etwa Heizprofile erstellen oder kompatible Fensterkontakte einbinden. Das Heizkörper-Thermostat II [+M] lässt sich alternativ auch direkt in existierende Matter-Systeme integrieren. Der volle Bosch-Funktionsumfang steht allerdings erst innerhalb des proprietären Systems zur Verfügung.
Die Details:
Smart Home Controller II und zwei 2 Heizkörperthermostate
Individuelle Temperaturregelung und Zeitprogramme
Erweiterbar um Sensoren und weitere Bosch-Geräte
Bosch Controller für den vollständigen Systemumfang erforderlich
Homematic IP eignet sich insbesondere für Haushalte, die ihre Haustechnik Schritt für Schritt automatisieren möchten. Neben Heizkörperthermostaten bietet der Hersteller unter anderem Lösungen für Rollläden, Beleuchtung und Sicherheit. Die Einrichtung über den Access Point 2 ist vergleichsweise unkompliziert. Dieser verbindet die Geräte mit der Homematic-IP-Cloud, über die zahlreiche Funktionen der App bereitgestellt werden.
Access Point 2 und 2 Heizkörperthermostate Evo
Steuerung über App und individuelle Heizprofile
Erweiterbar um zahlreiche Homematic-IP-Komponenten
Cloud-Anbindung für die App-Steuerung über den Access Point
Unsere Einschätzung: Bosch und Homematic IP empfehlen sich für größere Smarthome-Projekte mit Heizungssteuerung und weiterer Haustechnik. Für alle Funktionen setzen sie dabei aber vor allem auf eigene Systeme, für die Bridges oder Gateways gebraucht werden.
Fritz! Smart Home: Einfache Erweiterung für die Fritz!-Box
Eine weitere Smarthome-Möglichkeit bietet Fritz!Smart Home. Wer bereits eine kompatible Fritz!Box mit DECT-Basis besitzt, benötigt zum Beispiel für passende Heizkörperthermostate keine zusätzliche Zentrale mehr. Heizprofile, Zeitpläne und Temperaturänderungen lassen sich entspannt über die Fritz!Box beziehungsweise die zugehörige App verwalten. Mit dem Fritz!Smart Gateway kann das System zudem um unterstützte Zigbee-Geräte und eine Matter-Anbindung erweitert werden.
Die Details:
Heizkörperthermostat mit DECT-ULE-Funk
Individuelle Zeitprogramme und Temperaturregelung
Steuerung über die FRITZ!App Smart Home
Kompatible FRITZ!Box mit DECT-Basis erforderlich
Unsere Einschätzung: Fritz!Smart Home ist besonders interessant, wenn bereits die passende Fritz!Box vorhanden ist. Generell gilt: Energieeinsparungen sind per Automatisierung möglich. Sicher sind sie aber nicht.
Samsung SmartThings: Verschiedene Hersteller miteinander verbinden
Nicht jeder Haushalt möchte sämtliche Smarthome-Geräte von einer einzigen Marke kaufen. Hier setzt Samsung SmartThings an. Die Plattform ermöglicht es, zahlreiche Geräte verschiedener Hersteller in einer gemeinsamen Oberfläche zu verwalten und Automationen einzurichten. Mit einer passenden Zentrale lassen sich außerdem sogar unterschiedliche Funkstandards miteinander kombinieren.
Der Aeotec Smart Home Hub 2 ist eine solche Zentrale. Er unterstützt unter anderem Zigbee, Thread und Matter und ermöglicht damit die direkte Verbindung verschiedener kompatibler Geräte. Allerdings ersetzt das Gerät dabei nicht automatisch auch jede herstellerspezifische Bridge. Dies sollte vorher geprüft werden.
Smarthome-Zentrale für Samsung SmartThings
Unterstützt Zigbee, Matter und Thread
Lokale Verarbeitung unterstützter Automationen
Keine integrierte Z-Wave-Unterstützung
Unsere Einschätzung: SmartThings ist vor allem für Haushalte mit Geräten verschiedener Hersteller eine interessante Lösung, um die Geräte gemeinsam über eine Schnittstelle zu bedienen. Allerdings sollte vor dem Kauf geprüft werden, ob die bereits installierten Produkte wirklich unterstützt werden.
Fazit: Welches Smarthome-System ist die richtige Wahl?
Für einfache Sprachbefehle und erste Automationen reichen Amazon Alexa oder Google Home häufig völlig aus. Apple Home bietet sich vor allem für Haushalte an, die bereits iPhones und andere kompatible Apple-Geräte verwenden. Wer seine Heizungssteuerung automatisieren möchte, findet dagegen bei Bosch Smart Home und Homematic IP umfangreichere Lösungen.
Eine vorhandene Fritz!Box kann den Einstieg ebenfalls erleichtern. Samsung SmartThings ist vor allem dann interessant, wenn unterschiedliche Geräte beziehungsweise Matter-kompatible Komponenten miteinander vernetzt werden sollen.
Grundsätzlich gilt: Das beste Smarthome-System ist nicht automatisch das mit den meisten Funktionen. Entscheidend ist, dass die vorhandenen und künftig gewünschten Geräte zuverlässig zusammenarbeiten und die Automationen den Alltag tatsächlich erleichtern.







