Fußball-WM 2019

DFB-Elf in der Einzelkritik Bühl wirbelt, Däbritz grätscht ins Glück

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Alexandra Popp mühte sich auf verschiedenen Positionen redlich, blieb aber im Abschluss zu harmlos. Die Bundestrainerin würdigte die Leistung ihrer Kapitänin dennoch.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Die DFB-Elf kann bei der Fußball-WM in Frankreich auch im zweiten Gruppenspiel nicht überzeugen. Am Ende steht trotzdem ein Sieg und damit wohl der Einzug ins Achtelfinale. Während sich die Kapitänin für das Team aufopfert, erklärt Sara Däbritz ihren Treffer ganz nüchtern.

Wer gewinnt, hat immer Recht. Bei sechs Punkten aus zwei Spielen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich hat das DFB-Team also alles richtig gemacht? Naja, die zwei 1:0-Siege in der Gruppe B gegen China und nun gegen Spanien lassen großen Spielraum bis zur Perfektion. Aber die Nationalelf soll ja noch Chancen zur Steigerung bekommen. "Wir waren sehr nervös und hatten Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind", sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg: "Gott sei Dank haben wir dann das Tor erzwungen. Danach haben wir eine großartige Energieleistung gezeigt."

In der Tat, das Tor in der 42. Minute durch Sara Däbritz kam überraschend. Bis dato wäre es eher verständlich gewesen, wenn die Spanierinnen getroffen hätten. Doch am Ende hieß es im fünften Aufeinandertreffen der beiden Nationen: Die Deutschen bleiben mit ihrem dritten Sieg ungeschlagen. Für das dritte Gruppenspiel gegen Südafrika und das sehr wahrscheinliche Achtelfinale gibt Voss-Tecklenburg vor: "Wir brauchen gar nicht so nervös zu sein. Es ist jetzt zweimal gut gegangen - nun muss der nächste Schritt kommen." Mit wem es warum zweimal gut ging, lesen Sie hier in der Einzelkritik:

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Nicht fehlerfrei, aber vor allem am Ende mit ganz viel Ruhe: Torhüterin Almuth Schult.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Almuth Schult: Die Torhüterin bewies auch im zweiten Gruppenspiel, warum alle beim DFB gehofft haben, dass ihre Schulter rechtzeitig zur WM heilt. Bereits nach acht Sekunden trat sie an zur Rettungstat, die aufgrund eines schwachen Rückpasses nötig wurde. Schult war da, wenn sie gebraucht wurde, hielt, was es zu halten gab. Sie strahlte Ruhe aus, versuchte von ganz hinten Sicherheit in das deutsche Spiel zu bringen. Eine erneut gute Leistung der deutschen Nummer eins.

Verena Schweers: Puh, da hatte die 30-Jährige vom FC Bayern aber mal richtig viel Glück. In der 63. Minute bekam sie von Schiedsrichterin Kateryna Monzul Gelb gezeigt - nur Gelb. Interpretiert man ihre Position bei ihrem Foul an Garcia als letzte Frau, hätte es auch Rot geben können. Genau das, was die Spanierinnen anschließend bei der Schiedsrichterin einforderten. Das 45. Länderspiel war nicht das beste der Badenerin, nicht nur aufgrund dieser kritischen Szene. Bei ihrem ersten WM-Einsatz wirkte sie nervös, vertändelte den Ball des Öfteren und war häufig einen Schritt zu langsam. Wie die Leistung der Deutschen insgesamt, wurde auch ihre in der zweiten Halbzeit besser.

Marina Hegering: Die Innenverteidigerin hat ganz offensichtlich einen Dickschädel - im wörtlichen Sinne. In der 23. Minute knallte die 29-Jährige von der SGS Essen im Kopfballduell voll mit Nahikari Garcia zusammen. Während die Spanierin benommen liegen blieb und behandelt werden musste, spielte Hegering einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Die Ruhe, die sie in dieser Szene ausstrahlte, zeigte sie auch im restlichen Spiel. Gegenüber der Partie gegen China agierte sie wie ihre Verteidigerkollegin Doorsoun deutlich verbessert - nachdem ein Stellungsfehler in der Anfangsphase folgenlos geblieben war.

Sara Doorsoun: "Die Fehlpässe dürfen nicht passieren", hatte die 24-Jährige vom VfL Wolfsburg nach dem WM-Auftakt gegen China kritisch über sich selbst gesagt. Und verlangte eine Leistungssteigerung von sich selbst. Die zeigte sie nun in ihrem 27. Länderspiel. Sie wirkte deutlich ruhiger, nicht mehr so nervös und spielte abgeklärter. Ihre Pässe kamen nicht mehr in höchster Not im letzten Moment. Und wenn es mal wichtig war, war sie sich auch nicht zu schade für einen Rückpass zu Torhüterin Schult. Schon in der 6. Minute rechtfertigte sie, warum Voss-Tecklenburg sie erneut aufstellte: In höchster Not rettete sie vor der allein aufs Tor zulaufenden Garcia.

Kathrin Hendrich: Die 27-Jährige vom FC Bayern spielte auf dem rechten Flügel und bemühte sich häufig ums Aufbauspiel nach vorn. Doch viele Pässe kamen nicht bei ihren Mitspielerinnen an und so konnte sie in ihrem 30. Länderspiel nicht glänzen. Mit der Abwehr der spanischen Angriffe wirkte sie häufig etwas überfordert und hatte das Nachsehen. Schließlich wurde sie zur Halbzeit ausgewechselt.

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Klara Bühl ist die Gewinnerin des zweiten Vorrundenspiels des DFB-Teams.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Ab 46. Minute Klara Bühl: "Es war natürlich super", sagte Bühl nach dem Spiel strahlend. Kein Wunder, es ist eine Wonne, der 18-Jährigen zuzuschauen. Die Offensivspielerin vom SC Freiburg befeuerte den deutschen Angriff und wirbelte die spanische Abwehr gut durcheinander. Die Bundestrainerin habe ihr mitgegeben, ein Tor zu schießen, erklärte sie - und sie versuchte alles. In der 62. Minute setzte sie sich im Strafraum durch, doch Spaniens Torfrau Sandra Panos parierte. Nur zwei Minuten später versuchte sie es erneut, zog den Ball mit rechts aber über das Tor. Auch in der 87. Minute bekam sie einen Kopfball nicht ins Tor. Aufgabe also nicht ganz erfüllt? "Nee, aber das ist ja auch nicht schlimm." Stimmt, denn ihre Leistung war dennoch überzeugend.  

Lena Oberdorf: Die 17-Jährige war eine der Gewinnerinnen des China-Spiels zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Augenscheinlich überzeugte sie auch die Bundestrainerin, die sie nun von Beginn an aufs Feld schickte. Und wieder einmal spielte die Essenerin gut. Ruhig und abgeklärt. Sie ließ sich von der Nervosität ihrer Mitspielerinnen nicht anstecken. Sie machte so lange den Ball fest, bis sie eine freie Mitspielerin ausgemacht hatte. Tat also das, was man von einer abgeklärten Defensivspielerin erwarten kann - auch wenn sie noch ein Teenager ist, der erst sein fünftes Länderspiel absolvierte.

Ab 64. Minute: Lina Magull: Die 24-Jährige vom FC Bayern ersetzte Oberdorf nicht eins zu eins, sondern rückte in die Offensive. Während sie sonst für kreative Spiellösungen bekannt ist, war davon in ihrem 32. Länderspiel nicht allzu viel zu sehen. Dafür überraschte sie mit einem satten Torschuss mit dem rechten Fuß in der 88. Minute. Aber erstens knapp vorbei und zweitens Abseits.

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Sara Däbritz: "Ich habe einfach versucht, noch irgendwie an den Ball zu kommen, habe dann die Grätsche gesetzt und dann ist es mir glücklicherweise gelungen, den Ball über die Linie zu drücken." So lapidar kann man das 1:0-Siegtor der Deutschen in der 42. Minute also auch beschreiben. Dank der 24-Jährigen, die vom FC Bayern zu Paris Saint-Germain wechselt, konnte die DFB-Elf auch das zweite Gruppenspiel gewinnen. Oder eben so: Im ersten wirklich konsequenten Angriffsspielzug schickte Goeßling Huth auf rechts, die flankte in den Strafraum, wo Popp per Kopf abschließen konnte. Torhüterin Panos konnte zwar parieren, musste aber abprallen lassen. Däbritz' Moment war gekommen, Tor Nummer elf im DFB-Team. Auch ansonsten überzeugte sie in ihrem 62. Länderspiel mit vielen guten offensiven Momenten.

Lena Goeßling: Sie hat sich übers Training in die Startelf gespielt, begründete Voss-Tecklenburg die Aufstellung ihrer mit 33 Jahren ältesten Spielerin. Die Frau vom VfL Wolfsburg konnte in ihrem 106. Länderspiel aber nicht überzeugen. Gegen die flinken Spanierinnen hatte sie oft das Nachsehen. Wurde schließlich in der 79. Minute für Melanie Leupolz ausgewechselt.

Ab 79. Minute: Melanie Leupolz: "Letzten Endes geht es um die Punkte. War kein schöner Fußball, war ein Arbeitssieg", sagte die 25-Jährige vom FC Bayern über ihr 60. Länderspiel. Aber: "Wenn wir jedes Spiel 1:0 gewinnen, sind wir Weltmeister." Das ist nicht zu widerlegen.

Giulia Gwinn: Sie war die große Gewinnerin des WM-Auftakts gegen China. Mit ihrem erlösenden Siegtreffer hatte die 19-Jährige ihrem Team einen erfolgreichen Einstieg ins Turnier beschert. Im zweiten WM-Spiel konnte die Spielerin des SC Freiburg nicht so sehr reüssieren. Aufgrund der Systemumstellung fand sie sich statt in der linken Abwehr nun auf Rechtsaußen wieder. In vielen Zweikämpfen wirkte sie überraschend naiv, fast als wäre sie überrascht vom Willen ihrer Gegnerinnen. Allerdings sorgte sie in der 17. und 18. Minute aber für den ersten und zweiten deutschen Abschluss aufs spanische Tor, die jedoch beide nichts einbrachten. Eine durchwachsene Leistung mit Höhen und Tiefen.

Alexandra Popp: "Ich will, dass wir als Mannschaft hier erfolgreich aus dem Turnier gehen und wenn ich dann auf der Sechs spielen sollte, ist das so." So erklärte die Kapitänin des DFB-Teams ihren Positionswechsel im Spiel. Als Offensivkraft lief sie auf, als Defensivspielerin beendete sie die Partie. Dazwischen lagen teils zähe 90 Minuten der 28-Jährigen vom VfL Wolfsburg. In der ersten Halbzeit hatte sie nicht wirklich Zugriff aufs Spiel, wurde von den Spanierinnen gekonnt zugestellt. Beim Tor in der 42. Minute aber stand sie da, wo eine Stürmerin stehen muss. Ihren Kopfball konnte Torhüterin Panos zwar parieren, musste den Ball aber abprallen lassen. Warum? "Weißt ja, wenn ich köpfe, köpfe ich hart", sagte sie grinsend. Zufriedener sein kann sie mit ihrer Leistung nach dem Positionswechsel, ab da wirkte Popp deutlich besser aufs deutsche Spiel ein.

Svenja Huth: Sie hatte sich Fritz-Walter-Wetter gewünscht, pünktlich zum Angriff sollte sie Fritz-Walter-Wetter bekommen. Der Regenguss, der über dem Stadion du Hainaut in Valenciennes herabging, schien die Noch-Potsdamerin überhaupt nicht zu stören. Die 28-Jährige brachte in Hälfte eins als einzige richtig Tempo nach vorn. Entsprechend viele Angriffe liefen über die Frau, die zum VfL Wolfsburg wechselt. Kein Wunder, dass es auch ihre Flanke war, die das 1:0 einleitete. Fazit: Ihr 46. Länderspiel war ein gutes.

Quelle: n-tv.de

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