Fußball-WM 2018

Schmutziger Urin bei Kambolow Dopingfahnder greift russische Nationalelf an

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Jeder müsse seine eigenen Schlüsse ziehen, sagt Dopingfahnder Richard McLaren.

imago/ITAR-TASS

Ruslan Kambolow steht im vorläufigen Kader der russischen Nationalmannschaft für die Heim-WM. Ins endgültige Aufgebot schafft es der 28-Jährige aber nicht. Offiziell laboriert er an einer Verletzung. Indizien bringen ihn erneut mit Doping in Verbindung.

Es gibt neue Doping-Vorwürfe im Umfeld der russischen Fußball-Nationalmannschaft. Einen Tag vor dem dritten und letzten Gruppenspiel bei der Heim-WM am Montag gegen Uruguay (ab 16 Uhr im ZDF und im n-tv.de-Liveticker) berichtet die englische "Mail on Sunday", im Vorfeld der WM sei die Dopingprobe eines später aussortierten russischen Nationalspielers auf Anordnung des Sportministeriums manipuliert und vertuscht worden. Darauf weisen laut der Zeitung die Tagebücher und Aussagen von Whistleblower Grigorij Rodtschenkow sowie E-Mails hin.

Demnach liegen der Zeitung Dokumente vor, aus denen hervorgeht geht, dass der WM-Kandidat Ruslan Kambolow bereits im Mai 2015 positiv auf Steroide getestet worden sei. Um den Befund zu verdecken, habe das Sportministerium seinen Urin später mit dem eines Modernen Fünfkämpfers ausgetauscht.

Kambolow spielt für den zweimaligen russischen Meister Rubin Kasan und stand im vorläufigen WM-Kader Russland. Offiziell wurde er wegen einer Verletzung aber nicht nominiert. Die ARD hatte schon in der vergangenen Woche von den Vorwürfen berichtet.

"Es gab keinen sauberen Urin"

"Es gab keinen sauberen Urin für Kambolow", sagte Richard McLaren, der Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, der "Mail on Sunday". "In seinem Fall wurde der schmutzige Urin mit dem sauberen Urin ersetzt, dessen Profil dem ursprünglichen am ähnlichsten war." Jeder müsse seine eigenen Schlüsse ziehen, erklärte McLaren. Für ihn sei jedoch klar, warum Kambolow nicht nominiert worden sei. McLaren hatte mit seiner Untersuchung das russische Staatsdoping aufgedeckt.

Die Fifa erklärte nach Angaben der "Mail on Sunday", dass es keine ausreichenden Beweise für Strafen gegen russische Fußballer gegeben habe. McLarens Meinung basiere zudem nicht auf den gesamten Informationen.

Der Fußballweltverband hatte die "Akte Russland" am 22. Mai geschlossen und den aktuellen Kader des WM-Gastgebers von den Dopingverdächtigungen freigesprochen. Die Untersuchungen zu allen Spielern des vorläufigen Turnier-Aufgebots wurden "mangels ausreichender Beweise für das Vorliegen eines Verstoßes" eingestellt.

Quelle: n-tv.de, chr/sid

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