Militärübung an der Ostsee3000 NATO-Soldaten üben Landung an deutscher Ostseeküste unter deutschem Kommando

Probe für den militärischen Ernstfall an der Ostseeküste: Rund 3000 Nato-Soldaten haben am Mittwoch unter dem Kommando des deutschen Generals Ingo Gerhartz die Landung an der deutschen Ostseeküste geübt.
Kräfte des spanischen und türkischen Militärs absolvierten am Truppenübungsplatz Putlos rund 50 Kilometer östlich von Kiel und im Meer davor eine amphibische Landeübung, bei der rund 250 Soldaten an Land gingen.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius beobachtete die Übung. Im Anschluss sagte er, die Übung habe gezeigt, dass die Nato "geschlossen" und "einsatzbereit" sei. "Gerade in der Ostsee hat sich die Sicherheitslage dramatisch verschärft", fügte er an. "Russland bedroht uns hybrid." Die Nato-Staaten zeigten mit Übungen wie der in Putlos, "dass wir es ernst meinen mit der Abschreckung".
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, sprach von einer "realen Bedrohung", der sich Deutschland und seine Nato-Partner stellen müssten. "Russland richtet seine Streitkräfte weiter nach Westen aus", sagte er. Übungen wie die in Putlos hätten auch Auswirkungen "diplomatischer Natur", da die Nato dadurch Stärke und Einheit gegenüber ihren Gegnern zeige.
Bei der Übung kamen nach Nato-Angaben insgesamt 15 Schiffe zum Einsatz. Zunächst überflogen zwei Eurofighter-Kampfjets der Bundeswehr den Strandabschnitt bei Putlos, wie ein AFP-Reporter vor Ort beobachtete. Dann gingen dort fünf spanische Kampftaucher an Land und schließlich fuhren acht amphibische Kettenfahrzeuge vom Typ "Zaha" der türkischen Marine aus dem Meer ins Küstengebiet. Unterstützt wurden sie dabei von Kampfhubschraubern, aus denen sich schließlich spanische Spezialkräfte abseilten.
An den Übungen des Manövers "Steadfast Dart 2026" von Januar bis März nehmen keine US-Soldaten Teil. Pistorius wehrte den Eindruck ab, dass dies mit den Spannungen im transatlantischen Verhältnis zusammenhänge. Dass lediglich europäische Nato-Staaten beteiligt sind, sei "völlig normal" und in der "normalen Rotation" unter den Bündnispartnern begründet.
Die Soldaten von Marine und Spezialkräften übten am Mittwoch dafür, den Strandabschnitt in Putlos unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Übung ist Teil des über mehrere Staaten verteilten Nato-Manövers "Steadfast Dart 2026" (zu Deutsch: standhafter Pfeil) mit insgesamt rund 10.000 Soldaten aus elf europäischen Bündnisstaaten, allein in Deutschland sind dafür 7.300 Streitkräfte im Einsatz.
Getestet werden das möglichst schnelle Verlegen von Truppen im Nato-Gebiet. Es ist das bislang größte Manöver der 2024 aufgestellten schnellen Eingreiftruppe des Bündnisses (Allied Reaction Force, ARF).
Die Eingreiftruppe ARF soll im Ernstfall - also etwa bei einem Angriff von außen auf die Nato oder einer humanitären Katastrophe - binnen zehn Tagen 40.000 Soldaten in den Einsatz bringen. Die Entscheidung dafür muss der Nordatlantikrat der Nato treffen.