So groß wie LissabonÄgyptens neues Militär-Hauptquartier

Mit einer aufwendigen Zeremonie hat Ägypten das neue Hauptquartier für die Streitkräfte des Landes eingeweiht - Beobachtern zufolge nun das größte seiner Art weltweit.
Der Präsident und Ex-General Abdel Fattah al-Sisi, der sich erstmals seit mehr als zehn Jahren öffentlich in Militäruniform zeigte, bezeichnete den Komplex bei der Eröffnung als "Beweis für den Willen einer Nation, die das Unmögliche nicht kennt". Auf dem Weg zum "Octagon", wie das Kommandozentrum heißt, wurde er von Kampfhubschraubern begleitet und begutachtete dort unter anderem militärisches Gerät.
Der Name "Octagon" (Achteck) verweist auf acht zentrale Gebäude des Komplexes mit einem Grundriss von jeweils acht Ecken. Der Name könnte aber auch ein Verweis sein auf das Pentagon (Fünfeck), dem Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums in der Nähe von Washington. Das Pentagon galt lange als weltweit größter Bau für ein Verteidigungsministerium - jetzt wurde es vom "Octagon" abgelöst. Dieses entspricht mit einer Fläche von rund 90 Quadratkilometern der Größe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.
Der Komplex liegt in der neuen Verwaltungshauptstadt in der Wüste östlich von Kairo, mit geschätzten Kosten von umgerechnet 50 Milliarden Euro eines der teuersten Projekte seit der Machtübernahme al-Sisis. Ägypten steckt in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten und hat derzeit eine Auslandsverschuldung in Höhe von umgerechnet 143 Milliarden Euro. Viele Ägypter machen al-Sisi und seine Megaprojekte für die Krise verantwortlich.
Al-Sisi kam in dem nordafrikanischen Land 2013 in einem vom Militär getragenen Putsch an die Macht. Ägypten spürt seit Jahren deutlich die Folgen von Kriegen im benachbarten Gaza und dem Sudan sowie vom anhaltenden Konflikt im Nachbarland Libyen. Die Sicherheitslage in Ägypten selbst ist nach den Unruhen der Revolution von 2011 aber vergleichsweise stabil.