Humanitäre Lage verschärft sichAmnesty fordert sofortigen Abschiebe-Stopp nach Afghanistan

Amnesty International hat angesichts der sich verschärfenden humanitären Lage in Afghanistan einen sofortigen Stopp von Abschiebungen in das Land gefordert.
Amnesty International hat angesichts der sich verschärfenden humanitären Lage in Afghanistan einen sofortigen Stopp von Abschiebungen in das Land gefordert. Die zuletzt verstärkt vollzogenen zwangsweisen Rückführungen von Afghaninnen und Afghanen aus Pakistan, Iran und einigen europäischen Ländern seien "rechtswidrig", erklärte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag. Das Völkerrecht verbiete Abschiebungen in Länder, wo Rückkehrer einem "realen Risiko schwerer Menschenrechtsverletzungen" ausgesetzt seien.
Seit Anfang des Jahres kehrten UN-Angaben zufolge rund 2,5 Millionen Menschen nach Afghanistan zurück, was einem Bevölkerungswachstum von sechs Prozent entspricht. Zugleich sei das Land mit einer tiefgreifenden wirtschaftlichen, klimatischen und humanitären Krise konfrontiert. Massive Kürzungen der Auslandshilfe verschärften die Lage im Land zuletzt weiter. "Diese Eile, Menschen gewaltsam nach Afghanistan zurückzuschicken, ignoriert die Gründe, warum sie überhaupt geflohen sind", kritisierte Amnesty-Regionaldirektorin Smriti Singh. Auch seien Rückkehrerinnen und Rückkehrer "ernsthaften Gefahren ausgesetzt, wenn sie zurückgeschickt werden".
Amnesty verwies zudem kritisch auf Medienberichte, wonach "Deutschland, Österreich und die Europäische Union mit den de facto Taliban-Behörden Verhandlungen führen, um Zwangsrückführungen zu erleichtern". Viele der Neuankömmlinge in Afghanistan würden gemieden und fänden keine Arbeit. Frauen und Mädchen seien zudem unter der strengen Auslegung des Islam durch die radikalislamischen Taliban mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert.
Das Nachbarland Pakistan hatte seit mehr als 40 Jahren Menschen aus Afghanistan aufgenommen, die vor Gewalt und humanitären Krisen geflohen sind - von der sowjetischen Invasion 1979 bis zur Machtübernahme durch die Taliban im Jahr 2021. Unter Berufung auf eine Zunahme gewalttätiger Angriffe startete die pakistanische Taliban-Regierung jedoch 2023 eine massenhafte Rückführung von Afghanen, die sie als "Terroristen und Kriminelle" abstempelt.