Gewerkschaft übt heftige KritikBASF will Tausende Werkswohnungen verkaufen

Der Chemiekonzern BASF will sich angesichts der Branchenkrise von einem Großteil seiner Werkswohnungen trennen und erntet dafür heftige Kritik von der Gewerkschaft IGBCE.
Insgesamt sollen 4.400 Wohneinheiten veräußert werden, wie das Unternehmen am Montag in Ludwigshafen mitteilte. Die Gewerkschaft warf dem Konzern vor, sich von seinen Werten zu verabschieden und langjährige Mitarbeiter zu verunsichern. BASF begründete den Schritt mit dem schwierigen Marktumfeld. Das erfordere einen hohen Fokus auf das Kerngeschäft, erklärte der Leiter der Europäischen Verbundstandorte, Helmut Winterling. Insbesondere im Stammwerk Ludwigshafen kämpft BASF seit Jahren mit hohen Energiekosten und einem weltweiten Überangebot an Basischemikalien. Dort fiel allein 2024 ein operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro an. Die Bilanz für das vergangene Jahr wird am Freitag veröffentlicht.
Die Veräußerung der Wohnungen sei eine "schwierige, aber notwendige Entscheidung", die helfe, die Bilanz zu stärken, sagte Winterling. Eine Sozialcharta solle die Rechte der Mieter sichern, unter anderem durch ein lebenslanges Mietrecht für über 70-Jährige und einen zehnjährigen Kündigungsschutz bei Eigenbedarf. Der Verkauf soll bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein. Ein Teil des Wohnungsbestands in der Nähe des Stammwerks soll im Eigentum von BASF bleiben. Die zum Verkauf stehenden Einheiten verteilen sich dem Unternehmen zufolge mehrheitlich über das Stadtgebiet von Ludwigshafen, Frankenthal, Limburgerhof, Mannheim und Maxdorf.
Die IGBCE verurteilte die Pläne. In den Wohnungen lebten größtenteils aktive oder ehemalige Beschäftigte, die jahrzehntelang loyal zum Unternehmen gestanden hätten. Diese würden nun dem Druck der Immobilienwirtschaft ausgesetzt. "Das aktuelle Vorgehen meiner BASF, sich von ihren Werten zu verabschieden, ist nicht nachvollziehbar und wirkt auf mich rein finanzgetrieben", sagte der Vorsitzende der IGBCE-Vertrauensleute bei BASF, Stephan Güldner. Es entstehe der Eindruck, dass ohne Not das "Tafelsilber" veräußert werde.
Die Gewerkschaft sieht den Verkauf zudem als weiteres Signal für mangelndes Vertrauen des Vorstands in den Standort Deutschland. Sie verwies auf den massiven Stellenabbau und die Verlagerung von Tätigkeiten. Der eingeschlagene Weg sei ein "Offenbarungseid und ein Zeichen der Hilf- und Ideenlosigkeit". Der IGBCE-Bezirksleiter Ludwigshafen, Steffen Seuthe, sprach von "Sprengstoff für die Gesellschaft und die politische Landschaft", insbesondere mit Blick auf die anstehende Betriebsratswahl und die Chemie-Tarifrunde.