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Keine erkennbaren Auswirkungen Britische Drohung gegen russische "Schattenflotte" offenbar weitgehend folgenlos

28.04.2026, 20:01 Uhr
starmer

Die Anweisung der britischen Regierung vom März, dem Militär das Entern von Schiffen der sogenannten "Schattenflotte" Russlands zu ermöglichen, ist offenbar weitgehend folgenlos geblieben.

Die Anweisung der britischen Regierung vom März, dem Militär das Entern von Schiffen der sogenannten "Schattenflotte" Russlands zu ermöglichen, ist offenbar weitgehend folgenlos geblieben. Eine Analyse der Nachrichtenagentur Reuters zeigt, dass die Entscheidung von Premierminister Keir Starmer keine erkennbaren Auswirkungen auf die Zahl dieser Schiffe hatte, die britische Gewässer durchquerten und zum Teil mutmaßlich Öl aus Russland geladen hatten. Experten zufolge muss Großbritannien seinen Worten aber Taten folgen lassen. "Sonst werden diese Schiffe zu dem Schluss kommen, dass es sich um eine leere Drohung handelte", sagte etwa Elisabeth Braw, Expertin für maritime Sicherheit beim Atlantic Council in Washington.

Starmer hatte Ende März erklärt, er habe das Militär ermächtigt, russische Schiffe in britischen Gewässern zu entern und festzuhalten. Damit solle ein Netzwerk zerschlagen werden, das es Russland ermögliche, trotz westlicher Sanktionen Öl zu exportieren. Er habe dies genehmigt, weil sich Russlands Präsident Wladimir Putin wohl "die Hände reibe" angesichts des durch den Iran-Krieg bedingten starken Anstiegs der Ölpreise. Die Regierung in London hat zwar Streitkräfte der USA und Frankreichs, die russische Schiffe aufbrachten, logistisch und nachrichtendienstlich unterstützt. Aber die britische Marine hatte zuvor nicht die Erlaubnis, russische Schiffe zu entern. Ein Insider hatte gesagt, die dann doch erteilte Erlaubnis könne dazu führen, dass diese Schiffe den Ärmelkanal meiden und dadurch zu längeren, teureren Routen gezwungen würden.

Großbritannien hat Sanktionen gegen 544 Schiffe der russischen Schattenflotte verhängt. Etwa drei Viertel des russischen Rohöls werden nach Schätzungen mit diesen Schiffen transportiert. Sie weisen in der Regel undurchsichtige Eigentümerstrukturen auf. Zudem gibt es Sorgen vor Umweltrisiken, da die schlecht regulierten, veralteten Tanker für Ölunfälle, mechanische Ausfälle und Leckagen anfällig sind.

Im Monat nach Starmers Drohung vom 25. März passierten mindestens 98 russische Schiffe, gegen die britische Sanktionen verhängt wurden, britische Gewässer – etwa genauso viele wie in jedem der drei Monate davor. Es gab auch keine Meldungen über das Aufbringen oder Festhalten solcher Schiffe. Daten zeigen, dass 63 Schiffe in einer Entfernung von weniger als zwölf Seemeilen zur Küste im Ärmelkanal vorbeifuhren, der direktesten Route zwischen der Ostsee und Südeuropa. Weitere 35 durchquerten die britische ausschließliche Wirtschaftszone, die sich bis zu 200 Seemeilen vor der Küste erstreckt, hauptsächlich um Nordschottland herum. Die Daten deuteten darauf hin, dass mindestens zehn vorbeifahrende Schiffe beim Durchqueren britischer Gewässer "Spoofing" betrieben - also ihre Ortungssysteme ausschalteten oder manipulierten. Andere europäische Länder, darunter Frankreich, Belgien und Schweden, haben in den letzten Monaten Schiffe der russischen Schattenflotte geentert und festgesetzt.

Die Situation hängt allerdings auch mit dem allgemeinen Zustand der britischen Marine zusammen. Einst eine legendäre Seemacht, ist sie heute so klein wie seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr - und das Militär sieht sich dennoch mit Forderungen von Verbündeten konfrontiert, Einsätze in Osteuropa, der Arktis und im Nahen Osten zu unterstützen. Beobachter hatten zudem erklärt, dass das mangelnde Durchgreifen auch auf das Fehlen einer eigenen Küstenwache zur Strafverfolgung zurückzuführen ist, über die Großbritannien im Gegensatz zu Frankreich oder Schweden nicht verfügt

Quelle: ntv.de, RTS

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